Winziger Klebe-Sensor und Computerspiele fördern den Therapieerfolg bei kindlicher Schwachsicht

Mehr als fünf Prozent aller Kinder in Deutschland erkranken an Schwachsichtigkeit, der sogenannten Amblyopie. Die häufigsten Ursachen der Sehstörung sind Fehlsichtigkeit und Schielen, oft in Kombination. „Extrem wichtig ist eine frühe und konsequente Therapie der Amblyopie“, erläutert Professor Dr. med. Dorothea Besch, Leiterin der Klinischen Sektion für Motilitätsstörungen, periokuläre Chirurgie und Kinderophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Tübingen. „Ungefähr ab dem achten Lebensjahr sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich“, so Besch. Dann kann eine lebenslang reduzierte Sehschärfe auf einem oder beiden Augen zurückbleiben.

Die Behandlung der kindlichen Schwachsichtigkeit besteht aus dem Tragen einer Brille und dem Abdecken des besser sehenden Auges mit einem Pflaster, der sogenannten Okklusionsbehandlung. Ziel dieser Therapie ist, das schwachsichtige Auge zu stimulieren und so in seiner Sehfähigkeit zu trainieren. „Wie wir wissen, hängt der Behandlungserfolg stark von der Mitarbeit des Kindes und der Motivation durch die Eltern ab“, berichtet Besch. Doch bisher bestand keine Möglichkeit, die tatsächliche Tragezeit von Brille und Pflaster kontinuierlich und effektiv zu kontrollieren.

Das kann jetzt ein kleiner Sensor übernehmen, der an der Universitätsklinik Tübingen entwickelt worden ist und für die Dauer von drei Monaten auf Brillenbügel oder Pflaster geklebt wird. „Dieser Mikrochip misst zuverlässig die Tragezeit“, erläutert Besch. „Damit können wir objektiv die Therapiedauer erfassen und die Behandlung besser steuern“, so Besch. Aus Studien ist bekannt, dass die tatsächlich durchgeführte Okklusion in der Regel deutlich geringer ist als die vorgeschriebene. „Wenn aber diese Daten schwarz auf weiß vorliegen, können Eltern und Kinder klarer miteinander kommunizieren und die Therapietreue beispielsweise durch ein Belohnungsprogramm gezielt erhöhen“, erklärt die DOG-Expertin. „Es handelt es sich um eine einfache Maßnahme, die nicht wehtut, aber einen großen Effekt hat.“

Darüber hinaus testen Ophthalmologen derzeit neue Trainingsverfahren vor dem Computer, von denen auch schwachsichtige Erwachsene noch profitieren könnten. „Erste Erfahrungen machen Forscher etwa mit Computerbrillen, die das schwachsichtige Augen durch einen höheren Kontrast gezielt stimulieren“, berichtet Dorothea Besch. In der Erprobung ist auch das Computerspiel Tetris: Erwachsene können herabfallende Blöcke auf dem Display nur mit einem Auge, die am Boden passenden Quader mit dem jeweils anderen Auge sehen – ein erfolgreiches Spiel ist erst durch die Kombination der Bilder beider Augen möglich. „Durch die neuen Medien werden sich bald auch neue Therapiemöglichkeiten auftun“, ist DOG-Expertin Besch überzeugt.

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

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Terminhinweis:

Kongress-Pressekonferenz der DOG 2016
Termin: Donnerstag, 29. September 2016, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Estrel Congress & Messer Center Berlin, Raum Paris, Sonnenallee 225, 12057 Berlin

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Pressekonferenz im Rahmen der DOG 2016
Termin: Donnerstag, 29. September 2016, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Estrel Congress & Messe Center Berlin, Raum Paris (Erdgeschoss)
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

Themen und Referenten:

Volkskrankheiten am Auge: Rund 18 Millionen Deutsche sind betroffen – wo die Forschung besonderes gefordert ist
Professor Dr. med. Horst Helbig
Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG),
Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg

Volkskrankheit Kurzsichtigkeit: Wie schützen wir unsere Kinder davor – Kontaktlinsen, Atropin-Tropfen, Bildschirmverbot und mehr Licht in der Schule?
Professor Dr. med. Wolf Lagrèze
Leitender Arzt der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie und Schielbehandlung, Universitäts-Augenklinik Freiburg

Volkskrankheit Diabetes: Was der Augenarzt erkennen kann
Professor Dr. med. Gabriele Lang
Leiterin der Sektion konservative Retinologie und Laserchirurgie der Universitäts-Augenklinik Ulm

Volkskrankheit altersabhängige Makuladegeneration:
Zehn Jahre Injektionstherapie – Erblindungen auf dem Rückzug oder ein Tropfen auf den heißen Stein?
Professor Dr. med. Frank Holz
Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn

Neue Therapieentwicklungen bei erblich bedingten Netzhautschäden
Professor Dr. med. Eberhart Zrenner
Forschungsinstitut für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Tübingen;
Sprecher des Zentrums für Neurosensorik der Universität Tübingen;
Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille

Moderation: Anne-Katrin Döbler, Pressestelle DOG, Stuttgart

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Kontakt für Journalisten:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Kerstin Ullrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641
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