„Wir arbeiten Hand in Hand – immer zum Wohle unserer Patienten“

Die Zahl der Patienten mit Herz- und Lungenerkrankungen steigt. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) können derartige Erkrankungen – dank der engen Kooperation der kardiologischen, herzchirurgischen, pneumologischen und anästhesiologischen Kliniken – exzellent behandelt werden, zum Beispiel mit der temporären Entlastung der Herzkammern durch Herzunterstützungssysteme, dem dauerhaften Einsatz eines Kunstherzens bis hin zu einer Transplantation. „Wir arbeiten Hand in Hand – immer zum Wohle unserer Patienten“, betonen die Professoren Axel Haverich, Johann Bauersachs und Tobias Welte unisono. Oft kommt auch die Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zum Einsatz, ein in der modernen Intensivtherapie etabliertes Verfahren, das wie eine miniaturisierte Herz-Lungen-Maschine funktioniert. Der Vorteil: Die Patienten bleiben in vielen Fällen ansprechbar, obwohl die ECMO – teilweise oder vollständig – die Kreislauf- und Atemfunktion von Patienten übernimmt, deren Lungen und/oder Herzen sehr schwer geschädigt sind. Die MHH hat eine besondere Expertise auf diesem Gebiet.

All diese Verfahren werden Themen auf der diesjährigen Fortbildungsveranstaltung sein, die vom 3. bis 5. Juni 2016 im Hannover Congress Centrum (HCC) stattfinden wird. Zudem haben die Organisatoren auch den Namen angepasst. Aus der „Hannover Herz Messe“ wird die „Hannover Herz Lungen Messe“: Die beiden Herz-Kliniken der MHH haben sich einen dritten Partner ins Boot geholt: die MHH-Klinik für Pneumologie von Direktor Professor Dr. Tobias Welte. Damit wollen Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, und Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, das Angebot für Ärzte, aber auch für Patienten, erweitern.

Fortbildung für Fachleute und Laien

„Wir wollen unsere niedergelassenen Kollegen und die Ärzte anderer Kliniken über den neuesten Stand der Herz- und Lungenmedizin informieren“, sagt Professor Bauersachs. Dabei arbeiten sie eng mit den Bundesverbänden Niedergelassener Kardiologen und Pneumologen zusammen. „Und auch für Patienten und interessierte Laien bieten wir in diesem Jahr einen eigenen Informationstag“, ergänzt Professor Haverich. Am Sonntag, 5. Juni 2016, veranstaltet die „Hannover Herz Lungen Messe“ einen Patiententag. Von 9 bis 14 Uhr können die Gäste eine Gesundheitsausstellung im HCC besuchen. Von 10 bis 13 Uhr finden Vorträge zu den Themen „Vorhofflimmern: Welche Gefahren drohen, wie wird behandelt“, „Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)“, „Interventionelle Kardiologie sowie Herzchirurgie bei akutem Herzinfarkt“ sowie „Organspende“ statt.

Patienten profitieren von Expertise

Egon H. ist einer von vielen Patienten, die von der Expertise der MHH rund ums Thema Herz profitiert hat. Der heute 55-Jährige hatte 2007 eine Lungenentzündung. Der Tischler, der auf Norderney für die Strandkorbreparatur zuständig war, wurde vom Inselkrankenhaus nach Oldenburg verlegt. Schließlich kam er nach Hannover. Hier stellten die Ärzte fest, dass er an einer schweren Herzschwäche leidet. Auslöser war eine nicht erkannte Herzmuskelentzündung gewesen. „Mir ging es dann immer schlechter“, erinnert sich Egon H. Im Herbst 2014 litt er an einer schwersten Herzschwäche und konnte nur mit einer ECMO stabilisiert werden. Die MHH-Ärzte entschlossen sich, ihm ein Kunstherz zu implantieren. „Danach konnte ich sogar wieder Rad fahren“, sagt der Norderneyer. „Mittlerweile wurde unser Patient auf die Warteliste zur Herztransplantation genommen und wartet auf ein Spenderorgan“, betont PD Dr. Jan Schmitto aus der Klinik von Professor Haverich.

Egon H. ist zuversichtlich. „Das Kunstherz hat mir wieder Lebensqualität zurückgegeben. Nur baden oder an den Strand gehen, das geht nicht mehr.“ Für die Zeit nach der Transplantation hat er daher schon ein Ziel: „Endlich mal wieder in der Nordsee vor Norderney schwimmen.“

Patient Michael L. (49) verdankt den erfahrenen MHH-Herzspezialisten sein Leben. Anfang Oktober wurde der Busfahrer aus Wittingen im Kreis Gifhorn mit einem akuten Herzinfarkt ins nächstgelegene Krankenhaus eingeliefert. „Ich habe vorher sehr lange und stark gehustet, danach weiß ich nichts mehr“, erzählt Michael L. Der Intensivtransport in die MHH war nur mit der ECMO möglich. Das ECMO-Team der MHH machte sich auf den Weg, um den Patienten nach Hannover zu bringen. „Es war eine sehr dramatische Rettungsaktion, da es sehr schwierig war, den Patienten zu stabilisieren. In nur wenigen Stunden haben wir im Herzkatheterlabor nach der Ursache geforscht und bei einem Ultraschall über die Speiseröhre festgestellt, dass eine Herzklappe rausgerissen war“, berichtet Professor Dr. Andreas Schäfer, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, der den Patienten anschließend durch mehrere Operationen begleitete.„Wir konnten den Patienten auch nachher nur mit dem ECMO-System stabilisieren, um Herz und Lunge langsam wieder an die Arbeit zu gewöhnen“, betont Professor Bauersachs.

Michael L. ist seines Lebens wieder froh und hat große Pläne. Im Juni möchte er die Hochzeit mit seiner Freundin nachholen, wieder Busfahren und auf seine Harley Davidson steigen. „Ich bin sehr glücklich, dass es mir wieder gut geht. Ich komme jetzt nur noch hierher, egal wie weit es ist“, sagt er und hofft doch, dass es nicht mehr so schnell sein muss. Er achtet jetzt auf Bewegung und gesunde Ernährung und hat bereits mächtig abgenommen. Dafür gibt es gleich ein dickes Lob und einen Schulterklopfer von den MHH-Professoren.

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