Wie wirkt der Klimawandel auf Nahrungsmittel und Ökosysteme?

Wie wirken sich die Erderwärmung und die gestiegene Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid auf Pflanzen, Böden, Mikroorganismen und Tiere aus? Wird sich die Funktionsweise unserer Ökosysteme, die Ernten sowie die Qualität unserer Nahrungsmittel ändern? Um diese Fragen zu diskutieren, tagen vom 26. bis zum 29. September 2016 rund 100 Klimaforscherinnen und -forscher an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Unter dem Motto „FACEing the Future – Food Production and Ecosystems under a changing climate“ treffen sich internationale Forscher, die mit sogenannten „Free Air Carbon Dioxide Enrichment (FACE)“-Systemen arbeiten. Die Anlagen ermöglichen es, Klimaänderungen im Freiland zu simulieren, wie eine erhöhte Kohlendioxidkonzentration und Lufttemperatur.

„Es wird wärmer, der Kohlendioxidgehalt der Luft steigt an – nicht nur in Hessen“, sagt Prof. Dr. Christoph Müller, Sprecher des Organisationskomitees der Tagung. „Basierend auf internationalen Erkenntnissen können wir Strategien entwickeln, um negative Folgen des Klimawandels zu minimieren.“ Ausgerichtet wird die Tagung von Gießener und Geisenheimer Forscherinnen und Forschern des Forschungsschwerpunktes „FACE2FACE“, der von der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert wird. Klimaforscherinnen und -forscher von Schweden über Deutschland bis Australien präsentieren während der Tagung neueste Ergebnisse und diskutieren zukünftige Forschungsfragen. Mehr als 70 Beiträge behandeln Themen vom Nährstoffkreislauf bis hin zur Emission von Treibhausgasen und von Schädlingen bis hin zur Nahrungsmittelqualität.

So beschäftigt sich ein Beitrag aus Geisenheim mit den Auswirkungen einer erhöhten Kohlendioxidkonzentration auf das Wachstum sowie die Qualität von Wein, während italienische Forscher die Qualität von Hartweizen sowie die Bissfestigkeit von Nudeln ausgewertet haben. Auch von den FACE-Anlagen der Gießener Universität werden neue Erkenntnisse präsentiert, etwa wie ein erhöhter CO2-Gehalt das Pflanzenwachstum im Grünland bei extremen Wetterereignissen beeinflusst.

Die Rolle der Klimapolitik beleuchtet Prof. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in dem öffentlichen Vortrag „Will the Paris Agreement Save the Planet?”. Das zwischen 195 Staaten getroffene Pariser Abkommen von 2015 setzt globale Ziele im Klimaschutz, unter anderem die durchschnittliche Erderwärmung unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu halten. Der Klimaforscher wird auch dazu Stellung nehmen, ob aktuelle Klimaschutzmaßnahmen der einzelnen Staaten ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Mojib Latif hat zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher verfasst und wurde 2015 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Zu seinem Vortrag am 26. September um 17 Uhr sind interessierte Bürger herzlich eingeladen. Der Vortrag wird wie die gesamte Tagung auf Englisch gehalten.

Neben dem Vortragsprogramm besichtigen die Forscher die Versuchsanlage der Justus-Liebig-Universität Gießen in Linden sowie die FACE-Systeme in Geisenheim. Solche Anlagen gibt es weltweit an mehr als 30 Standorten, etwa in der Schweiz, den USA, Italien oder Australien. „Das Konzept der FACE-Systeme ist nun über 35 Jahre alt“, sagt Prof. Stephen Long von der University of Illinois, der in Urbana (USA) mit FACE-Anlagen in Soja arbeitet und auf der Tagung spricht. „Nach wie vor sind sie die Methode der Wahl, um unter möglichst realistischen Bedingung den Klimawandel zu untersuchen und zu verstehen, wie die Ökosysteme der Zukunft funktionieren.“

Termin

Montag, 26. September, 15 Uhr, bis Donnerstag, 29. September, 16.30 Uhr, Neue Chemie, Heinrich-Buff-Ring 17-19, 35392 Gießen
Eröffnungsrede: 26. September, 16.30 bis 17 Uhr (Hörsaal C112, EG)
Öffentlicher Vortrag Prof. Mojib Latif: 26. September 16, 17 bis 18 Uhr (Hörsaal C112, EG)
Exkursion zur Freiluft-Versuchsanlage Linden: 28.09.16, 10 – 12.30 Uhr (Treffpunkt: Foyer)

Hinweise zur Teilnahme
Der Vortrag von Prof. Mojib Laitf ist öffentlich und kostenlos zugänglich. Journalisten sind während der gesamten Tagung herzlich willkommen und erhalten kostenlosen Zutritt. Die Tagungssprache ist Englisch. Ein ausführliches Programm und Informationen zur Tagung finden Sie unter http://www.face2face-conference.org/.
Bei Fragen zur Tagungsorganisation sowie für die Anmeldung als Journalist wenden Sie sich bitte an info@face2face-conference.org .

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Müller
Institut für Pflanzenökologie
Heinrich-Buff-Ring 26 (IFZ), 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-35300 (während der Tagung: 0641 99-14886, Tagungsbüro)
E-Mail: christoph.mueller@bot2.bio.uni-giessen.de

Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen¬schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).

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