X-VeRT – erstmalig für neues orales Antikoagulans (NOAC) bei Kardioversion prospektive und randomisierte Studie abgeschlossen

Blut

Vorhofflimmern (VHF) ist nicht nur die häufigste klinisch relevante Herzrhythmusstörung, es erhöht auch das Schlaganfallrisiko um das Fünffache. Die Kardioversion zur Wiederherstellung eines normalen Sinusrhythmus ist bei Patienten mit Vorhofflimmern ein bedeutendes und häufig angewandtes Verfahren zur Beseitigung von Symptomen der Herzrhythmusstörung. „Im zeitlichen Umfeld dieser Maßnahme besteht allerdings ein erhöhtes Risiko für Thrombosen. Die Inzidenzrate bei nicht antikoagulierten Patienten beträgt 5 bis 7 %“, sagt Professor Dr. Stefan Hohnloser, Frankfurt/Main.(4,5) Die ESC-Leitlinie empfiehlt daher, mindestens drei Wochen vor und bis mindestens vier Wochen nach der Kardioversion eine orale Antikoagulation durchzuführen.(6) Eine vorgezogene Kardioversion mit kürzerer Prophylaxe im Vorfeld ist möglich, wenn eine transösophageale Echokardiografie keine Hinweise auf das Vorliegen von Thromben im linken Vorhof ergibt.(6) Danach sollten Patienten mit CHA2DS2-VASc Score ≥ 2 weiterhin antikoaguliert werden

„Der Standard zur Antikoagulation sind derzeit Vitamin-K-Antagonisten, obwohl sie bei diesem Eingriff nie in kontrollierten Studien untersucht wurden“, so Hohnloser. Auch die Wirksamkeit und Sicherheit der NOAK bei Kardioversion wurde bislang nur in Post-hoc-Analysen bewertet.(7,8,9) Es sei daher sehr zu begrüßen, dass nun mit X-VeRT – erstmalig für eines der neuen oralen Antikoagulanzien – eine prospektive und randomisierte Studie bei dieser häufigen Intervention abgeschlossen wurde.

Thromboembolie-Prophylaxe vor und nach Kardioversion

Die Prophylaxe kardioembolischer Ereignisse ist ein bedeutendes Therapiegebiet der neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK). Erstmals wurde in der X-VeRT-Studiea der klinische Nutzen des NOAK Rivaroxaban (Xarelto®) bei der Thromboembolie-Prophylaxe vor und nach Kardioversion im Vergleich zu Vitamin-K- Antagonisten (VKA) gezeigt. Positive Belege für die Sicherheit unter Alltagsbedingungen liefern das Dresdner NOAC-Register sowie eine neue US-Pharmakovigilanzstudie.

Rivaroxaban als erstes NOAK mit spezifischer Empfehlung für die Kardioversion

In die randomisierte, offene Phase-IIIb-Studie waren 1.504 Patienten mit hämodynamisch stabilem, nicht-valvulärem Vorhofflimmern eingeschlossen, die sich einer elektiven Kardioversion unterziehen sollten.(1) Nach dem Ausschluss von Vorhofthromben durch transösophageale Echokardiografie wurden sie gemäß dem Urteil der Prüfärzte einer von zwei Gruppen zugewiesen: In der Gruppe mit vorgezogener Kardioversion war eine 1- bis 5-tägige Antikoagulation vor der Intervention vorgesehen, in der Gruppe mit verzögerter Kardioversion eine 3- bis 8-wöchige.

Die Antikoagulation erfolgte randomisiert entweder mit einmal täglich 20 mg Rivaroxaban (15 mg bei einer Kreatinin-Clearance von 49 bis 30 ml/min) oder mit VKA bis zu einem Ziel-INR-Wert zwischen 2,0 und 3,0. Nach der Kardioversion wurde die Antikoagulation sechs Wochen lang fortgesetzt, daran schloss sich eine 30-tägige Nachbeobachtung an.

