Wissenschaftler der Hochschule Karlsruhe für Europäischen Erfinderpreis nominiert

Der Europäische Erfinderpreis wird am 9. Juni 2016 in Lissabon zum elften Mal vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen. Mit der Auszeichnung würdigt das EPA jährlich Forscher, Wissenschaftler, Techniker und Tüftler, deren Erfindungen vom EPA patentiert worden sind und einen außerordentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt geleistet haben.

Die beiden deutschen Erfinder Bernhard Gleich (46) und Jürgen Weizenecker (48), Professor an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, dürfen sich Hoffnungen auf den Europäischen Erfinderpreis 2016 machen: Das Duo ist für die Entwicklung der Magnetpartikelbildgebung (MPI) in der Kategorie „Industrie“ nominiert. Ihre Innovation gilt als neue Generation der Bildgebungstechnologie und macht die Darstellung von Gewebe in Echtzeit, dreidimensional und auf den Millimeter genau möglich. Im Rennen um den Erfinderpreis stehen sie im Wettbewerb mit den beiden Italienerinnen Virna Cerne und Ombretta Polenghi mit einem innovativen Verfahren zur Extraktion glutenähnlicher Proteine aus Mais sowie dem Belgier Joan Daemen und dem Franzosen Pierre-Yvan Liardet mit ihrem Team zur Entwicklung einer sicheren Smartcard-Verschlüsselung. Erstmals nachdem „Erfinderkönig“ Artur Fischer 2014 für sein Lebenswerk geehrt worden ist, haben mit Gleich und Weizenecker nun wieder deutsche Forscher die Chance, die begehrte europäische Auszeichnung zu erhalten.

Bernhard Gleich und Jürgen Weizenecker sind zwei Physiker im Dienste der Medizintechnik. Vor über 15 Jahren begannen sie gemeinsam in Hamburg an der Entwicklung des Bildgebungsverfahrens zu forschen. Die bahnbrechende Methode nutzt die magnetischen Eigenschaften von sogenannten superparamagnetischen Eisenoxid-Nanopartikeln (SPIONs): Sobald sich diese in der Blutbahn eines Patienten befinden, können sie über ein Magnetfeld sichtbar gemacht und per Software in Echtzeit zu dreidimensionalen Aufnahmen mit hoher Genauigkeit aus dem Körperinneren zusammengesetzt werden. Im Vergleich zur Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich Bilder mit MPI wesentlich schneller erzeugen. Somit könnten Ärzte sofort feststellen, ob etwa ein Gefäß verengt oder eine Arterie verkalkt ist. Ein Meilenstein für die Diagnose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache sind. Weil Patienten beim Einsatz der Erfindung keiner Strahlung ausgesetzt werden und die Eisenpartikel, die nach einer Anwendung vom Stoffwechsel des Körpers sicher weiterverarbeitet werden, zudem keine schädliche Wirkung haben, ist MPI zugleich eine besonders schonende Methode der Diagnostik. Zudem könnte MPI während Operationen durch die Übertragung von Live-Bildern aus dem Körperinneren helfen, die Auswirkungen von Eingriffen und Medikamentenabgaben in Echtzeit zu überwachen. Das Europäische Patentamt hat den beiden Erfindern bis heute gemeinsam mehr als 30 Patente für Verbesserungen der MPI-Technologie erteilt. Der erste präklinische MPI-Scanner kommt seit 2014 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zum Einsatz.

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