Zum Gedenkjahr: Der Erste Weltkrieg in Farbe und Ton

(djd). Zum 100. Mal jährt sich 2014 der Beginn des Ersten Weltkriegs, dessen Auswirkungen das gesamte 20. Jahrhundert prägten. Videoaufnahmen aus dieser Zeit sind in schwarz-weiß aufgenommen, haben keinen Ton und scheinen damit aus einer anderen Welt zu stammen. Dem National Geographic Channel ist es nun gelungen, mit der außergewöhnlichen Dokumentation „Apokalypse Erster Weltkrieg“ die Brücke zwischen den Zeiten zu schlagen: Bisher unveröffentlichte Amateuraufnahmen und historisches Filmmaterial diverser Quellen wurden in dreijähriger Kleinstarbeit aufwändig restauriert, koloriert und nachvertont.

So gelingt es dem französischen Produzenten-Team um Isabelle Clarke und Danielle Costelle, den Zuschauern die Bedeutung und den Schrecken der damaligen Zeit eindrucksvoll näher zu bringen. Ausgestrahlt werden die fünf Episoden „Apokalypse Erster Weltkrieg“ ab 18. Juli jeweils freitags um 21.05 Uhr auf dem National Geographic Channel. Weitere Informationen und Videos zur Sendung gibt es unter http://www.natgeotv.com/de sowie auf Facebook unter http://www.facebook.com/natgeotv.deutschland.

Die Recherche

„Die Organisation der Recherche zu ‚Apokalypse Erster Weltkrieg‘ war sehr komplex und zeitraubend. Wir hatten ein großes Netzwerk aus zwölf Dokumentaristen sowie Ansprechpartnern in verschiedenen Ländern, die uns geholfen haben. Dabei haben wir darauf geachtet, dass wir bei unserer Informationssuche fast alle Länder einbeziehen, die in den Ersten Weltkrieg verwickelt waren“, erklärt Valérie Combard, Leiterin des Nachforschungsteams. In eindrucksvoller Detektivarbeit stießen sie dabei auf ungesehene Filmaufnahmen, die etwa Kaiser Wilhelm zeigen, der mit seinem Hund Gassi geht oder Szenen aus den Kolonien, in denen Soldaten für den Einsatz rekrutiert werden.

Die Kolorierung

Der französische Filmspezialist François Montpellier und sein vierköpfiges Team haben jedes Bild der Dokumentation erfasst und damit über 80.000 Szenenbilder eingefärbt. Der Prozess der Nachkolorierung beginnt mit der Recherche nach Referenzmaterial wie Uniformen oder Straßenschilder, mit dessen Hilfe der Kolorist anschließend Farbwerte für die Gegenstände im Schwarz-Weiß-Film ermittelt. War ein Knopf an der Uniform zur damaligen Zeit aus Kupfer, weiß der Kolorist also, dass der Grauton des Knopfes im Film der Farbcode für „Kupfer“ sein muss. Im Idealfall kann er jedes Bild in einzelne Flächen zerlegen – er definiert so eine Wand oder einen Arm. Durch ein spezielles Verfahren behalten die zugewiesenen Bereiche ihre Farbprofile über verschiedene Bilder hinweg. Ein Helm bleibt so eine ganze Szene über dunkelgrün und muss nicht Bild für Bild nachgefärbt werden.

Einige Bildelemente wie der Wagon eines Zuges bestehen allerdings nicht nur aus einem Farbton, sondern werden erst durch die Zusammensetzung mehrerer Farbwerte authentisch. Diese Kombination speichert der Kolorist ab, so dass der gleiche Wagon in den folgenden Szenen stets richtig eingefärbt werden kann. Unklarheiten oder kleine Fehler werden anschließend noch per Hand koloriert. Dabei müssen auch Details wie das Wetter und die Lichtverhältnisse berücksichtigt werden.

Die Vertonung

„Alle Originalaufnahmen der Auseinandersetzungen des Ersten Weltkriegs waren ohne Ton. Die einzige Ausnahme bildeten wichtige Reden“, berichtet der französische Toningenieur Gilbert Courtois. Er war für die tongestalterische Bearbeitung der Dokumentation zuständig. „Jede Szene musste in minutiöser Detektivarbeit untersucht werden. Ob es sich um eine große Menschenmenge handelt, oder der Wind weht – jedes Detail musste erfasst werden.“ Zunächst durchforstete er Tonarchive, um so viel bestehendes Material wie möglich zusammenzutragen. Fehlende Geräusche wurden nachgestellt und neu aufgenommen. „Die größte Herausforderung ist eine realitätsnahe Darstellung, so dass der Zuschauer nicht mehr zwischen Originalaufnahme und nachvertontem Material unterscheiden kann“, erklärt Courtois. Marschierende Soldaten nachzustellen sei besonders wichtig für das Filmerlebnis. Details dieser Art würden den Aufnahmen Leben einhauchen. Allerdings erforderten gerade diese Szenen eine zeitaufwändige Präzisionsarbeit, so der Tonexperte.

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