Wissenschaftler normieren zentrale neuropsychologische Testverfahren neu

Ein achtköpfiges Projektteam aus Wissenschaftlern und klinischen Neuropsychologen unter der Leitung von Dr. Christian Balzer, Reha Rheinfelden, hat 15 häufig eingesetzte Untersuchungsverfahren in den Bereichen Lernen und Gedächtnis, Aufmerksamkeit, visuelle Wahrnehmung und exekutive Funktionen neu normiert. Die Verfahren wurden teilweise modifiziert.

Die überarbeiteten Testmaterialien und die Ergebnisse der Studien, die anhand derselben Stichprobe erzielt wurden, liegen nun erstmals in Form eines Testkoffers für Anwender vor. Die Sammlung ermöglicht es, einzelne Tests flexibel zu kombinieren und einzusetzen. Die repräsentative Stichprobe, auf der die Normierung beruht, umfasste 569 gesunde Probanden. Das deutsch-schweizerische Kooperationsprojekt erstreckte sich über zehn Jahre und wurde von der Schweizerischen Unfallversicherung SUVA, dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV sowie der Wissenschaftsabteilung der Reha Rheinfelden gefördert.

Einer soliden Normierung kommt in der neuropsychologischen Diagnostik eine bedeutende Rolle zu. Sie dient als Vorraussetzung, um die Testergebnisse einzelner Patienten einordnen und darauf aufbauend eine Diagnose treffen zu können. Zudem erlaubt die gemeinsame Normierung verschiedener Testverfahren an derselben Stichprobe eine bessere Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Testleistungen sowie eine Profilanalyse.

Grundlage für die Normierung bildeten umfangreiche psychometrische Berechnungen. Dr. Korbinian Möller vom Tübinger Leibniz-Institut für Wissensmedien und Professor Dr. Klaus Willmes-von Hinckeldey von der Neurologischen Klinik der RWTH Aachen errechneten Kontrollterme für Alter, Bildung, Geschlecht und Testform. Mit Hilfe dieser Kontrollterme können die Rohwerte um Einflüsse der unterschiedlichen Variablen korrigiert werden. Dies ist insbesondere bei relativ kleinen Normierungsstichproben sinnvoll, wenn eine Aufteilung in unterschiedliche Alters- oder Bildungsgruppen die jeweils resultierenden Normierungsstichproben zusätzlich verkleinern würde. Um dem Anwender das Berechnen von korrigierten Testwerten und den Vergleich mit den Normwerttabellen zu erleichtern, wurde ein Auswertungsprogramm erstellt, das die Ergebnisse übersichtlich in den gängigen Standardwerten und in einem grafischen Leistungsprofil darstellt.

Der neue Testkoffer (Materialien und Normwerte für die Neuropsychologische Diagnostik MNND) enthält neben einem Test- und Methodikhandbuch auch Normwerttabellen, Profilblätter, die konkret benötigten Testmaterialien wie Booklets, Vorlagekarten oder Testblätter sowie Auswertungsschablonen und das Excel-basierte Auswertungsprogramm. Darüber hinaus wird auch ein Programm zur psychometrischen Einzelfalldiagnostik mitgeliefert, das Profilanalysen mit z.B. statistischer Absicherung von Leistungsdissoziationen ermöglicht. „Der Koffer ist für all jene Fachpersonen interessant, die eine fundierte neuropsychologische Diagnostik für einen breiten kognitiven Fähigkeitsbereich anstreben und flexibel einzelne Tests kombinieren und einsetzen möchten“, so Dr. Korbinian Möller vom Leibniz-Institut für Wissensmedien.

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Weitere Informationen zum Testkoffer sowie zur eingesetzten Methodik finden Sie unter:

Kontakt Leibniz-Institut für Wissensmedien:
Dr. Korbinian Möller
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen
Tel.: 07071/ 979-350, Fax: 07071/ 979-100, E-Mail: k.moeller@iwm-kmrc.de

Tanja Vogel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen
Tel.: 07071/ 979-261, Fax: 07071/ 979-100, E-Mail: t.vogel@iwm-kmrc.de

Kontakt Reha Rheinfelden:
Dr. Christian Balzer, Leiter Neuropsychologie, Reha Rheinfelden, Salinenstrasse 98, CH-4310 Rheinfelden
Tel.: +41 61 836 52 91, Fax +41 61 836 53 53, E-Mail: c.balzer@reha-rhf.ch

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien
Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht das Lehren und Lernen mit digitalen Technologien. Es ist eines von 87 Forschungsinstituten und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft. Rund 60 Wissenschaftler/-innen aus Kognitions-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften arbeiten am IWM interdisziplinär an Forschungsfragen zum individuellen und kooperativen Wissenserwerb in medialen Umgebungen. Seit 2009 unterhält das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten WissenschaftsCampus zum Thema „Bildung in Informationsumwelten“. Für nähere Informationen besuchen Sie uns im Internet unter .

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