„Wir wollen die Pflege zur Profession ­machen“

Bielefeld (fhb.) Der Anlass für die Einladung von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, durch den Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit der Fachhochschule (FH) Bielefeld war ein sehr konkreter: Die duale hochschulische Ausbildung von Pflegekräften soll erhalten bleiben und auf die gestiegene Nachfrage nach Fachlehrern für Pflegeschulen soll reagiert werden. An dem Austauschtreffen am Donnerstag, 30. August, nahm neben dem Minister außerdem der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, teil.

Die FH Bielefeld bildet seit 1996 Lehrkräfte in der Pflege und seit 2010 im Modellstudiengang „Gesundheits- und Krankenpflege“ akademischen Nachwuchs aus. Der Master Berufspädagogik Pflege und Therapie ermöglicht den Absolventinnen und Absolventen außerdem den Zugang zu Berufsfachschulen. Beides sind wichtige Bestandteile, um auf den Fachkräftemangel in der Pflege zu reagieren. Die Präsidentin der FH Bielefeld, Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, betonte die Bedeutung der akademischen Ausbildung in der Pflege und damit die Aufgabe, die die FH Bielefeld leistet, „hätten wir diese Ausbildung in Deutschland nicht, würde wir schon bald im europäischen Vergleich schlecht dastehen“.
Ebenfalls an dem Informationsaustausch beteiligt war Professorin Dr. Änne-Dörte Latteck, Studiengangsleiterin des dualen Studiengangs „Gesundheits- und Krankenpflege“. Sie verdeutlichte, dass derzeit 0,7 Prozent aller Personen, die eine pflegerische Ausbildung machen, diese an einer Hochschule absolvieren. Wird nun der duale Modellstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege weder weiterentwickelt noch weiter gefördert, „geht viel Potenzial für die Pflege verloren“, so Professorin Latteck.
Professorin Dr. Beate Klemme, Prodekanin des Fachbereichs Wirtschaft und Gesundheit, beschrieb weitergehend die Situation der Lehrerbildung: „Jedes Jahr bewerben sich mehr Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen als wir Plätze anbieten können. Wir müssen also immer einem Teil der Studierenden eine Absage erteilen.“
Beschreibungen wie diese trafen bei Minister Laumann auf offene Ohren. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, dass alle Menschen, die in NRW einen Beruf in der Pflege ergreifen wollen, einen Ausbildungsplatz erhalten. Hierzu machte er deutlich: „Bielefeld ist in der Fachlehrerausbildung für die Pflege sehr gut aufgestellt, das muss entsprechend ausgebaut werden. Zum notwendigen Ausbau führe ich deshalb derzeit Gespräche mit dem zuständigen Wissenschaftsministeriums.“ Er betonte, an einer dualen Ausbildung der Pflege festzuhalten: „Wir wollen die Pflege zur Profession machen“. Des Weiteren vereinbarte der Minister mit der Hochschule zu prüfen, ob es einen nordrhein-westfälischen Weg geben kann, die Duale Ausbildung an den Hochschulen zu erhalten.
Dem konnte Staatssekretär Westerfellhaus nur zustimmen: „Der einstige Modellstudiengang muss jetzt verstetigt werden, zudem ist die Lehrerausbildung ein ganz wichtiger Baustein.“ Dekan Professor Dr. Uwe Rössler würdigte die Rolle von Laumann und Westerfellhaus in Bezug auf den Modellstudiengang und lobte deren Entscheidung: Beide hatten sich 2010 für den Modellstudiengangs engagiert.
Präsidentin Schramm-Wölk äußerte sich abschließend sehr positiv über den Besuch des Ministers und des Staatssekretärs: „Wir sind sehr glücklich, dass dieses Austauschtreffen stattgefunden hat.“ Am Vortag hatte sie vor dem Ältestenrat des Regionalrats der Bezirksregierung Detmold über die Pflege-Pläne ihrer Hochschule berichtet und dabei volle Rückendeckung durch den Ältestenrat erhalten. Diese Botschaft gab sie auch an die Gäste aus dem Ministerium und vom Bund weiter.

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