Zielvorgaben der UN unrealistisch: Eliminierung von HIV bis 2030 wohl nicht möglich

Aids ist die zweithäufigste Todesursache weltweit unter Teenagern. Wie die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2016 mitteilte, ist die Immunkrankheit in Afrika sogar der häufigste Todesgrund in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen. Aber auch in Deutschland ist das Problem der HIV-Infektion nicht gelöst: Die Zahl der Neuinfektionen hat sich von der niedrigsten Rate um die Jahrtausendwende bis 2015 wieder verdoppelt und es infizieren sich jährlich mehr als 3.000 Personen neu mit dem HI-Virus. Im Rahmen des Kamingesprächs Gesundheitsökonomie zum Thema „Tödliche Viren – eine medizinische Herausforderung und eine Goldgrube für die Industrie“ an der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, gab Experte Prof. Oette, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln, einen beeindruckenden Einblick in die neuesten Errungenschaften der Aidsforschung. Anschaulich schilderte er die großen medizinischen Erfolge bei der Therapie von HIV/AIDS und Hepatitis.
Bis heute wurden mehr als 20 Wirkstoffe zugelassen, die im Rahmen der AIDS-Behandlung eingesetzt werden. Diese Medikamente müssen von den Patienten jedoch dauerhaft eingenommen werden und führen nicht zu einer vollständigen Heilung, sondern verhindern nur den Ausbruch der opportunistischen Infektionen, sodass die Patienten heute eine fast normale Lebenserwartung haben. Damit hat sich die Situation der HIV-Patienten in der westlichen Welt komplett verändert. Allerdings kostet eine solche Therapie in Deutschland ca. 20.000 Euro pro Jahr, sodass nur die Medikamente für die HIV-Therapie die Kassen ca. eine Milliarde Euro kosten.

Natürlich fokussierte der Mediziner Oette hauptsächlich die medizinischen Aspekte, verwies aber auch auf die ökonomischen Konsequenzen aufgrund extrem hoher Therapiekosten. Dies trifft besonders bei Hepatitis-Infektionen zu, die dank innovativer Wirkstoffe vollständig, aber zu Therapiekosten von mehr als 50.000 Euro, geheilt werden können.

Auch diese neuartigen Wirkstoffe sind nach Prof. Oette gute Beispiele für Innovationen in der Arzneimitteltherapie. Allerdings stellte er auch die Problematik heraus, dass Patienten nach erfolgter kostspieliger Eliminierung der Viren nach nur kurzer Zeit und aktivem Risikoverhalten wieder mit einer erneuten Infektion vorstellig werden.

„Trotz zweifelloser Erfolge in der Therapie von HIV-Infektionen zweifle ich daran, dass die Zielvorgaben der UN, HIV bis zum Jahr 2030 zu eliminieren, realistisch sind. Dafür verläuft die Zahl der Neuinfektionen in Osteuropa, wie z.B. in der Ukraine, zu dramatisch“, so Prof. Oette.

Das Kamingespräch der Hochschule Fresenius

Im Rahmen des Kamingesprächs werden aktuelle Themen an der Schnittstelle Medizin und Ökonomie mit ausgewiesenen Experten in einer offenen und ungezwungenen Atmosphäre mit Studierenden der Hochschule Fresenius sowie interessierten Gästen diskutiert.

Über die Hochschule Fresenius

Die Hochschule Fresenius mit ihren Standorten in Frankfurt am Main, Hamburg, Idstein, Köln, München und den Studienzentren in Berlin, Düsseldorf und New York ist mit über 12.000 Studierenden die größte private Präsenzhochschule in Deutschland. Sie blickt auf eine 168-jährige Tradition zurück. 1848 gründete Carl Remigius Fresenius in Wiesbaden das „Chemische Laboratorium Fresenius“, das sich von Beginn an sowohl der Laborpraxis als auch der Ausbildung widmete. Seit 1971 ist die Hochschule staatlich anerkannt. Sie verfügt über ein sehr breites, vielfältiges Fächerangebot und bietet in den Fachbereichen Chemie & Biologie, Design, Gesundheit & Soziales, onlineplus sowie Wirtschaft & Medien Bachelor- und Masterprogramme in Vollzeit sowie berufsbegleitende und ausbildungsbegleitende (duale) Studiengänge an. Die Hochschule Fresenius ist vom Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert. Bei der Erstakkreditierung 2010 wurde insbesondere ihr „breites und innovatives Angebot an Bachelor- und Master-Studiengängen“, „ihre Internationalität“ sowie ihr „überzeugend gestalteter Praxisbezug“ vom Wissenschaftsrat gewürdigt.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.hs-fresenius.de

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