Wirksamkeit nachgewiesen – Auszeichnung für neue Erkenntnisse

In der Kinderheilkunde beruhen noch immer viele medikamentöse Therapien auf Erfahrungswerten. Denn der allgemein anerkannte Wirksamkeitsnachweis durch klinische Studien fehlt meistens. Doch diese sind wichtig, um die Behandlungsqualität zu sichern. Eine dieser Lücken konnte Dr. Ulrike Uhlig (Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin) schließen. Sie wies im Rahmen einer Studie nach, dass der Wirkstoff Dimenhydrinat bei Kindern mit Gastroenteritis die Erbrechensfrequenz senkt, jedoch keinen Einfluss auf die Flüssigkeitsaufnahme hat. Für diese Erkenntnis wird sie von der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit dem Wilhelm-Roux-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Zwei Mal im Jahr ehrt die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit einem akademischen Festakt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an der Einrichtung habilitiert beziehungsweise promoviert haben. Am Donnerstag, 11. November 2010, überreicht der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Gekle, an sieben Habilitanden und 64 Promovenden (36 weiblich, 28 männlich) ihre Urkunden. Vier Mal konnte die höchste Note „summa cum laude“ („mit höchstem Lob“) vergeben werden.

Den Festvortrag hält der ehemalige Dekan, Professor Dr. Stephan Zierz (Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Neurologie), über das Thema: „Aus den Anfängen der Medizinischen Fakultät: Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl“ Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr in der Aula der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Universitätsplatz 10, Löwengebäude), dabei wird auch der Wilhelm-Roux-Förderpreis an Dr. Ulrike Uhlig vergeben. Neben den Habilitanden und Promovenden ehrt die Medizinische Fakultät außerdem vier Mediziner, die vor 50 Jahren promoviert haben („goldenes Doktorjubiläum“). Die Pflegedienstdirektorin des Universitätsklinikums Halle (Saale), Dipl.-Pflegewirtin Susann Krasemann, verleiht zudem den Elsbeth-Heise-Pflegepreis 2009/2010.

Zur wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Ulrike Uhlig: Etwa der Hälfte der Kinder mit Gastroenteritis und Erbrechen wird im ambulanten Bereich das Mittel Dimenhydriant verschrieben. Doch die medikamentöse Behandlung findet ohne spezielle pädiatrische Zulassung statt – wie bei den meisten Medikamenten, die ihren Einsatz bei Kindern finden, denn klinisch kontrollierte Studien fehlen. Die heutige Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin initiierte eine prospektiv randomisierte Studie ein. In dieser Studie konnte nachgewiesen werden, dass das Medikament die Erbrechensfrequenz signifikant senkt. Zudem sei das Medikament gut verträglich, habe aber keine positiven Effekte auf Krankheitsdauer. Bei der Gastroenteritis handelt es sich um die zweithäufigste Infektionskrankheit bei Kindern. In der Anfangsphase tritt häufig Erbrechen auf. Das untersuchte Medikament wird in Deutschland Kindern etwa eine Million Mal im Jahr verschrieben.

Die 34-jährige Kinderärztin und Mutter zweier Kinder stammt aus Baden-Württemberg und studierte in Tübingen Medizin. Seit Dezember 2007 arbeitet sie an der halleschen Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- Jugendmedizin. Zuvor war sie am Universitätsklinikum Leipzig beschäftigt und startete dort auch die nun ausgezeichnete Studie. Sie freut sich sehr über die Auszeichnung und betont, dass die multizentrische Studie das Ergebnis einer ausgezeichneten Zusammenarbeit in einem Team darstellt.

Aus privaten Gründen verlässt Ulrike Uhlig Anfang kommenden Jahres Halle in Richtung Universität Oxford. Der Dekan der halleschen Medizinischen Fakultät, Professor Michael Gekle, bedauert dies zwar, sieht darin aber auch einen Beweis, dass die hallesche Universitätsmedizin sehr gute und gefragte Nachwuchswissenschaftler ausbildet.

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