Wie kann man messen, ob sich Tiere gut fühlen?

Am Donnerstag, dem 23. April findet am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf (FBN) ein Innovationsforum „Tierwohl“ mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion statt, das Experten aus Wissenschaft, Politik und Land- und Ernährungswirtschaft zusammenbringt. Die Veranstaltung wird vom Bundesministerin für Bildung und Forschung unterstützt, die Teilnahme ist kostenfrei (s. Programm). Die Vertreter der Medien sind dazu recht herzlich eingeladen.

Ist der Stall groß genug, welche Temperatur ist die richtige, leiden die Tiere vor der Schlachtung, was löst Stress und Angst aus und welche Maßnahmen tragen zur Entspannung und Wohl der Tiere bei? Die große bislang ungeklärte Frage ist, wann fühlt ein Tier sich gut und wie kann man das messen? Der objektive Nachweis von Wohlbefinden erfolgt bisher zumeist auf Grundlage von subjektiven Kriterien und Erfahrungswerten. Auftretende Konflikte innerhalb der Wertschöpfungskette sind weitestgehend bekannt, aber bisher schlecht messbar, da geeignete Messsysteme fehlen.

Gleich mehrere Projekte am FBN verfolgen das Ziel, standardisierte und praxistaugliche Nachweissysteme zur objektiven Messung und Einschätzung des Tierwohls zu entwickeln. Zusätzlich sollen innovative Forschungsansätze und Erkenntnisse anderer Institute und die Erfahrung der Praxispartner in den Entwicklungsprozess mit eingebunden werden. Basis dafür ist ein Netzwerk aus Landwirten, Tiertransporteuren, Vertretern von Schlachthöfen, Lebensmittelherstellern und -händlern sowie des Verbraucherschutzes und der Politik, um einerseits geeignete Parameter zu finden und andererseits praxisgerechte technologische Produktideen zur Bestimmung von Bioindikatoren umzusetzen. Darüber hinaus geht es aber auch darum, geeignete Kooperationsformen für die Partner entlang der Produktions- und Lieferkette tierischer Produkte zu finden, um ein neues Qualitätsniveau in der Lebensmittelproduktion zu erreichen. Auf dem Innovationsforum „Tierwohl“ sollen Problemstellungen, Bedarfe und Innovationen innerhalb der Wertschöpfung unter die Lupe genommen, gemeinsam diskutiert und weitere Schritte besprochen werden.

Das FBN in Dummerstorf bei Rostock beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung, Entwicklung und dem Einsatz von Technologien zur Phänotypisierung von Nutztieren. Bei der Phänotypisierung werden vielfältige Methoden kombiniert, um Merkmale der individuellen Gestalt und des Stoffwechsels (Phänotyp) mit genetischen Bedingungen und der Umwelt in Beziehung zu setzen und so eine ganzheitliche Einordnung des Tieres zu ermöglichen. Diese wissenschaftliche Arbeit ist die Grundlage für das ambitionierte Vorhaben, das Tierwohl stärker in den Fokus einer Ressourcen schonenden Ernährungswirtschaft zu rücken und neue Maßstäbe im Umgang mit Nutztieren zu definieren.

Programm Innovationskongress „Tierwohl“ 2015
Donnerstag, 23. April 2015 · FBN Dummerstorf · Tagungszentrum

Begrüßung
11:00 Uhr – Prof. Klaus Wimmer, Stellvertretender Vorstand des FBN Dummerstorf
11:10 Uhr – Manfred Hempe, Bundesministerium für Bildung und Forschung
11:20 Uhr – PD Dr. Andreas Höflich, Projektleiter Innovationsforum, FBN Dummerstorf

Session 1
11:25 Uhr – Wohlbefinden bei Tieren – eine Einführung
Prof. Birger Puppe, FBN Dummerstorf – Institut für Verhaltensphysiologie
11:40 Uhr – Ist Tierwohl messbar?
Prof. Thomas Amon, Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.
12:00 Uhr – Ergebnisse der Pilotstudie und des Demonstratorprojektes
Dr. Elisa Wirthgen, FBN Dummerstorf – Institut für Genombiologie

