Wie man früh erkennen kann, ob eine neue Krebstherapie das Leben verlängert

Mit neuen Therapien gegen Krebs sind immer große Hoffnungen verbunden. Doch ob neue Operationsmethoden, Medikamente oder Strahlenbehandlungen wirklich das Leben von Krebspatienten verlängern oder gar Heilung bringen, lässt sich meist erst nach jahrelanger Erprobung sicher beurteilen. Wissenschaftler suchen deshalb nach Ersatzkennzeichen, so genannten Surrogatendpunkten, die möglichst schnell nach Beginn einer Krebstherapie verlässlich vorhersagen können, ob die Behandlung einen Nutzen hat.

Ein heute veröffentlichter Rapid Report des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fasst den Stand dieser Suche für Brust- und Darmkrebs zusammen. Das Ergebnis ist zwiespältig. Einerseits gibt es einsatzfähige wissenschaftliche Methoden, um die Verlässlichkeit von Surrogatendpunkten (Surrogat = Ersatz) abzuschätzen. „Wir schlagen vor, diese Methoden in der frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln zu verwenden“, sagt Stefan Lange, der Stellvertretende Leiter des IQWiG.

Andererseits zeigt sich aber, dass diese Methoden zumindest bei Brust- und Darmkrebs bislang noch nicht systematisch eingesetzt wurden. „Bei diesen häufigen Krebsarten ist deshalb heute unklar, welche Surrogatendpunkte sich zur Vorhersage eines Nutzens eignen“, sagt Lange. Die Folge ist, dass Patientinnen und Patienten oft gar nicht wissen, welche Erfolgsaussichten eine bestimmte Krebsbehandlung bietet.

Vorhersagen für die Zukunft

Das Ideal sieht anders aus: Krebstherapien sollten in Studien belegt haben, dass sie das Leben verlängern können und gleichzeitig die Lebensqualität verbessern – oder zumindest nicht zu stark beeinträchtigen. Doch weil solche Studien oft Jahre dauern, werden Krebsmedikamente heute meist auf der Basis von Surrogatendpunkten zugelassen. Dabei wird zum Beispiel verglichen, bei wie vielen Patienten eine neue Therapie einen Krebs stoppt oder sogar schrumpfen lässt.

„Dass ein Krebs so zurückgedrängt wird, ist zwar ein gutes Zeichen“, sagt Lange, „es ist aber keine Garantie dafür, dass eine Therapie einen Nutzen hat.“ Beispielsweise kann das Medikament Avastin Brustkrebs bei einigen Frauen eine zeitlang zurückdrängen. Allerdings haben Wissenschaftler mittlerweile starke Zweifel, dass sich dadurch das Leben der Frauen verlängert. Angesichts der Nebenwirkungen, die Krebstherapien oft haben, kann man Patientinnen und Patienten Therapien ersparen, die keinen Nutzen haben.

Auswirkungen auf die frühe Nutzenbewertung

Das IQWiG geht davon aus, dass bei der frühen Nutzenbewertung von neuen Krebsmedikamenten oft nur Studien zu Surrogatendpunkten vorhanden sein werden. „Die Folge ist, dass Aussagen zu Nutzen und Schaden der neuen Arzneimittel mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sein werden“, sagt Lange: „Wir schlagen jetzt aber einen Weg vor, wie man diese Unsicherheit erfassen und mit ihr umgehen kann.“

Damit die Methoden zur Bewertung von Surrogatendpunkten wirklich greifen können, ist das Institut aber auf Vorarbeiten anderer Wissenschaftler angewiesen. Viele längst abgeschlossene Studien zu Krebstherapien ließen sich nämlich leicht dazu nutzen, den Zusammenhang zwischen Surrogatendpunkten und Nutzen für Patientinnen und Patienten systematisch zu untersuchen. „Es wäre ideal, wenn Firmen und Wissenschaftler ihre in den Schubladen liegenden Daten zu Surrogatendpunkten konsequent auswerten und die Ergebnisse veröffentlichen würden“, sagt Lange.

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