Rivaroxaban reduziert Risiko schwerer Blutungen gegenüber VKA

Primärer Wirksamkeitsendpunkt war eine Kombination aus Schlaganfall und TIA (transitorische ischämische Attacke), systemischen Embolien außerhalb des ZNS, Myokardinfarkt sowie kardiovaskulärem Tod. Er war unter Rivaroxaban numerisch um 50 % seltener als unter VKA (0,5 % vs. 1,0 %; Risikoreduktion: 0,50; 95 % KI: 0,15-1,73, mITT- Population).(1) Gleichzeitig reduzierte Rivaroxaban das Risiko schwerer Blutungen gegenüber VKA numerisch um 24 % (0,6 % vs. 0,8 %; Risikoreduktion 0,76; 95 % KI: 0,21-2,67, Sicherheits-Population).(1) „Die Studie lässt aufgrund des Designs zwar keine Aussagen zur statistischen Signifikanz dieses Endpunkts zu, dennoch sind die Ergebnisse klinisch relevant“, kommentiert Hohnloser.

Rivaroxaban kann Zeit bis zur Kardioversion verkürzen

In der Gruppe mit verzögerter Kardioversion konnten sich Patienten unter Rivaroxaban signifikant früher der Prozedur unterziehen als unter VKA (22 vs. 30 Tage, p<0,001).(1) Der Grund: Patienten unter VKA hatten Schwierigkeiten, vor der Kardioversion für mindestens drei Wochen einen INR-Zielwert zwischen 2,0 und 3,0 zu erreichen. „Damit scheint Rivaroxaban in einer Dosierung von einmal täglich 20 mg bei normaler Nierenfunktion und 15 mg bei leicht eingeschränkter Nierenfunktion eine wirksame und sichere Alternative zu VKA zu sein, die Vorteile in der Handhabung hat und die Zeit bis zur Kardioversion verkürzen kann“, resümiert Hohnloser.

Informationen zur Thrombose-Prophylaxe bei der Kardioversion mit Rivaroxaban finden sich auch in der europäischen Produktinformation zu Xarelto® sowie in den deutschen Fach- und Gebrauchsinformationen. Damit ist Rivaroxaban derzeit das einzige NOAK mit spezifischer Anwendungsempfehlung für die frühzeitige und die verzögerte Kardioversion.

Prof. Dr. Stefan Hohnloser, Frankfurt/Main und PD Dr. Jan Beyer-Westendorf, Dresden (v.l.n.r. / Foto: MEDIZIN ASPEKTE: J .Wolff
Prof. Dr. Stefan Hohnloser, Frankfurt/Main und PD Dr. Jan Beyer-Westendorf, Dresden (v.l.n.r. / Foto: MEDIZIN ASPEKTE: J .Wolff

Dresdner NOAC-Register: Sicherheitsdaten aus der Praxis untermauern Erkenntnisse aus klinischen Studien

Positive Ergebnisse zu Rivaroxaban liegen auch aus dem Dresdner NOAC-Register vor, in das Daten von Patienten mit mindestens dreimonatiger NOAK-Behandlung einfließen. In einer aktuellen Analyse wurden die Daten im Hinblick auf die Sicherheit analysiert. Sie stammen von 1.775 Patienten, die Rivaroxaban zur Schlaganfall-Prophylaxe bei VHF (n=1.200) oder wegen venöser Thromboembolien (VTE, n=575) erhielten.(2) „Schwere Blutungen nach ISTH-Definition traten insgesamt 3,4 mal pro 100 Patientenjahre auf, 3,1 mal bei Patienten mit VHF und 4,1 mal bei Patienten mit VTE”, berichtet Privatdozent Dr. Jan Beyer-Westendorf, Dresden. 62,1 % der Patienten mit schweren Blutungen konnten konservativ behandelt werden, die anderen benötigten eine chirurgische oder interventionelle Behandlung, 9,1 % ein Prothrombin-Komplex-Konzentrat.

