Wissenschaft: Wieso CBD gegen COVID-19 helfen könnte

CBD

Cannabis könnte gegen das Coronavirus helfen. So behaupteten kanadische Wissenschaftler schon im Mai. Forscher der Universität Nebraska und des Texas Biomedical Research Institutes schließen sich dem in der Fachzeitschrift Brain, Behaviour and Immunity nun an. Im Fokus ihrer Betrachtung steht das in weiblichen Hanfpflanzen enthaltene Cannabinoid CBD. Ein Wirkstoff, der für seine entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt ist. Zur Unterdrückung von Entzündungsreaktionen schlagen sie die Substanz im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung als ergänzendes Therapeutikum zu antiviralen Mitteln vor.

Was ist CBD?

Der Wirkstoff Cannabidiol wird von der Medizin inzwischen bei vielfältigen Indikationen genutzt. Schmerz- und Angsterkrankungen zählen zu den Haupteinsatzgebieten. Das Cannabinoid hat im Gegensatz zu anderen chemischen Arzneimitteln lediglich geringe Nebenwirkungen.

Anders als das ebenfalls in Hanfpflanzen enthaltene THC gilt CBD als nicht-psychoaktives Cannabinoid und ist die Basis von medizinischem Cannabis. Im Unterschied zu psychoaktiven Hanfprodukten weisen CBD-Erzeugnisse einen niedrigen THC-Gehalt auf und wirken daher nicht berauschend. In Deutschland sind sie deshalb unter bestimmten Bedingungen legal.

1992 entdeckte ein Forscherteam, dass CBD seine Wirkung an den menschlichen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 entfaltet. An diesen Zellrezeptoren des Endocannabinoidsystems wirkt CBD nach Schlüssel-Schloss-Prinzip. Indem sich seine chemischen Agonisten an die Zellrezeptoren binden, leiten sie Botschaften weiter, auf die die Zellen reagieren. Das psychoaktive THC bindet an beide Rezeptoren, während CBD eher als Hemmstoff für das körpereigene Enzym FAAH fungiert. Ein Molekül, das bestimmte Regionen des Gehirns stimuliert. Zahlreiche Studien beschäftigen sich bis heute mit den genauen Wirkmechanismen.

Hilft CBD bei COVID-19?

Schon seit mehreren Jahren dürfen Ärzte bestimmten Patienten Rezepte für medizinisches Cannabis ausstellen. Mit CBD wird eine stark entzündungshemmende Wirkung verbunden. Offenbar reduziert der Wirkstoff entzündungsfördernde Zytokine und erhöht gleichzeitig die Produktion von Signalproteinen, die Immunzellen aktivieren. Je mehr dieser Interferone der Körper produziert, desto schlechter können sich Viren im Organismus vermehren.

Mit ihrem Artikel in Brain, Behaviour and Immunology verwiesen US-Forscher im Zusammenhang mit COVID-19 auf diese durch frühere Studien nahegelegten Effekte. Im Fokus ihres Artikels steht eine Tierstudie, in der CBD Entzündungen der Atemwege reduzierte und Lungenfibrose milderte. Auch das Coronavirus kann zu Lungenfibrose führen und schädigt durch Vernarbungen das Lungengewebe. Inwieweit die Gabe von CBD diese Folgen verhindern könnte, sollen nun weiterführende Studien überprüfen.

Auch abgesehen von seiner anti-entzündlichen Wirkung könnte sich CBD als ergänzender Wirkstoff bei COVID-19-Erkrankungen eignen. Im Mai hatten kanadische Wissenschaftler regulierende Effekte am ACE2-Rezeptor nahegelegt. Um in den Körper einzudringen, nutzt das Coronavirus diesen Zellrezeptor als Pforte. „Laut den Studienergebnissen besetzt CBD diese Eintrittsstelle und verringert dadurch die Viruslast. Darüber hinaus vermindert Cannabidiol offenbar das Enzym Serinprotease TMPRSS2 und blockiert dadurch eine weitere Angriffsstelle der Viren.

Weniger Angst – bessere Heilungschancen?

Psychischer Stress gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Einflussfaktoren, was die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten betrifft. Stresszustände aller Art machen den Körper angreifbarer, weil sie das Immunsystem schwächen. Die Lockdowns ganzer Länder und die mediale Aufarbeitung der Corona-Pandemie bedeuten für den Großteil der Bevölkerung psychischen Stress. Angstzustände, Unsicherheit und innere Unruhe sind seit Ausbruch der Pandemie verbreitet – mit entsprechend negativen Folgen für die persönliche Immunlage. Auch in dieser Hinsicht könnte CBD positive Auswirkungen haben.

Seit Jahren verbindet man entspannende und angstlösende Effekte mit dem Cannabinoid. Im Jahr 2011 legte eine Tier- und Humanstudien aus Brasilien beispielsweise nahe, dass CBD bei generalisierten Angststörungen Angstzustände reduziert. Zu ähnlichen Ergebnissen kam ein 2014 in der Daily Mail erschienener Bericht zu einer CBD-Studie der Vanderbilt University. Demnach sind die Cannabinoidrezeptoren des menschlichen Körpers an der Kampf-oder-Flucht-Reaktion beteiligt. So vor allem die Rezeptoren der limbischen Amygdala, auf die Cannabidiol erwiesenermaßen wirkt.

Inwieweit die stresslindernde Wirkung von CBD den Verlauf einer Corona-Erkrankung positiv beeinflussen könnte, steht noch zu überprüfen. Geraucht werden sollte die Substanz nach der Einschätzung der meisten Wissenschaftler lieber nicht. Stattdessen wird die orale Einnahme des Wirkstoffs empfohlen. Anders als eine Studie aus Frankreich zu Anfang der Corona-Pandemie nahelegte, sind Raucher vermutlich doch öfter von schweren COVID-19-Verläufen betroffen.

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