Zwei junge Max-Planck-Wissenschaftlerinnen erhalten ein Humboldt-Forschungsstipendium

„Meines Wissens nach ist es nicht üblich, dieses Stipendium an zwei Wissenschaftler derselben Einrichtung gleichzeitig zu vergeben“, meint Dr. Liz Ing-Simmons. Doch das wichtigste Auswahlkriterium für das Stipendium sind die hervorragenden Leistungen einzelner Forscher. Zwar haben die beiden jungen Wissenschaftlerinnen dieses Kriterium ganz offensichtlich gemein, sie stammen jedoch von entgegengesetzten Seiten der Welt: Dr. Liz Ing-Simmons aus dem Vereinigten Königreich und Dr. Emma Watson aus Australien. Beide haben ihr Doktorandenstudium 2017 in ihrem Heimatland beendet und im März 2017 mit ihrer Tätigkeit am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin begonnen.

Dr. Watson war begeistert, ihre wissenschaftliche Karriere in Deutschland fortsetzen zu können. „Die Forschungsstandards hier sind hervorragend, und ich möchte unbedingt enge Kontakte zu Deutschland knüpfen“, sagt sie. „Sich bei der Alexander von Humboldt-Stiftung zu bewerben war vor allem reizvoll, da diese Institution ihren Fokus nicht nur auf die berufliche Eingliederung, sondern auch auf die Integration im Alltag legt. Um uns diese zu erleichtern, übernimmt sie die Kosten für Deutschkurse”, erklärt sie eine der Besonderheiten des Stipendiums.

„Außerdem werden im Rahmen des Stipendiums auch Verbrauchsmaterialien finanziert und Reisekosten übernommen, so dass wir die ersten Schritte in Richtung Selbständigkeit wagen können“, sagt Dr. Ing-Simmons – ein weiterer großer Vorteil des Stipendiums. „Das ist sowohl für unsere persönliche Entwicklung als auch für unseren zukünftigen beruflichen Werdegang wichtig.“

Darüber hinaus können die Humboldt-Stipendiatinnen Dr. Watson und Dr. Ing-Simmons bei verschiedenen von der Alexander von Humboldt-Stiftung organisierten großen Veranstaltungen Kontakte zu den anderen Stipendiaten sowie zu Mitarbeitern der Stiftung knüpfen und so ihre eigenen Netzwerke aufbauen.

Dr. Ing-Simmons untersucht aktuell die dreidimensionale Genomorganisation. Die dieser Organisation zugrundeliegenden Mechanismen gelten als eines der größten Rätsel der Genombiologie. „Der Mensch besitzt eine zwei Meter lange DNA im Inneren des Zellkerns jeder einzelnen Zelle. Das ist, als würde das gesamtdeutsche Schienennetz auf den Domplatz von Münster passen“, sagt Dr. Ing-Simmons. „Die Organisation der DNA im Inneren des Zellkerns hat Auswirkungen darauf, wie Gene exprimiert werden. Ich möchte erforschen, wie komplexe Genexpressionsmuster während der embryonalen Entwicklung räumlich und zeitlich reguliert und koordiniert werden. Meine Ergebnisse werden so zum Verständnis der normalen Entwicklung, aber auch der Fehlregulation der Genexpression bei Krebs und anderen Erkrankungen beitragen.“

Dr. Watson interessiert sich für die Erforschung neuer Methoden zur Behandlung von Osteoporose. 2010 litten schätzungsweise 27,6 Millionen Patienten allein in der Europäischen Union an Osteoporose, und diese Zahl wird laut Vorhersagen bis zum Jahr 2025 auf 33,9 Millionen steigen. „Die zur Verfügung stehenden Therapien sind von begrenztem Nutzen oder können zu einer Reihe schwerer Nebenwirkungen führen“, so Dr. Watson. Jüngst von dem Labor unter Leitung von Ralf Adams durchgeführte Untersuchungen ergaben eine enge Verbindung zwischen Knochenneubildung und dem Vorhandensein spezialisierter skelettaler Blutgefäße. „Ich möchte unser Verständnis dafür, wie dieses Gefäßsystem funktioniert und wie es sich im Rahmen der Osteoporose verändert, erweitern“, erklärt Dr. Watson. „Mein Ziel ist es, auf diese Weise potentielle neue therapeutische Ziele für die Behandlung der Osteoporose zu bestimmen.“

Über die Alexander von Humboldt-Stiftung
Die Alexander von Humboldt-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung der Bundesrepublik Deutschland zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Forschung. Sie fördert Wissenschaftskooperationen zwischen ausländischen und deutschen Forschern und unterstützt die sich daraus ergebenden wissenschaftlichen und kulturellen Verbindungen.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert Spitzenleistungen in der Forschung: Wichtigstes Auswahlkriterium ist der Nachweis hoher individueller Qualifikation.
Neben der Förderung internationaler Wissenschaft verfolgt die Alexander von Humboldt-Stiftung das Ziel, dass Forscherinnen und Forscher aus allen Ländern und Fächern eine persönliche Beziehung zu Deutschland aufbauen. Dies geschieht nicht nur bei der Arbeit in Laboren, sondern auch im täglichen Leben, im Kontakt mit den Menschen im Land. Um diese Kontakte zu intensivieren, fördert die Stiftung Deutschkurse für die Forschungsstipendiatinnen und Forschungsstipendiaten.
Um für ein Humboldt-Forschungsstipendium für Postdoktoranden in Betracht zu kommen, muss der Bewerber zum Zeitpunkt der Antragstellung im Ausland tätig sein bzw. sich weniger als sechs Monate in Deutschland aufhalten und vorher im Ausland tätig gewesen sein.

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