Session 2
12:50 Uhr – Endokrinologische Biomarker für Tierwohl
Marie Meyerholz, Tierärztliche Hochschule Hannover
13:05 Uhr – Datenerfassung im Schlachthaus
Florian Alex, VION Perleberg
13:20 Uhr – Projekt BRUVORI (Brunsthalsband)
Volker Röttgen, FBN Dummerstorf – Institut für Verhaltensphysiologie
13:30 Uhr – Herzfrequenzmessung mittels Fixiergurt
Dr. Jan Langbein, FBN Dummerstorf – Institut für Verhaltensphysiologie
13:40 Uhr – Aufruffütterung bei Schweinen
Dr. Christian Manteuffel, FBN Dummerstorf – Institut für Verhaltensphysiologie
13:50 Uhr – Die Verbraucher sind Schuld – eine Meinung
Dr. Christian Manteuffel, FBN Dummerstorf – Institut für Verhaltensphysiologie
14:00 Uhr – Umfrage zum Thema Tierwohl
Björn Hackbarth, engage AG Karlsruhe
14:10 Uhr – Die elektronische Nase
Lars Krüger, Gensoric GmbH Rostock
14:15 Uhr – Data mining
Dr. Silke Trißl – FBN Dummerstorf – Institut für Genetik und Biometrie
14:25 Uhr – Cognitive bias
Dr. Sandra Düpjan – FBN Dummerstorf – Institut für Verhaltensphysiologie
14:35 Uhr – Innovative Legehennenhaltung
Hubertus Heinemann, Gut Rosengarten Garz/Rügen
14:50 Uhr – Trächtigkeitsbestimmung mittels Pregnancy Associated Glycoproteins (PAG) – Einsatzmöglichkeiten zur Verbesserung des Tierwohles?
Dr. Janna Engelke, Tierärztliche Hochschule Hannover
15:00 Uhr – Tierwohl in der Kälberaufzucht – ein Thema?
Prof. Steffi Wiedemann, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – Institut für Tierzucht und Tierhaltung

Session 3
15:45 Uhr – Innovativer Stallbau zum Wohle des Tieres
Heinrich Ganseforth, A.G. Stalltechnik und Genetik GmbH Heede (Ems)

16:45 Uhr – P o d i u m s d i s k u s s i o n

Moderation: Carsten Klehn, Wirtschaftsjournalist

Prof. Klaus Wimmer, Stellvertretender Vorstand des FBN Dummerstorf
Prof. Steffi Wiedemann, CAU zu Kiel – Institut für Tierzucht und Tierhaltung
Lars Krüger, Gensoric GmbH Rostock
Dr. Jörg Brüggemann, LMS Agrarberatung GmbH Rostock

17:45 Uhr – Förderungs- und Weiterführungsmöglichkeiten
Lars Krüger, Gensoric GmbH Rostock
17:55 Uhr – Schlussworte
Dr. Andreas Höflich, Projektleiter Innovationsforum, FBN Dummerstorf
Anschließend Führung durch ausgewählte Bereiche des FBN für Interessierte

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.

Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen, u. a. in Form der Wissenschaftscampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.

Fotos: FBN
Viele wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass stressfreie Haltungsbedingungen die Produktionsleistungen erheblich verbessern. Aber wie kann man den Wohlfühlfaktor bei Tieren messen?

Weitere Informationen

Anmeldung und Programm

Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Institut für Genombiologie
PD Dr. Andreas Höflich
T +49 38208-68 744
E hoeflich@fbn-dummerstorf.de

Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Wissenschaftsorganisation Dr. Norbert K. Borowy
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
T +49 38208-68 605
E borowy@fbn-dummerstorf.de

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