Wissenschaftler geben Lehrbuch über Evolutionsmedizin heraus

Die Medizin ist fest in den Naturwissenschaften verankert. Sie geht besonders mit der Biologie Hand in Hand, die jeden Tag dazu beiträgt, physische und psychische Erkrankungen von Menschen zu verstehen und Behandlungsmethoden weiterzuentwickeln. Trotzdem beschäftigen sich die meisten Mediziner kaum mit einem der beeindruckendsten Gebiete der Naturwissenschaften: der Evolutionsbiologie.

Das Handbuch „The Oxford Handbook of Evolutionary Medicine“ von Prof. Dr. Martin Brüne und Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel gewährt Einblicke in die Evolution der Spezies Mensch und zeigt auf, welche evolutionären Entwicklungen den Menschen für bestimmte Erkrankungen anfällig machen. Obwohl sich oberflächlich betrachtet in den vergangenen 300.000 Jahren nicht allzu viel am Menschen verändert hat, hebt das Lehrbuch subtile Veränderungen des Stoffwechsels und Abwehrsystems hervor.

Die Autoren setzen sich außerdem mit der Ko-Evolution von Viren, Bakterien und Pilzen sowie dem Phänomen des „mismatch“ auseinander. Verhältnismäßig schnelle kulturelle Entwicklungen stellen den menschlichen Körper vor Herausforderungen, mit denen die biologische Adaption nicht mithalten kann. Dieses Ungleichgewicht zwischen kultureller und biologischer Evolution führt zu psychologischen wie körperlichen Problemen. Ein Beispiel hierfür ist die neue Art der Nahrungsbeschaffung und -zubereitung und damit einhergehende Unverträglichkeiten wie Laktose- oder Glutenintoleranz sowie Allergien und Krebserkrankungen.

„The Oxford Handbook of Evolutionary Medicine“ stellt Erkenntnisse der Evolutionsmedizin heraus, die medizinische Stolperfallen vermeiden können und Chancen bergen für die Zukunft der Medizin.

The Oxford Handbook of Evolutionary Medicine, 2019, erschienen im Oxford University Press Verlag, herausgegeben von Martin Brüne und Wulf Schiefenhövel, ISBN 978-0198789666, 127 Euro

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