Zweifel an gentechnisch hergestellten Rheuma-Medikamenten unbegründet

Um Eltern, Betroffene und Ärzte besser aufzuklären, müssen die neuen Informationen zügig bekannt gemacht werden, forderten Kinderrheumatologen im Vorfeld des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Auf der Kongress-Pressekonferenz am 3. September berichten Experten zudem, wie sich die Therapie bei Kindern mit Rheuma in den letzten 20 Jahren verbessert hat.

Im Jahr 2009 warnte die Amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) vor einem erhöhten Krebsrisiko durch Biologika. „Studien der letzten fünf Jahre konnten diese Bedenken jedoch bei fast 20.000 Kindern mit Rheuma, der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA), entkräften“, so Professor Dr. med. Kirsten Minden, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), Kinderrheumatologin an der Universitäts-Kinderklinik, Charité Berlin. Kürzlich publizierte deutsche Registerdaten bestätigen jetzt die Ergebnisse. Insgesamt haben die Berliner Forscher etwa 3000 Patientendaten über bis zu dreizehn Jahre ausgewertet.

„Dennoch zögern einige Eltern, wenn wir ihren Kindern Biologika empfehlen, aus Angst vor einem erhöhten Krebsrisiko“, so Minden. Auch unter den Ärzten gäbe es noch Skeptiker. „Dabei haben Biologika die JIA-Therapie in den letzten Jahren entscheidend verbessert“, sagt der GKJR-Kongress-Präsident Professor Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Klinikdirektor der Professor-Hess-Kinderklinik, Klinikum Bremen-Mitte. Bei mehr als der Hälfte aller JIA-Patienten kommen die schmerzhaften Symptome heutzutage schon in den ersten zwei Krankheitsjahren zum Stillstand. „Auch Folgeschäden wie etwa Gelenk- oder Augenschäden, die in Einzelfällen bis zur Erblindung führen können, sind laut der aktuellen Studie zurückgegangen“, sagt Huppertz. Entscheidend sei dabei, dass die jungen Rheuma-Patienten von Anfang an von Kinderrheumatologen betreut werden, die die neuen Therapiekonzepte optimal einsetzen können.

„Wichtig ist jetzt, dass wir Patienten-Broschüren auf den aktuellen Stand bringen und so für eine bessere Aufklärung sorgen“, fordert Minden im Vorfeld des DGRh-Kongresses. Hier sollten wir auch darüber informieren, dass JIA-Patienten unabhängig von der Therapie ein erhöhtes Risiko für bösartige Tumore, insbesondere Lymphknoten-geschwülste, haben. Mit welchen weiteren Begleiterkrankungen Patienten mit JIA im Erwachsenenalter rechnen müssen, sei bisher noch unzureichend untersucht. „Im Rahmen der aktuellen Studie haben wir daher auch das Risiko für Infektionen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Uveitis, eine Entzündung der mittleren Augenhaut, untersucht“, so Minden. Wie sich die Therapie bei Kindern mit Rheuma in den letzten 20 Jahren verbessert hat, ist Thema der Kongress Pressekonferenz am 3. September 2015.

Quellen:
Jens Klotsche et al. „Long-term safety of etanercept and adalimumab compared to methotrexate in patients with juvenile idiopathic arthritis (JIA)” Ann Rheum Dis 2015;0:1–7. doi:10.1136/annrheumdis-annrheumdis-2014-206747

Daten Kerndokumentation rheumakranker Kinder und Jugendlicher von 2000-2014, unveröffentlichte Daten.

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Terminhinweise:

Kongress-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 3. September 2015, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: CCB Congress Centrum Bremen, Findorffstr. 101, 28215 Bremen, Salon Sharoun

Themen und Referenten:

++Deeskalation: Einmal Medikamente – immer Medikamente?
Professor Dr. med. Jens Gert Kuipers, Tagungspräsident DGRh, Chefarzt der Klinik für internistische Rheumatologie am Roten Kreuz Krankenhaus Bremen

++Revolution in der Behandlung des kindlichen Rheumas
Kinder enden nicht mehr im Rollstuhl
Professor Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Tagungspräsident GKJR, Klinikdirektor
der Professor-Hess-Kinderklinik, Klinikum Bremen-Mitte

++Operationsroutine reicht bei Rheuma nicht aus
Wie Rheumachirurgen das Risiko beim Einsatz von Kunstgelenken senken
Dr. med. Ingo Arnold, Tagungspräsident DGORh, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und operative Rheumatologie im Rotes Kreuz Krankenhaus, Bremen

++Aktuelle Erhebung
Wo steht die Rheumatologie in Deutschland und was bedeutet das für die Patienten?
Professor Dr. med. Gabriela Riemekasten, Sprecherin der Kommission für studentische Ausbildung der DGRh, Direktorin der Klinik für Rheumatologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Universität zu Lübeck

++Pharmakotherapie bei fortgeschrittener Rheumatoider Arthritis
Auch alte Menschen profitieren von Biologika
Professor Dr. med. Jürgen Wollenhaupt, Vorsitzender der Kommission Weiter- und Fortbildung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Chefarzt der Abteilung für Rheumatologie und klinische Immunologie an der Schön Klinik Hamburg Eilbek

Patiententag „Rheuma hat viele Gesichter“
Termin: 5. September 2015, 9.00 bis 14.30 Uhr
Ort: Congress Centrum Bremen, Hanse-Saal
Der Eintritt ist frei.
Bitte melden Sie sich an unter:
Tel: 0421 / 1761 77800 oder
E-Mail: patiententag@rheuma-liga-bremen.de
Das Programm finden Sie unter:
http://www.rheuma-liga-bremen.de

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Kontakt für Journalisten:

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Kongress-Pressestelle
Kathrin Gießelmann/Stefanie Schweigert
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-981/-649
Fax: 0711 8931-167

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