Wissenschaftspreis für interdisziplinäre Essenforschung und Kultur der Gastlichkeit

Der Kulinaristik-Wissenschaftspreis wird jährlich an Personen oder Institutionen verliehen, die sich aus Sicht der Wissenschaften besondere Verdienste um die theoretische oder praktische Vertiefung unseres Wissens von der kulturellen Bedeutung des Essens und der Gastlichkeit im Aufbau der Kultur(en), in der Verständigung zwischen den Menschen und im Leben des Einzelnen erworben haben.

Vergeben wurde der Preis im Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, um die enge Verbindung zwischen den Kulturwissenschaften des Essens und den Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften zu dokumentieren.

Der Vorsitzende des Kulinaristik-Forums, Prof. Alois Wierlacher, selber einer der angesehensten Pioniere der neueren Kulturwissenschaft des Essens, hielt die Laudatio auf den Preisträger. Nach einem knappen Überblick über Professor Kolmers Bücher wie Mahl und Repräsentation (2000), Speiserituale (2007), Wissens-Bissen (2011) und Kolmers Mitwirkung an der wissenschaftlichen Grundlegung einer neuen Gastlichkeitskultur (Gastlichkeit – Rahmenthema der Kulinaristik (Berlin: LIT 2011 kam der Laudator auf Kolmers Kritik des Sterne-Wahns des Gastgewerbes als einer „verkehrten Welt“ des Zuviel und des Zuwenig zu sprechen. Kolmer: „Die sieben Gänge vieler Sterneköche symbolisieren das Zuviel an Dekoration, zuviel an Design, zuviel an Vordergründigkeit“ und auch in der Restaurantkritik „reflektiert kaum ein Kritiker (darüber), dass der Essende beim Essen seine eigene Wirklichkeit erkennt und gehalten ist, darüber nachzudenken“. Wierlacher griff diese Kritik auf und erinnerte daran, dass Essen und Trinken ineins nutritive und kommunikative Handlungen seien, so dass es in der Tat darauf ankomme, sie in ihrem Zusammenhang zu begreifen statt sie fein säuberlich von einander zu separieren und mit der Sternwelt und ihrer Stilisierung einzelner guter Handwerker zu Stars einen neuen Elfenbeinernen Turm aufzubauen, deren Bewohner von den realen Umfeldern der meisten Köche – wie dem Unternehmensmilieu, der Restaurantleitung, der Betriebswirtschaft und den Finanzierungsleistungen – ähnlich absieht wie es früher die Geisteswissenschaften mit den Schriftstellern getan haben. Umso willkommener sei das Salzburger interdisziplinäre Zentrum Kolmers, da es sich dem gesamten Gebiet der Kulinaristik, vom Kochvorgang bis zur Kulturgeschichte der Serviette geöffnet und als erste universitäre Institution der deutschsprachigen Ländern einen berufsbegleitenden Universitätslehrgangs „Gastrosophische Wissenschaften“ eingerichtet habe. Nach fünf erfolgreichen Semestern erhalten die Absolventen den akademischen Grad eines .

Dotiert ist der Preis mit 5000 Euro, gesponsert von der Bank Sarasin AG (Frankfurt). Überreicht wurde der Preis von Frank Niehage, dem Vorstandvorsitzenden der Bank und Stellvertretendem Vorsitzenden des Kulinaristik-Forums. Kaum eine Branche sei enger mit dem Wohlbefinden des Menschen verbunden als die Lebensmittelbranche, so Niehage. Es sei eine gewaltige Herausforderung, dieser Verantwortung nachhaltig gerecht zu werden und darum wirke er in der Kulinaristik mit.

Das Duo Rupa (Pforzheim) begleitete die Veranstaltung mit Violine und Zimbal musikalisch. Ausgewählte Spitzenköche von Euro-Toques Deutschland e.V. präsentierten ein festliches Büfett.

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