Vorteil von Rivaroxaban durch US-Pharmakovigilanzstudie gestützt

„Schwere Blutungsereignisse waren selten und meist kontrollierbar”, kommentiert Beyer-Westendorf. „Darüber hinaus sind die Folgen von Blutungen unter einer Rivaroxaban-Behandlung offenbar weniger schwerwiegend als jene unter VKA.” So betrug die Gesamtsterblichkeitsrate 30 Tage nach allen krankenhauspflichtigen Blutungen unter Rivaroxaban 5,1 %, 90 Tage danach 6,3 %.(2) Dagegen lag die Krankenhaussterblichkeit für VKA-bedingte Blutungen in einer anderen Studie der Dresdner Forschergruppe bei 7,6 %, die 90-Tage-Sterblichkeit bei 14,1 %.(10) Dieser Vorteil von Rivaroxaban wird auch durch eine US-Pharmakovigilanzstudie mit 27.467 VHF-Patienten gestützt.(11) Darin betrug die Inzidenz schwerer Blutungen 2,86 pro 100 Patientenjahre, die Inzidenz tödlicher Blutungen 0,08 pro 100 Patientenjahre. Damit treten schwere Blutungen in der Praxis unter Rivaroxaban seltener auf als in der Zulassungsstudie, in der sich die Inzidenz auf 3,6 pro 100 Patientenjahre belief.(12)

Weniger Therapieabbrüche unter Rivaroxaban

In einer weiteren Registerauswertung analysierte die Dresdner Forschungsgruppe Daten zur Therapietreue der Patienten.(3) „Demnach ereigneten sich unter Rivaroxaban lediglich 13,6 Therapieabbrüche pro 100 Patientenjahre – ein Wert, der deutlich unter dem von 23,7 % in der Zulassungsstudie liegt”, sagt Beyer-Westendorf.(12) Noch deutlicher fiel der Unterschied zu Alltagspatienten mit VKA-Therapie aus, von denen in früheren Studien rund 30 % im ersten und weitere 10 % im zweiten Behandlungsjahr abbrachen.(13,14)

„Insgesamt bestätigen die Daten des NOAC-Registers, dass Rivaroxaban im Praxiseinsatz tendenziell bessere Sicherheitsdaten zeigt als im Studien-Setting, dass sich Blutungskomplikationen in der Regel gut managen lassen und Patienten der Therapie in erfreulichem Maße treu bleiben”, schließt Beyer-Westendorf.

Literatur
(a) X-VeRT (eXplore the efficacy and safety of once-daily oral riVaroxaban for the prevention of caRdiovascular events in patients with nonvalvular aTrial fibrillation scheduled for cardioversion)

  1. Cappato R et al. Eur Heart J 2014; 35: 3346-3355
  2. 
Beyer-Westendorf J et al. Blood 2014; 124(6): 955-962
  3. Beyer-Westendorf J et al. Europace 2015, doi:10.1093/europace/euu319
  4. Stellbrink C et al. Circulation 2004; 109: 997-1003
  5. Klein AL et al. N Engl J Med 2001; 344: 1411-1420
  6. Camm AJ et al. Eur Heart J 2012; 33: 2719-2747
  7. Piccini JP et al. J Am Coll Cardiol. 2013; 61(19): 1998-2006
  8. 
Nagarakanti R et al. Circulation. 2011; 123(2): 131-136
  9. Flaker G et al. J Am Coll Cardiol. 2014; 63(11): 1082-1087
  10. Halbritter K et al. J Thromb Haemost 2013; 11(4): 651-659
  11. Tamayo S et al. Clinical Cardiology 2015; 38(2): 63-68
  12. 
Patel MR et al. N Engl J Med 2011; 365: 883-891
  13. 
Gomes T et al. Arch Intern Med 2012; 172(21): 1687-1689
  14. 
Gallagher AM et al. J Thromb Haemost 2008; 6(9): 1500-1506

Quelle:
Presseveranstaltung der Bayer Vital GmbH anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, 10.04.2015, Mannheim

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