Wo geht’s lang? Tricks der Filmemacher erleichtern Zuschauern die Orientierung

In Actionfilmen müssen sich Zuschauer häufig in Sekundenbruchteilen orientieren: Rasen zwei Autos aufeinander zu oder verfolgt eins das andere? Wissenschaftler der Universität Tübingen und des Leibniz-Instituts für Wissensmedien haben nun nachgewiesen, dass die Orientierung in Filmen nicht auf den aufwändigen mentalen Berechnungen beruht, die für das Raumverstehen in realen Situationen erforderlich sind. Stattdessen wenden Zuschauer einfache sogenannte Heuristiken, also Daumenregeln an, die ihnen die Orientierung im Film deutlich erleichtern. Die neuen Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Psychonomic Bulletin & Review (2012, 19, 1065-1072) veröffentlicht.

Voraussetzung dafür, dass die Zuschauer sich wirklich leicht orientieren können, ist allerdings, dass sich der Regisseur an bestimmte Darstellungskonventionen wie beispielsweise die sogenannte 180° Regel bei der Platzierung der Kameras hält. Die 180° Regel legt fest, dass Kameras immer auf einer Seite eines Geschehens – sei es eine Verfolgungsjagd oder ein Fußballspiel – platziert werden sollten. Hält sich der Film an diese Regel, dann stimmt die Bewegungsrichtung auf dem Bildschirm mit der realen Bewegungsrichtung überein: Zwei Autos, die sich verfolgen, fahren dann auch auf dem Bildschirm in die gleiche Richtung. Der Darstellungstrick erlaubt es den Zuschauern, sich schnell und fehlerfrei in einer Filmszene orientieren. Durch die enge Abstimmung der Tricks und Regeln der Filmemacher mit den mentalen Mechanismen der Zuschauer fallen manche Verstehensprozesse beim Betrachten von Actionszenen im Film leichter als im „wirklichen Leben“.

Kontakt:
Jun.-Prof. Dr. Markus Huff
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich Psychologie
Schleichstraße 4
72076 Tübingen
Tel. 07071 29 75612
markus.huff@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Stephan Schwan
Institut für Wissensmedien
Schleichstraße 6
72076 Tübingen
Tel. 07071 979 228
s.schwan@iwm-kmrc.de

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