Wir leben alle in einer Welt!

Mit der heutigen Auftaktsitzung von „ehb.hilft“ startet die Evangelische Hochschule Berlin ihre hochschulweite Initiative zur Unterstützung der Arbeit mit und für Flüchtende/n. Die Initiative wurde im Sommer 2015 von den Studierenden Rafaela Kiene, David Gelhaar und Ronja Kindler aus dem Studiengang Soziale Arbeit gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die laufenden Initiativen zu bündeln und ein gut funktionierendes Netzwerk zur Unterstützung der ehrenamtlich Engagierten aufzubauen. Im gut gefüllten Audimax der Hochschule richtete sich Rektor Prof. Dr. Anusheh Rafi mit einer eindringlichen Rede an das Publikum. „Nicht erst vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Paris wird deutlich, wovor hier Menschen flüchten und in unserem Land Schutz suchen“, so Rafi. „Sie haben täglich Krieg und Terror erlebt und sind teilweise schwer traumatisiert. Dazu kommt die Gefahr, hier auch auf Ablehnung und Hass zu stoßen.“ Die Hochschule als Bildungseinrichtung für Gesundheit, Soziales und Pädagogik sowie als Haus in kirchlicher Trägerschaft stehe daher in der Verantwortung zu helfen und Angebote zu machen. „Wir müssen unsere vielfältigen Kompetenzen im Haus mobilisieren, staatliche und kirchliche Initiativen unterstützen sowie die Hochschule langfristig durch Bildungsangebote für Flüchtende öffnen“, so der Rektor. Dabei seien in erster Linie ehrenamtliches Engagement und auch unkonventionelle Maßnahmen gefordert. Es sei das Ziel, dass die gesamte EHB in ihrer Arbeit für Flüchtende an einem Strang ziehe.

Dafür wurden bei der heutigen Veranstaltung die bereits laufenden Projekte und Gruppen von und mit Beteiligung von Hochschulmitgliedern und Studierenden vorgestellt. In Kooperation mit der Nachbargemeinde „Zur Heimat“ organisiert Professorin Dr. Helga Hackenberg die Unterbringungen einer größeren Flüchtlingsfamilie im zurzeit leerstehenden Pfarrhaus. Bis Sommer 2016 können die Menschen dort eine Heimat finden. Studierende aus dem Studiengang Kindheitspädagogik arbeiten jeweils samstags im Erstaufnahmelager Moabit mit Kindern von Flüchtenden. Ihre pädagogische Kompetenz setzen sie z. B. in Form von spielerischer Sprachförderung ein. Zur Bewältigung der Erlebnisse arbeiten die Studierenden aus dem 6. Semester an anderer Stelle in Flüchtlingsunterkünften, um mit Methoden der Sinneswahrnehmung und mit Bewegungsangeboten die traumatisierenden Kinder zu unterstützen. Mathias Düring, Student im Studiengang Pflegemanagement, organisiert die Koordination von gesundheitsbezogenen Versorgungsangeboten in der Flüchtlingskirche in Kreuzberg, um nur einige Beispiele zu nennen. Das Koordinationsteam von ehb.hilft hat dabei die Aufgabe übernommen, alle Projekte der Flüchtlingsunterstützung zu bündeln und die Kommunikation zwischen Menschen, die Hilfe anbieten, und den einzelnen Gruppen und Initiativen zu kanalisieren. Dafür wurde unter anderem ein interner Hochschulverteiler eingerichtet.

Mittelfristig plant die Hochschule, Weiterbildungsmöglichkeiten für Helfer_innen in der Flüchtlingsarbeit anzubieten und die EHB als Studienort für Flüchtende zu öffnen. Diesbezüglich ist sie insbesondere mit der Alice Salomon Hochschule (ASH) und der Katholischen Hochschule für Sozialarbeit Berlin (KHSB) über mögliche Projekte im Gespräch. Der Studiengang Soziale Arbeit führt darüber hinaus ein zweisemestriges Projekt durch, das sich explizit mit dem Thema Flucht und Migration auseinandersetzt. Vorschläge, die Curricula aller Studiengänge dahingehend inhaltlich zu verstärken sowie eine generelle Reflexion über die Struktur der Institutionen, stehen dabei im Mittelpunkt. Es gilt, die Hochschulen zukünftig für eine Einwanderungsgesellschaft fit zu machen, so der programmatische Ansatz. „Denn auch wir müssen uns verändern, um mittelfristig in Studium und Lehre auf die tatsächlichen gesellschaftlichen Gegebenheiten reagieren zu können“, so die leitende Professorin Dr. Juliane Karakayali.

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