WohnLos! – Aktionstag macht aufmerksam auf psychisch erkrankte obdachlose Menschen

Über die komplexen Zusammenhänge zwischen psychischen Erkrankungen und Wohnungslosigkeit handelt der Aktions- und Fachtag „WohnLos – Wohnungslosigkeit bei psychischer Erkrankung“, zu dem das LWL-Forschungsinstitut für Seelische Gesundheit und das LVR-Institut für Versorgungsforschung am kommenden Donnerstag (21.11.) in das LWL-Universitätsklinikum nach Bochum einlädt. An diesem Tag wird das gemeinsame auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt, gefördert vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS), vorgestellt und im Rahmen von wissenschaftlichen und klinischen Vorträgen diskutiert.

„Es ist oft ein Teufelskreis, in dem sich alle Beteiligten im System der Wohnungslosigkeit bewegen – angefangen von den Betroffenen selbst, über kommunale und karitative Einrichtungen bis hin zu den medizinischen und psychosozialen Betrieben“, beschreibt Prof. Dr. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums Bochum, das Dilemma. „Die Wohnungslosigkeit kann als eine schwerwiegende Komplikation einer schweren psychischen Störung betrachtet werden. Andererseits lässt sich aufgrund der verschlechterten Lebensbedingungen eine psychische Störung nur sehr schwer behandeln.“

Die Zahlen der Menschen ohne festen Wohnsitz steigen seit einigen Jahren an. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass 650.000 Frauen und Männer (2017) keine eigene Wohnung haben. Immer mehr Menschen nehmen Leistungen der Eingliederungshilfe und Hilfen in besonderen Lebenslagen – vor allem bei Wohnungslosigkeit – in Anspruch. Laut Zahlen des Statistischen Landesamtes NRW (2016) entfallen über 30 Prozent der Leistungsbewilligungen im Rahmen der Eingliederungshilfe auf das ambulante und stationär betreute Wohnen von Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Am häufigsten sind Persönlichkeits-, Abhängigkeits- und affektive Störungen als Krankheitsbild festzustellen. Prof. Juckel: „Wir gehen davon aus, dass zwischen 60 bis über 90 Prozent der Menschen ohne festen Wohnsitz eine psychische Erkrankung ausweisen.“

Neben dem WohnLos-Forschungsprojekt erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags mehr über die Landesinitiative des MAGS „Endlich ein Zuhause!“ und zu Studien verschiedener Hochschulen in Deutschland und der Schweiz. Weiterhin werden kommunale Best-Practice-Modelle zur Kooperation und Vernetzung von Psychiatrischen Hilfen und der Wohnungslosenhilfe sowie ein Wohnprojekt in Mannheim vorgestellt.

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