Wirbelsäulen-Operationen: Neurochirurgen definieren Anforderungen an ärztliche Zweitmeinung

Dabei stehen die körperliche Untersuchung und fachliche Qualifikation im Mittelpunkt, wie Experten auf der Pressekonferenz des 133. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) erläuterten.

In den Jahren 2005 bis 2011 ist die Zahl verschiedener Eingriffe an der Wirbelsäule sprunghaft angestiegen. Dies hatte eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, ob bei Rückenbeschwerden mitunter zu schnell oder zu umfangreich operiert wird. Im Jahr 2014 weist das statistische Bundesamt 285.000 Operationen im vollstationären Bereich aus, Belegkliniken nicht mitgezählt. Darunter fallen etwa Operationen zur Entfernung von ausgetretenem Bandscheibenmaterial, der Einsatz von Spreizern oder Bandscheibenprothesen und Versteifungen an der Wirbelsäule.

„Die Neurochirurgen begrüßen Verfahren, die Patientensicherheit und Versorgungsqualität erhöhen“, sagt Professor Dr. med. Gabriele Schackert, Präsidentin der DGCH und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Dresden. Das Zweitmeinungsverfahren sei ein mögliches Instrument. „Operationen an der Wirbelsäule machen einen substanziellen Teil der neurochirurgischen Tätigkeit aus“, betont Professor Dr. med. Walter Stummer, Vizepräsident der DGNC. Die Neurochirurgen nehmen jetzt Stellung, welche Anforderungen die Zweitbegutachtung aus Expertensicht genügen sollte.

Ein zentraler Punkt, den ein Zweitmeinungsverfahren erfüllen muss, ist die körperliche Untersuchung und Befragung durch den Arzt. Die Begutachtung von Röntgenbildern allein ist aus Sicht der Neurochirurgen in keinem Fall ausreichend, um eine Entscheidung für oder gegen einen Wirbelsäuleneingriff zu treffen. „Veränderungen an der Wirbelsäule, die man im Röntgenbild sieht, müssen nicht zwangsläufig für Rückenbeschwerden verantwortlich sein“, so Stummer. Ob ein Zusammenhang besteht, kann der Arzt nur durch eine Untersuchung klären, bei der er die Nervenfunktionen des Patienten prüft. „Erst in der Zusammenschau von Bildgebung, Beschwerden und körperlicher Untersuchung ist ein Urteil möglich“, sagt der DGNC-Vizepräsident.

Das führt automatisch zur Frage der ärztlichen Qualifikation des Zweitmeinenden. „Er muss sowohl die neurochirurgisch-operativen Techniken zur Therapie von Wirbelsäulenproblemen kennen als auch den Überblick haben über konservative Behandlungsverfahren wie Schmerz- und Physiotherapie“, erläutert Stummer. „Dazu gehört die Kenntnis von Risiken und Erfolgsaussichten jedes einzelnen Verfahrens, aber auch das Wissen, wann welche Methode in Frage kommt und wann nicht.“

Schließlich müsse die zweite Begutachtung zeitnah erfolgen, betont der Neurochirurg. Denn schmerzgeplagten Patienten dürften keine unnötigen Behandlungsverzögerungen zugemutet werden. „Wir brauchen also ein Zweitmeinungssystem ohne unangemessene Wartezeiten“, erklärt Stummer. Ein solches System setzt eine angemessene finanzielle Vergütung voraus. „Nur so kann sichergestellt werden, dass eine wirklich neutrale und zügige Einschätzung erfolgt“, sagt Gabriele Schackert.

Diesem Ziel würde man im Übrigen sehr viel näher kommen, wenn belastbare Daten vorlägen, die chirurgische und konservative Therapien vergleichen. „Wir Neurochirurgen fühlen uns daher weiter wissenschaftlichen Untersuchungen verpflichtet“, so Schackert. „Solche Studien sollten mit hoher Dringlichkeit unterstützt werden.“

Weitere Infos: .

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Pressekonferenz anlässlich des
133. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
Termin: Donnerstag, 28. April 2016, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: CubeClub, Ebene 1, Westfoyer im CityCube
Anschrift: Messedamm 26/Ecke Jafféstraße, 14055 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:

++ Kommerzialisierung in der Medizin – ist das der Weg der Zukunft?
Professor Dr. med. Gabriele Schackert
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH); Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Dresden

++ Rätsel um den undichten Darm gelöst: Störungen im Mikrobiom verursachen Komplikationen nach Magen-Darm-Operationen
Professor Dr. med. Dietmar Lorenz
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV) 2015/2016; Direktor und Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie,
Sana Klinikum Offenbach

++ Besseres Überleben nach Operationen in zertifizierten Lungenkrebs-Zentren
Dr. med. Gunda Leschber
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT); Chefärztin der Klinik für Thoraxchirurgie, Evangelische Lungenklinik Berlin

++ Lebensbedrohliche Entzündung des Brustbeins nach Herzoperationen: neue Heilungsmöglichkeiten durch Gewebetransplantationen aus Oberschenkel oder Körperstamm im interdisziplinären Chirurgen-Team
Professor Dr. med. Raymund Horch
Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC); Direktor der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik, Universitätsklinikum Erlangen

++ Langzeitergebnisse nach Korrektur angeborener Fehlbildungen
Privatdozent Dr. med. Jens Dingemann
Zentrum Kinderchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover

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Pressekonferenz anlässlich des
133. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
Termin: Freitag, 29. April 2016, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: CubeClub, Ebene 1, Westfoyer im CityCube
Anschrift: Messedamm 26/Ecke Jafféstraße, 14055 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:

++ Frauen in der Medizin – ist die Führungsetage immer noch für Männer reserviert?
Professor Dr. med. Gabriele Schackert
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH); Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Dresden

++ Erfolgreiches Patienten-Engagement: In diesem Jahr soll das Bauchschlagader-Screening für Männer ab 65 kommen
Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen
Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG); Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie und des Universitären Wundzentrums, Universitätsklinikum Frankfurt am Main

++ Innovationen in der Chirurgie – wovon können die Patienten profitieren? Bilanz des Chirurgenkongresses
Professor Dr. med. Dr. h.c. Norbert Senninger
Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV); Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Universitätsklinikum Münster

++ Aktuelle Abbildung ärztlicher Leistungen: Stand zur Novellierung der GOÄ
Professor Dr. med. Dr. h. c. Hans-Joachim Meyer
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Berlin; Präsident des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), Berlin

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Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Anne-Katrin Döbler, Kerstin Ullrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641
Telefax: 0711 8931-167
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