Wissenschaft zwischen Himmel und Erde

Magdeburger erforscht eines der größten Probleme der bemannten Raumfahrt

Der Weltraumbiotechnologe Prof. Dr. Dr. Oliver Ullrich der Universität Magdeburg führt dieses Jahr bis zu vier Experimente im Weltall durch und übernimmt die Leitung eines internationalen Forschungsprojektes an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Die Projekte dienen der Erforschung eines Hauptproblems der bemannten Raumfahrt: der Fehlfunktion des Immunsystems in der Schwerelosigkeit.

Die Magdeburger Weltraumbiotechnologie hat in den letzten vier Jahren auf bisher acht Parabelflugkampagnen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) mit etwa 1000 geflogenen Parabelmanövern erfolgreich durchgeführt.

In diesem Jahr schießt die Universität Magdeburg insgesamt drei Experimente ins All, die zur Klärung einer der fundamentalsten Frage der bemannten Raumfahrt beitragen sollen: Ist die Architektur und Funktion des menschlichen Körpers und unserer Zellen in der Lage, unter den Bedingungen veränderter Schwerkraft zu leben, zu funktionieren, sich anzupassen, oder verhindert unser Bauplan vielleicht bereits auf Ebene der Zellen und Moleküle ein Leben in Schwerelosigkeit? Das Immunsystem von Astronauten ist auf einem Raumflug stark beeinträchtigt. Möglicherweise verhindert es dadurch auch einen dauerhaften Aufenthalt des Menschen jenseits des Erdorbits.
Die Erkenntnisse aus den bisherigen Forschungen auf Parabelflügen könnten durchaus in diese Richtung weisen. Bereits nach wenigen Sekunden setzen wichtige Angriffsfunktionen von Immunzellen aus, sie verlieren wichtige Moleküle für den Kontakt mit anderen Zellen, und viele innere Steuerungsmechanismen kommen durcheinander.

In diesem Jahr starten bis zu vier Experimente der Magdeburger Weltraumbiotechnologie ins All. Ende März die Forschungsrakete TEXUS-49, im November die Forschungsrakete MASER-12 und kurz vorher ein 10-tägiges Experiment auf der ersten Deutsch-Chinesischen Raumfahrtmission SHENZHOU-8. In der Startvorbereitung ist auch das immunologische Experiment TRIPLE LUX A, das in diesem Jahr noch auf die Internationale Raumstation gebracht werden soll. In diesen Studien werden Vorgänge in den Zellen des Immunsystems näher erforscht, die durch die Schwerelosigkeit gestört sind.

Ob diese Vorgänge in den Zellen des Immunsystems sich letztlich der Schwerelosigkeit anpassen können oder nicht, will das von Prof. Ullrich koordinierte neue Projekt für die Internationalen Raumstation (ISS) herausfinden. An dem Projekt arbeiten Spitzenforscher aus Deutschland, der Schweiz, Russland und den USA. Auch eine ehemalige NASA-Astronautin ist dabei. Das nach einem rigorosen Auswahlverfahren durch die Raumstationsländer ausgewählte Projekt wird im BIOLAB des europäischen Columbus-Moduls auf der Internationalen Raumstation durchgeführt werden. Untersucht wird hierbei auch die Wiederanpassung aus der Schwerelosigkeit an die Schwerkraft des Planeten Mars.
Zu wissen, auf welche Art und Weise veränderte Schwerkraftbedingungen die Funktion menschlicher Zellen verändert, ermöglicht eine präzisere Einschätzung der Risiken eines Langzeitraumfluges und vielleicht sogar die Entwicklung von Maßnahmen gegen die schädliche Wirkung der Schwerelosigkeit. Es kann aber auch sein, dass unser zellulärer Bauplan so ideal an das Laben auf der Erde angepasst ist, dass er ein Leben außerhalb der Schwerkraft der Erde auf Dauer unmöglich macht.

Für Rückfragen:
Prof. Hon.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Oliver Ullrich,
Institut für Maschinenkonstruktion, Fakultät für Maschinenbau,
Otto-von-Guericke-Universität, Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg
Tel.: 0391 67 18522 oder 0041 44 63 55310
E-Mail: oliver.ullrich@ovgu.de

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