Wohn-Pflege-Gemeinschaften in Deutschland

„Pflege ist weiblich“, doch kann und soll diese traditionelle Rollenverteilung angesichts gesellschaftlicher Veränderungen wie der Erosion familialer Netzwerke, demographischem Wandel und Pflegenotstand aufrechterhalten werden? Als Alternative zur Betreuung in der Familie, die in der Regel von Frauen übernommen wird, oder im klassischen Pflegeheim, in
dem die Pflege in aller Regel auch „in weiblicher Hand“ liegt, gründen und organisieren seit den 90er-Jahren Angehörige dementer Menschen ambulant betreute Wohn-Pflege-Gemeinschaften. Ob diese Versorgungsform als tragfähiges und geschlechtergerechtes Zukunftsmodell gesellschaftlich notwendiger Sorgearbeit gesehen werden kann, war Thema der Fachtagung „Wohn-Pflege-Gemeinschaften in Deutschland“, die am Freitag, den 27. März 2015, im Schader-Forum in Darmstadt von Prof. Dr. Birgit Riegraf und Dr. Romy Reimer, Universität Paderborn, sowie der Stiftung Diakonie Hessen und der Schader-Stiftung durchgeführt wurde. Gefördert wurde die Tagung von dem Stiftungfonds DiaDem und der Universitätsgesellschaft Paderborn.

Wie Expertinnen und Experten aus Politik, Praxis und Wissenschaft im Rahmen der ganztägigen Veranstaltung mit Vorträgen und Workshops feststellten, bedeuten Wohn-Pflege-Gemeinschaften vor allem für Partner, Partnerinnen oder Kinder dementer Menschen eine große Entlastung. Pflege und Betreuung übertragen sie ambulanten Diensten. Für deren Beschäftigte lässt die Arbeit in den überschaubaren Wohngruppen mehr individuelle Zuwendung als in stationären Einrichtungen zu, was aber nichts an den hohen Anforderungen und der schlechten Bezahlung ändert und daran, dass Pflege auch hier überwiegend von Frauen geleistet wird.

Auch Nachteile für die Angehörigen kamen zur Sprache: Der Zeitaufwand für organisatorische Aufgaben ist erfahrungsgemäß hoch, es sei denn, eine zusätzliche Kraft für die Koordination und Verwaltung der Wohngemeinschaft wird beschäftigt. Dabei stellt die Finanzierung ohnehin eine der großen Hürden dar. Deshalb lautete eine Forderung an die Politik, diese Pflegeform genauso finanziell zu fördern, wie es bislang im stationären Bereich der Fall ist.

Wer jedoch keine oder nicht so einsatzfähige Angehörigen hat, für den bieten trägerverantwortete Wohngruppen, die Wohlfahrtsverbände, Stiftungen oder Pflegedienste gründen und betreiben, eine mögliche Betreuungsform.

Die Schader-Stiftung fördert die Gesellschaftswissenschaften und deren Dialog mit der Praxis.

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