Zusammenführung von Spezialwissen: Beckenboden- und Endometriosezentrum sichern optimale Betreuung

Tabuthema: Blasenschwäche und Senkungsbeschwerden
Blasenschwäche und Senkungsbeschwerden gehören zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Rund jede dritte Frau leidet an ungewolltem Urinverlust und/oder einer sogenannten Senkung der Unterleibsorgane. Dies führt häufig zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität bis hin zu sozialer Isolation. Zugrunde liegt diesen Krankheitsbildern meist eine Schwäche des Beckenbodens. Obwohl die Zahl der Betroffenen hoch ist, handelt es sich bei diesen Volkskrankheiten immer noch um ein Tabuthema. Dabei kann durch eine genaue Abklärung der Beschwerden und die richtige Therapie den meisten Betroffenen geholfen werden. „Wir nehmen uns für unsere Patientinnen Zeit, um mit ihnen über ihre Beschwerden zu sprechen und sie zu beraten. Dabei bieten wir moderne Untersuchungsmethoden und, durch die enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Spezialisten des Universitätsklinikums, ein breites Spektrum an Behandlungsmethoden an. Diese reichen von der Akupunktur der Reizblase bis hin zu minimal-invasiven Operationsverfahren mit dem ‚daVinci Si‘ OP-System bei Senkungsbeschwerden“, so Dr. Miriam Deniz, Leiterin der Abteilung Urogynäkologie .
Dank moderner chirurgischer Verfahren sind die Eingriffe schonend und werden mit kleinsten Schnitten ausgeführt. „Neben der ärztlichen Behandlung spielen aber auch die psychosoziale Betreuung der Frauen und die Physiotherapie eine große Rolle. Eine Konzentration der Behandlung an Zentren trägt daher viel dazu bei, die Versorgung der Patientinnen zu verbessern“, so Professor Dr. Wolfgang Janni, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Ulm. Neben der medizinischen Kompetenz runden regelmäßige Informationsveranstaltungen für PatientInnen und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie die monatliche Interdisziplinäre Kontinenz- und Beckenbodenkonferenz das Behandlungskonzept ab.

Endometriose – das Chamäleon in der Gynäkologie
Zu den häufigsten, aber auch den am schwierigsten zu diagnostizierenden Frauenleiden zählt die Endometriose. Zwischen zehn und 15 Prozent der weiblichen Bevölkerung leiden unter dadurch verursachten Schmerzen und Kinderlosigkeit. Werden Frauen während ihrer monatlichen Regelblutung von heftigen Schmerzen geplagt, denken die wenigsten an eine ernsthafte Erkrankung. „Starke Unterleibsschmerzen sind jedoch kein Normalzustand und sollten in jedem Fall gynäkologisch abgeklärt werden“, warnt Dr. Peter Widschwendter, Oberarzt der Universitätsfrauenklinik Ulm. Bei der Endometriose handelt es sich um eine gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut. Zyklusabhängig baut sich das Gebärmuttergewebe durch die Hormonumstellung auf und ab, es kommt zu Blutungen und zyklusabhängig zu starken Schmerzen. Anders als in der Gebärmutter kann das Blut nicht nach außen abfließen. Die Endometrioseherde vergrößern sich und es können sich blutgefüllte Zysten oder Verwachsungen bilden. „Die Endometriose stellt uns immer wieder vor große Herausforderungen“, beschreibt Professor Dr. Katharina Hancke, Koordinatorin des Endometriosezentrums und Leiterin der Abteilung Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. „So dauert es im Schnitt sechs bis sieben Jahre bis zur Diagnose. Diese Zeitspanne soll deutlich kürzer werden. Das ist eines unserer Ziele als Endometriosezentrum. Bei uns finden die Patientinnen alle Ansprechpartner unter einem Dach. Gemäß dem neuesten Stand der Medizin erfolgt die Betreuung aus einer Hand.“

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Um den Patientinnen und Patienten an einer zentralen Anlaufstelle eine an den neuesten Erkenntnissen orientierte, ganzheitliche Behandlung anbieten zu können, arbeiten an beiden neuen Zentren der Frauenklinik Ulm unterschiedliche Fachdisziplinen zusammen. Neben der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, der Klinik für Urologie, der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, der Physiotherapie ist der soziale Beratungsdienst Teil der interdisziplinären Einrichtung. Nur ein interdisziplinärer Austausch kann die Qualität der Arbeit gewährleisten.

Im Rahmen der ärztlichen Fortbildung „Urogynäkologie – State of the Art und Innovationen“ wird am Mittwoch, 25. März 2015, ab 18 Uhr im Kloster Wiblingen (Schloßstraße 38, 89079 Ulm) Prof. Dr. Wolfgang Janni, Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm, folgende Referenten begrüßen:
Prof. Dr. Christl Reisenauer | Deszenus genitalis – State of the Art und Innovationen aus der Sicht der AGUB
Dr. Antje Konrad | Botox und Mirabegron – neue Optionen bei überaktiver Blase
Dr. Peter Widschwendter | Chronisch-rezidivierende Harnwegsinfekte – gibt es einen Ausweg?
Dr. Miriam Deniz | Belastungsinkontinenz – muss es immer das Bändchen sein?

Weitere Informationen
Um ein transparentes und qualitativ hochwertiges Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit Harn- und Stuhlinkontinenz zu ermöglichen, haben die Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) ein Zertifizierungssystem für Interdisziplinäre Kontinenz- und Beckenbodenzentren entwickelt.

Seit dem Jahr 2006 können Praxen, Tageskliniken, Repro-Zentren, Frauenkliniken und universitäre Einrichtungen ihr Endometriosezentrum zertifizieren lassen. Die Stiftung Endometriose-Forschung (SEF) führt die Zertifizierung zusammen mit der Europäischen Endometriose Liga (EEL) und der Endometriose Vereinigung Deutschland e. V. (EVD) durch.

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