Zukunftsszenarien der Agrar- und Ernährungsbranche / „InnoCamp“ der Universität Vechta

Ziel der Veranstaltung war es, „anderes Denken“ jenseits des Nordwestens in die Region des Oldenburger Münsterlands zu holen, um neue Impulse zu erhalten. „Besonders der Ansatz, wie die Zusammenarbeit verschiedener Akteure mit denselben Zielen zu Innovationen und Transformation führt, ist ein Kernthema unserer Veranstaltung“, erklärten die Organisatoren der Universität Vechta im Vorfeld. Keynote-Vorträge sowie interaktive Präsentationen am ersten Tag und Workshops am zweiten Tag sollten initial dazu dienen, eine Plattform zu schaffen, auf der gemeinsam über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert und neue Ideen und Strategien ausgetauscht werden können.

Prof. Dr. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta spricht über Lebensmittel der Zunkunft

In seinem Vortrag gleich zu Beginn machte Dr. Alexander Fink, Vorstand der ScMI Scenario Management Internation AG, deutlich, dass man bei der Diskussion über die Zukunft eigentlich über „Zukünfte“ sprechen müsse. „Zukunft ist nicht prognostizierbar“, sagte Fink und schlug vor, statt auf klar umrissene Prognosen auf Szenarien, also auf verschiedene mögliche Ausprägungen der Zukunft, zu schauen. Auf Grundlage dieser Zukunftsbilder könnten verschiedene „Zukünfte“ vorausgedacht werden, um darauf aufbauend robuste Strategien zu gründen, so Fink. Wie ein solches Extremszenario aussehen kann, führte Prof. Dr. Nick Lin-Hi aus: „Der Agrar- und Ernährungsindustrie stehen disruptive Zeiten und eine vegane Wende bevor.“, sagte der Professor für Wirtschat und Ethik an der Universität Vechta. „Die Lebensmittel der Zukunft sind besser, günstiger und nachhaltiger als heutige Produkte. Unternehmen müssen sich daher jetzt neu erfinden, wenn sie morgen noch am Markt sein wollen.“ In diesem Zusammenhang spielen auch Start-ups eine große Rolle. „An nahezu allen Stellen tauchen Start-ups mit neuen Geschäftsmodellen auf.“, sagte Henning Dicks von „f3 farm. food. Future“. „Im Agribusiness wird in vielen Fällen das Credo, ‚höher, schneller, weiter‘ durch den Leitsatz, ‚effizienter, smarter und ressourcensparender‘ abgelöst.“ Die Potenziale gelte es zu sichten, einzuordnen und zu nutzen, so Dicks.

Dass bei der Entwicklung der Agrar- und Ernährungsbranche die Digitalisierung eine große Rolle spielt, hob Dr. Frank Danzinger von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS in Nürnberg hervor. „Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Wertschöpfungssysteme stellt Unternehmen vor eine große Herausforderung, der mit einem echten Verständnis transformativer, digitaler Technologien und einer Öffnung der Organisation begegnet werden sollte“. Diese Öffnung könne auch neue Formen der Innovationsentwicklung umfassen, sagte Danzinger und zeigte anhand des Beispiels eines „offenen Labors“, einem sogenannten „Living Labs“, wie Endverbraucher und Anwenderinnen in solche Prozesse einbezogen werden können. Das bekräftigte auch Christelle Theis, Head of I&E Excellence, GEA Farm Technologies. „Innovation lebt von Kooperationen“, sagte sie und zeigte am Beispiel ihrer eigenen Firma, wie man bei der Produktentwicklung viele Ideen – vom Problem bis zur Lösung – einbeziehen kann.

Vollautonome Feldroboter und mehr

Am zweiten Tag der Veranstaltung standen vertiefende Workshops im Fokus. Fachleute gaben Einblicke, wie Betriebe besser für den Wandel aufgestellt werden können und welche Anwendungsbereiche es für Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realitäten bereits gibt. Verschiedene Ansätze wurden vorgestellt. Betont wurde, dass das Wissen um eine bodenschonende Landbewirtschaftung zentral für den nachhaltigen Ackerbau sei. Dass dabei nicht nur große teilautonome Maschinen zum Einsatz kommen, sondern zunehmend auch vollautonome Feldroboter sind zwei Entwicklungstrends. Wie neue Geschäftsfelder vermarktet werden können und welche Rolle digitales Marketing dabei spielt, war Thema des dritten Workshops.

In der Zusammenfassung der zwei Tage forderte die Geschäftsführerin der an der Universität Vechta ansässigen Transformationsstelle agrar Niedersachsen, Dr.in Brabara Grabkowsky: „An den Transformationsprozessen für die Sicherung der zukünftigen Ernährung und Lebensmittelproduktion müssen alle Akteur*innen zusammenarbeiten. Nur dann wird die Region im Nordwesten auch künftig ihren Stellenwert behalten.“

Die nächste Tagung in der Reihe „Dynamic Agri-Food-Systems im Oldenburger Münsterland ist bereits in Planung. Im März 2020 soll es um das Thema „One Health – Gesundheit für Mensch, Tier und Umwelt“ gehen.

Infokasten:
Die Tagung ist Teil des LEADER-geförderten Projekts „Dynamic Agri-Food Systems im Oldenburger Münsterland“. Das Projekt befasst sich in unterschiedlichen Veranstaltungen und verschiedenen Themenschwerpunkten mit der ökonomischen Bedeutung der Agrar und Ernährungswirtschaft für die Region Oldenburger Münsterland. Es sollen die Herausforderungen für die Region vor dem Hintergrund aktueller Transformationsprozesse analysiert und diskutiert werden, sowie Problemlösungen für eine zukunftsfähige Ausrichtung der Lebensmittelproduktion erarbeitet werden.

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