Zusatzversicherte nehmen weniger Leistungen in Anspruch

Zusatzversicherte Personen in der Schweiz legen sich weniger häufig wegen orthopädischer Beschwerden unters Messer als Schweizerinnen und Schweizer, die grundversichert sind. Ausserdem gibt es keine Anzeichen für einen ungleichen Zugang zu medizinischer Versorgung in Abhängigkeit der Krankenversicherungsdeckung. Personen mit Grund- plus Zusatzversicherung unterscheiden sich aber von jenen mit Grundversicherung tendenziell durch eine bessere Bildung, weniger arbeitsbedingte Beschwerden des Bewegungsapparats, einen gesünderen Lebensstil und subjektiv bessere Gesundheit sowie höhere Franchisen bei ihrer Krankenversicherung.

«All diese Merkmale könnten zur insgesamt geringeren Inanspruchnahme orthopädischer Behandlungen durch Zusatzversicherte beitragen», sagt André Busato vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Diese präventiven Merkmale und Verhaltensweisen bergen ein beträchtliches Potenzial für Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen, so der Hauptautor der in der Fachzeitschrift «Swiss Medical Weekly» erschienenen Studie weiter. Neben Busato waren an der Untersuchung, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 53 «Muskuloskelettale Gesundheit – chronische Schmerzen» durchgeführt wurde, auch Pius Matter vom Departement Volkswirtschaftslehre sowie Marcel Widmer vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (OBSAN) in Neuenburg beteiligt.

Verbreitete Annahme muss revidiert werden
Zwischen 2002 und 2005 wurden Versicherungsdaten von zwei Dritteln der Schweizer Bevölkerung berücksichtigt. Etwa ein Viertel verfügte über eine Zusatzversicherung – Frauen und ältere Menschen sind häufiger zusatzversichert als Männer und jüngere Menschen. Beim Vergleich der Versicherungsdeckung mit der Zahl stationärer orthopädischer Eingriffe zeigten sich behandlungsspezifische Unterschiede. So benötigen Zusatzversicherte weniger Gelenkersatz-Operationen, hingegen mehr Eingriffe an der Wirbelsäule als Grundversicherte. Dieses Ergebnis stimmt nur teilweise mit der bisherigen Annahme überein, dass der Umfang der in Anspruch genommenen medizinischen Leistungen mit höherer Versicherungsdeckung zunimmt. «Allerdings können wir anhand der vorliegenden Daten nicht beurteilen, ob der Zusammenhang zwischen der Versicherungsdeckung – als Indikator des sozio-ökonomischen Status – und der Behandlungshäufigkeit kausal ist. Weitere Studien werden nötig sein, um unsere Vermutungen zu bestätigen», so André Busato.

Eine frühere Studie der Universität Bern hatte unlängst grosse regionale Unterschiede in Bezug auf orthopädische Behandlungen aufgezeigt. Je nach Wohnregion ist es demnach mehr oder weniger wahrscheinlich, dass eine Person sich einem stationären Eingriff infolge von Hüft-, Knie-, Schulter- oder Wirbelsäulenproblemen unterzieht. Mit den unterschiedlichen Versicherungsklassen wurde nun eine von möglichen Erklärungen für dieses Phänomen gefunden.

Quellenangabe:
André Busato, Marcel Widmer, Pius Matter: Variation in incidence of orthopaedic surgery between populations with basic or basic plus supplementary health insurance in Switzerland. Swiss Medical Weekly, 2011, doi:10.4414/smw.2011.13152

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