Karies und Zahnverlust geschlechterspezifisch?

Dr. Vicky Ehlers / Universität Mainz stellte annläßlich der EUROPERIO 2012 in Wien eine Studie mit Schwangeren vor, die herauszufinden suchte, ob spezielle Marker früher als bisher das Risiko von schweren Hyperplasien identifizieren könnten. Auch größere Taschentiefen seien bei einem Vergleich von Schwangeren und einer Kontrollgruppe doppelt so oft bei der erstgenannten Gruppe gefunden worden. Ein spezielles Enzym sei bei entzündlichen Veränderungen erhöht und weise auf das erhöhte Risiko einer Schwangerschaftsgingivitis hin. Auch Dr. Ehlers sah vertiefende Forschung als notwendig an: „Die bakteriellen Unterschiede zu prüfen wäre besonders interessant!“
Sehr spannend war der Vortrag von Dr. Rudolf Seemann/Universität Wien zu geschlechterspezifischen Aspekten bei der Periimplantitis: „Ist das Geschlecht ein eigener Risiko-Faktor?“ An der Wiener Universität erhielten fast doppelt so viele Frauen wie Männer Implantate – und zeigten auch das größere Risiko: „Frauen verlieren nicht nur mehr Zähne, sondern auch mehr Implantate. Wir müssen prüfen, ob sich das über augmentative Verfahren reduzieren lässt.“ Zu beachten sei insbesondere das Lebensalter der Patienten – und die geschlechterspezifisch oft andere Medikation sowie der jeweilige Allgemeingesundheitszustand. 
Dr. Oleh Andrukhov/Universität Wien, untersuchte verschiedene, für kardiovaskuläre Erkrankungen relevante Entzündungsmediatoren und den Serumspiegel von Lipoproteinen und NO-Metaboliten bei Männern und Frauen mit Parodontitis. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Parodontitis über ein geschlechterspezifisches Risikoprofil bei Männern die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen erhöht. Diese Erkenntnisse müssten durch weitergehende Untersuchungen abgestützt werden.
Einen anderen Ansatz verfolgte Dr. Ines Willershausen/Mainz, die in ihrer Studie mit dem Mundhygieneverhalten und Rauchgewohnheiten typische Lifestylefaktoren bei Frauen untersuchte. Sie berichtete von einem erhöhten PA-Risiko bei berufstätigen Frauen im Vergleich zu gleichaltrigen Hausfrauen, obwohl das Berufsleben einen erhöhten Anspruch an gesunde und attraktive Zähne auslöse und die Mundhygiene daher optimiert gewesen sei. Da berufstätige Frauen auch häufiger geraucht hätten, spreche viel dafür, dass Stress bei der Entstehung schwer therapierbarer parodontaler Entzündungen eine wichtige Rolle spiele.
Aus Finnland kam DDS Kaija Komulainen und ergänzte die Thematik mit dem Blick auf Personen über 75 Jahre. Auch in Finnland leiden Männer häufiger unter Parodontitis. Mithilfe von Interviews zu Lebensführung und Lebensumständen sowie klinischen Untersuchungen stellte man fest, dass neben einer eingeschränkten Funktion bei der Verrichtung alltäglicher Dinge vor allem das Geschlecht für die höheren Parodontalschäden verantwortlich zeichnete. Zu klären seien weitere Unterschiede im Lebensalltag, darunter auch der Faktor Ernährung, allerdings seien die Unterschiede bei C-reaktiven Proteinen sehr deutlich, was für biologische Faktoren spreche.
Quelle
EUROPERIO 2012  
http://www.europerio7.com
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