Neuer Lebensmut für Schmerzpatienten

Federführend ist die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, die bereits die Schmerzambulanz betreibt und seit mehr als 15 Jahren über Erfahrungen in der modernen Schmerztherapie verfügt.
„Wir verfolgen mit der so genannten ‚Multimodalen Schmerztherapie’ nicht nur ein innovatives medizinisches Konzept zur ganzheitlichen Betreuung von Menschen mit chronischen Schmerzen, sondern gehen auch in der künstlerischen Ausgestaltung neue Wege“, betonte der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Prof. Marek Zygmunt. Die Künstlerin Birgit Wette aus Ostvorpommern hat eine einzigartige Farbgestaltung in der Tagesklinik realisiert.

Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an starken chronischen Schmerzen. Im Gegensatz zum akuten Schmerz hat der chronische Schmerz seine sinnvolle Alarmfunktion verloren. Der Schmerz wird zum eigenständigen Krankheitsbild, bei dem neben körperlichen Störungen auch psychische und soziale Veränderungen zu einem hohen Leidensdruck und schwerwiegender Beeinträchtigung im Alltag führen.

Tagesklinik ohne Betten – aktiv gegen den Schmerz

„Mit unserem tagesklinischen Gruppenprogramm möchten wir Patienten unterstützen, ihre Schmerzen in den Griff zu bekommen und die alltäglichen Beeinträchtigungen zu verringern. Vollständige Schmerzfreiheit ist allerdings oft kein realistisches Ziel. Mit Hilfe unseres interdisziplinären Teams aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Fachpflegekräften können Patienten mit chronischen Schmerzen aber lernen, den Einfluss der Schmerzen auf ihr Leben zu verringern“, erläuterte die Anästhesistin und Schmerztherapeutin Dr. Stefani Adler.

Der besondere therapeutische Ansatz der Greifswalder Schmerztagesklinik liegt in der ganzheitlichen medizinisch-psychologischen Betreuung von Schmerzpatienten, der den seelischen, körperlichen und sozialen Aspekten der Schmerzerkrankung gleichermaßen Rechnung trägt. Das tageklinische Vor-Ort-Konzept mit zehn Plätzen erlaubt Patienten, dass sie außerhalb der jeweils drei- bis vierwöchigen Behandlungszeiten von 8.00 bis 16.00 Uhr bei ihren Familien verbleiben können. „Dabei reden wir bewusst von zehn Plätzen, da unsere Patienten selbst aktiv werden sollen und dafür keine Betten brauchen“, so Adler. Nach umfassender Diagnostik wird für jeden Patienten ein individueller Therapieplan erstellt. „Jeder Patient erlebt seine Erkrankung und Schmerzen anders, darauf müssen wir uns einstellen. In der Tagesklinik können wir uns über einen längeren Zeitraum wesentlich intensiver mit den Betroffenen und ihren Schmerzproblemen befassen.“

Multimodale Schmerztherapie – auf vielen Wegen den Schmerz bekämpfen

In der Multimodalen Schmerztherapie werden verschiedene Maßnahmen gleichzeitig zur Schmerzbekämpfung genutzt. Die Behandlung umfasst die gezielte Patientenschulung, das Schmerzbewältigungstraining, die psychologische Gruppen- und Einzeltherapie, die medizinische Trainingstherapie und Physiotherapie, die Ergotherapie, die ärztliche und medikamentöse Beratung sowie das Entspannungstraining und gemeinsame Teambesprechungen. Fast die gesamte Therapie findet in einer Gruppe von fünf bis acht Patienten statt. Somit können in einer vertrauensvollen Atmosphäre Erfahrungen ausgetauscht und gegenseitige Unterstützung gewährt werden. Für Patienten mit geringerer körperlicher Belastbarkeit werden spezielle „Seniorengruppen“ gebildet. Diese Gruppen kommen zweimal wöchentlich ganztägig in einem Zeitraum von acht Wochen zusammen.

Kernpunkte der Multimodalen Schmerztherapie sind das Grundprinzip „Handeln statt Behandeln“, der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“, das Motto „Aktivität statt passives Abwarten“ und die Motivation „Lebensmut trotz Beeinträchtigung“. Auf der Basis dieser therapeutischen Philosophie wird eine langfristige positive Veränderung auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene angestrebt.

Die Kraft der Farben – Schmerztherapeuten und Künstler im Dialog

Schmerz hat zwei Gesichter: ein leibliches und ein seelisches. Sind Schmerzen einmal chronisch geworden, beginnen sie unser Fühlen, Denken und Handeln einzuengen. Der Austausch zwischen der Innen- und Außenwelt nimmt auf Dauer Schaden. Die Multimodale Schmerztherapie versucht medikamentös Schmerzen zu lindern, aber auch vielschichtige Heilungsprozesse in Gang zu setzen. Dazu gehört die Förderung gesunder Lebensfunktionen. Hierfür steht das Idealbild des Menschen als ein soziales und tätiges Wesen, das seine Umwelt wahrnimmt und auf sie einwirkt.

Der therapeutische Raum der Tagesklinik für Schmerztherapie sollte diese Wechselwirkung widerspiegeln – Nischen für Kraft und Entspannung, für Anregung und Rückzug, für Miteinander und Selbstreflexion bieten. Die Raumgestaltung mit unterschiedlichen Farben und Farbkombinationen flankiert das therapeutische Konzept. Eine Greifswalder Tagesklinik steht mitten im Leben. Ihre Ausgestaltung ist weder Innendesign noch Kunstgalerie, sie soll vertraut sein und doch anregend auf die Mitarbeiter, Patienten und Angehörige wirken. Die Grafik-Designerin Birgit Wette hat sich intensiv mit Farblehren und Farbtheorien auseinandergesetzt. Ihr Anliegen ist Umwelten als Lebenswelten zu gestalten und ein Mittel hierbei ist die universelle Sprache der Farbe (birgit-wette-art.com). „In unserer Tagesklinik wollen wir auch der ‚Heilkunst’ einen Platz einräumen, die neben dem Behandeln körperlicher Leiden auch Platz für kreative Lebensformen lässt“, so Dr. Stefani Adler abschließend.

Termine und Beratung für Schmerzpatienten
Telefon 03834-86 22 127

Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Direktor: Prof. med. Michael Wendt
Schmerztagesklinik
Leiterin: Dr. med. Stefane Adler
Wollweberstraße 1, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-22 127
E sadler@uni-greifswald.de
<www.klinikum.uni-greifswald.de>
(idw, 08/2010)

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