Würzburg first

Die klinische Situation stellte sich wie folgt dar: Eine 72-jährige Patientin war mit dem Erscheinungsbild ihrer Frontzähne im Oberkiefer unzufrieden. Eine Entzündung des Zahnbetts – im Fachjargon Parodontitis genannt – hatte zu Knochenverlusten und einem Rückgang des Zahnfleischs geführt; Zahnhälse lagen frei, Zähne hatten ihre Stellung verändert. Insgesamt kein ästhetischer Anblick und für die behandelnden Zahnärzte eine anspruchsvolle Ausgangssituation.

Ein Gebiss mit LückenUm diese zu ändern, hatte sich die Patientin explizit an das Würzburger Zentrum für Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit gewandt – speziell an die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie.

Dort war sie bereits seit zehn Jahren wegen ihrer Parodontitis-Erkrankung in Behandlung. Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen und eine gute Mundhygiene hatten inzwischen zu einer „stabilen parodontalen Situation“ geführt, so dass die Zahnmediziner nun die Aufmerksamkeit auf die Verbesserung des ästhetischen Erscheinungsbildes legen konnten.

Eine ästhetisch hochwertige Versorgung

Hilfe erhielt die Patientin vom Zahnmedizin-Studenten Paul Drehmann. Dieser behandelte die Patientin bereits während des klinischen Kurses im Wintersemester 2016/2017. Betreut wurde er dabei von seiner Tutorin Dr. Britta Hahn. „Nach Erörterung der Problematik, Abwägung der möglichen Behandlungsmaßnahmen sowie Wünschen der Patientin haben wir uns gemeinsam für eine minimal invasive und ästhetisch hochwertige Versorgung mit Kompositmaterialien entschieden“, berichtet Paul Drehmann. Gleichzeitig sei der Versuch gestartet worden, sich mit dem Ergebnis der Behandlung international zu messen – sprich: am Global Clinical Case Contest (GCCC) teilzunehmen.

Im Endeffekt machte Drehmann nicht nur seine Patientin glücklich. Die erfolgreiche Behandlung brachte ihm Anfang des Jahres zuerst den nationalen Titel – 1. Platz Deutschland-Österreich-Schweiz – ein. Mit diesem Erfolg in der Tasche konnte er sich sogar weltweit beim Finale des GCCC 2016-2017 am 26. Juli in Konstanz gegen 18 weitere Finalisten durchsetzen und den Weltmeistertitel gewinnen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

„Mit seinen Pflichtleistungen war Paul Drehmann weit vor Semesterende und vor allen anderen bereits fertig und hatte damit Zeit, sich zusätzlich dieser Patientin anzunehmen“, erklärt Britta Hahn. Tatsächlich sei es nicht die Regel, solch aufwändige Behandlungen im Studentenkurs durchführen zu können. Im Fall von Paul Drehmann stecke ihren Worten nach deshalb „wirklich viel Talent dahinter“.

Das Talent wird Paul Drehmann auch in Zukunft zum Wohle seiner Patienten einsetzen: Nach Abschluss seiner Doktorarbeit wird er im September seine erste Stelle in einer zahnärztlichen Praxis in Ingolstadt antreten.

Keine Routinebehandlung im Studentenkurs

Ein Gebiss ohne Lücken „Frontzahnästhetik mittels direkter Komposittechnik“ heißt die prämierte Behandlungstechnik in der Fachsprache. Diese gehört nicht zur Routinebehandlung im Studentenkurs, aber zu einer häufigen Therapie durch die Zahnärzte der Abteilung für Zahnerhaltung und Parodontologie. Studierende der Zahnmedizin durchlaufen im zehnten Semester einen praktischen Kurs „Frontzahnästhetik“.

„Bereits hier stach Paul Drehmann durch exzellentes Umsetzen der gelehrten Techniken am Übungsmodell heraus“, erzählt Britta Hahn. Sein besonderes Interesse an diesem Fall und die Tatsache, dass er den vorgeschriebenen Katalog an Behandlungen bereits erledigt hatte, machten es möglich, dass sich Paul Drehmann dieser Patientin widmen konnte, so die Tutorin.

Der Global Clinical Case Contest

Ausrichter des Wettbewerbs ist das Unternehmen Dentsply Sirona. Der nach eigenen Angaben weltweit größte Hersteller von Dentalprodukten und -technologien beliefert Zahnärzte und Zahntechniker – angefangen mit Verbrauchsmaterialien über Behandlungseinheiten bis zu Spezialprodukten in den Bereichen Kieferorthopädie, Endodontologie und Implantologie.

Die erste Ausgabe des „Wettbewerbs für Fallstudien zu ästhetischen Restaurationen“ fand 2004/2005 statt. Seitdem haben mehr als 2.300 Studierende daran teilgenommen. Diese dürfen über maximal zwei Jahre klinischer Praxis verfügen; für den Wettbewerb müssen sie mit Fotos und Text dokumentierte Patientenfälle einsenden. Die nationalen Gewinner werden von den Länderorganisationen von Dentsply Sirona gekürt; anschließend präsentieren diese ihre Fälle einer hochkarätigen internationalen Jury.

Die Universität Würzburg war in diesem Jahr zum ersten Mal als Teilnehmer am GCCC vertreten. Paul Drehmann ist der dritte internationale Sieger, der aus Deutschland stammt – nach der Universität Witten/ Herdecke 2008/09 und der Universität Göttingen 2012/13. Weitere Preise gingen in diesem Jahr an Studierende aus Leuven (Belgien) und Siena (Italien).

Kontakt

Dr. Britta Hahn, Hahn_B1@ukw.de
Paul Drehmann, drehmannpaul@msn.com

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