Winterzeit ist Grippezeit: Nierenärzte rufen zur Grippeimpfung auf

Grippe ist nicht ungefährlich. Die meisten Influenza-Todesfälle treten bei älteren Menschen auf, warnt das Robert Koch-Institut [1]. Vor allem über 60-Jährige haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Grippeerkrankung, für Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Herzschwäche und sorgen dafür, dass die Influenza bei ihnen tödlich endet. Betagtere Personen bringen zudem oft mehrere Grunderkrankungen wie chronische Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Leber- und Nierenkrankheiten mit. Diese gehen meist mit einem eingeschränkteren Immunsystem einher, das die tückischen Viren nicht mehr so leicht abwehren kann. Rund 20 Prozent der über 60-jährigen Personen und der chronisch kranken Patienten in Deutschland erleiden einen so schweren Grippeverlauf, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen [2].

Das gilt auch für Patienten mit chronischer Nierenkrankheit, die insgesamt viel häufiger auftritt, als man denkt: In Deutschland leben etwa 9 Mio. Menschen mit dieser Krankheit (10,4 Prozent der Frauen und 11,8 Prozent der Männer) – viele, ohne es zu wissen. Dialysepflichtig ist nur ein Bruchteil von ihnen – in Deutschland werden etwa 90.000 Patienten regelmäßig dialysiert und 25.000 Menschen leben mit einer Spenderniere.

Selbst eine leichtgradige Einschränkung der Nierenfunktion beeinträchtigt das Immunsystem und macht die Betroffenen anfälliger. Hinzu kommt, dass Nierenpatienten oft betagt und multimorbide sind. Eine Studie zeigte, dass sie die Patienten mit den komplexesten Krankheitsbildern sind [3]. Eine Schutzimpfung ist allein deshalb schon angeraten. Auch Patienten mit leichtgradiger Nierenfunktionseinschränkung haben ein erheblich erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen [4], zudem kommt es zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit in Abhängigkeit von der Nierenfunktion. Influenza ist eine relevante Ursache für Lungenentzündungen bzw. ein Wegbereiter für andere Erreger.

„Die Nierenfunktion sollte gerade bei Menschen im Seniorenalter regelmäßig vom Hausarzt überprüft werden“, betont DGfN-Präsident Prof. Dr. Andreas Kribben. „Liegt eine chronische Nierenkrankheit vor, raten wir dringend dazu, sich gegen Influenza impfen zu lassen.“ Auch die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung für diese Patientengruppe. „Es ist nur ein kleiner Nadelstich, der aber einen großen Schutz für die Patienten bietet.“ erklärt Prof. Kribben. Die Impfung kann der Haus- oder Facharzt (Nephrologe) durchführen. Der beste Zeitpunkt dafür ist Oktober oder November. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Mit der Kampagne „Grippe? Impfung!“ ruft die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) gemeinsam mit dem Bundesverband Niere e.V., der Deutschen Nierenstiftung (DNS), dem KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V., der gemeinnützigen Stiftung Patienten-Heimversorgung (PHV) und dem Verband Deutsche Nierenzentren (DN) e.V. dazu auf, die Grippeimpfung jetzt im Herbst wahrzunehmen. Die Aufklärungskampagne wird mit Plakaten und Flyern begleitet, die bei vielen Nephrologen ausliegen. Das Kampagnenmotiv zeigt eine 52-jährige, „echte“ Dialysepatientin unter einem Regenschirm. Sie steht zwar im Regen, ist dabei aber gut gelaunt, beschirmt und geschützt – auch dank der Grippeimpfung, zu der Regina E. andere Patienten mit chronischer Nierenerkrankung aufruft (siehe Begleittext).

Literatur
[1] https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html
[2] Influenza Wochenbericht Kalenderwoche 14/2018, AGI-Studiengruppe, Robert-Koch Institut. https:/ / influenza.rki.de/ Wochenberichte.aspx
[3] Marcello Tonelli et al. Comparison of the Complexity of Patients Seen by Different Medical Subspecialists in a Universal Health Care System. JAMA Netw Open. 2018;1(7):e184852. doi:10.1001/jamanetworkopen.2018.485
[4] Principi N, Esposito S; ESCMID Vaccine Study Group. Influenza vaccination in patients with end-stage renal disease. Expert Opin Drug Saf 2015; 14 (8): 1249-58

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