Zucker – ein Fall fürs Museum? Auf- und Abstieg eines Kulturgutes

Dr. Dirk Schaal, Koordinator Sächsische Industriekultur am Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, erhält am Donnerstag, 23. April 2015, 18.00 Uhr, seine Berufungsurkunde als Honorarprofessor im Studiengang Museologie an der HTWK Leipzig aus den Händen der Rektorin, Professor Dr. Gesine Grande. Im Anschluss hält Dr. Schaal seine Antrittsvorlesung zum Thema „Zucker – Ein Fall fürs Museum? Auf- und Abstieg eines Kulturgutes“.

Zucker vollzog im Laufe der letzten 200 Jahre einen Bedeutungswandel wie kaum ein anderes Nahrungsmittel – vom Luxusgut zum Grundnahrungsmittel und dann zum Symbol für ungesunde Ernährung in der Überflussgesellschaft. Rohrzucker aus der Neuen Welt war vor Jahrhunderten eine Grundlage für demonstrativen Luxus in der europäischen Adelskultur. Auch die Kreierung neuartiger Gaumenfreuden wie Schokolade sind ohne Zucker nicht denkbar. In Verbindung mit dem Konsum von Kaffee und Tee fand der Zucker allmählich Eingang in bürgerliche Kreise. Das Aufkommen des Rübenzuckers und seiner industriellen Gewinnung führte im 19. Jahrhundert zu einer spürbaren Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs in den Industrieländern. Sinkende Preise, der Einfluss der entstehenden Ernährungsforschung und das Marketing der Zuckerindustrie hatten maßgeblichen Anteil am „sozialen Absinken“ des Zuckers. Seit den 1960er Jahren wird Zucker mengenmäßig nicht mehr hauptsächlich in den Privathaushalten, sondern in der Nahrungsmittelindustrie verwendet und nun zunehmend für ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten verantwortlich gemacht.
Neben diesem Bedeutungs- und Funktionswandel des Zuckers werden Aspekte und Objekte für eine Kultur- und Konsumgeschichte des Zuckers vorgestellt.

Zur Person:
Dirk Schaal studierte Geschichtswissenschaften sowie Germanistische Sprach- und
Literaturwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er promovierte dort zum Thema „Rübenzuckerindustrie und regionale Industrialisierung. Der Industrialisierungsprozess im mitteldeutschen Raum, 1799–1930“. Anschließend leitete er das historische Archiv der Südzucker AG und baute in Polen das historische Archiv und Museum der polnischen Tochtergesellschaft Südzucker Polska S.A. auf. Seit 2011 ist er Koordinator Sächsische Industriekultur am Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Als Honorarprofessor lehrt er im Studiengang Museologie an der Fakultät Medien der HTWK Leipzig in den Modulen „Entwicklungsreihen und Kontexte materieller Kultur“ sowie „Archivkunde“. „Dr. Schaal ist ausgewiesener Experte auf dem Berufungsgebiet Industriekultur und Wirtschaftsarchive“, so Professor Gisela Weiß, Studiendekanin Museologie. „Wir können uns glücklich schätzen, ihn für die Lehre in einem Bereich zu gewinnen, der in Sachsen verstärkte Aufmerksamkeit wie Bedeutung erlangt hat und die interdisziplinären Potenziale unserer Hochschule in vorbildlicher Form verdeutlicht, d. h. Technik, Wirtschaft und Kultur in zukunftsorientierter Art und Weise zusammenführt.“ In Bezug auf seine zukünftigen Aufgaben erklärt Schaal: „Ich freue mich darauf, meine Lehrtätigkeit im Studiengang Museologie an der HTWK Leipzig zu verstetigen und das Querschnittsthema Industriekultur dauerhaft in die Lehre einbringen zu können. Ich freue mich auch auf die Neugier der Studierenden und die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema Industriekultur.“

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