Wie entsteht eigentlich medizinisches Wissen?

„Das Symposium wird einen umfassenden Einblick in die Bandbreite des Spannungsfeldes von Medizin, Medizingeschichte, Medizinethik und moderner Gesellschaft ermöglichen“, sagt Prof. Fangerau, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm und Sprecher des Zentrums Medizin und Gesellschaft. „Dazu gehören die großen medizinethischen und -historischen Fragen ebenso wie etwa auch die Regionalgeschichte der Medizin: So wird die Ulmer Nachwuchswissenschaftlerin Maria Schmitz beispielsweise ihre Erkenntnisse zum Funden- und Waisenhaus der Freien Reichsstadt Ulm präsentieren.“

Warum passt das Symposium so gut in die heutige Zeit? Die Medizin steht aktuell vor der Aufgabe, sich in einer Gesellschaft verorten zu müssen, die mit den Nachwirkungen und Spätfolgen der Industrialisierung, der Moderne und der informationellen Revolution ringt. „Das im Juni 2009 gegründete „Zentrum Medizin und Gesellschaft“ der Universität Ulm, das vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin koordiniert wird, hat sich die Aufgabe gestellt, für die hieraus resultierenden Gegenwartsprobleme der Medizin und des Gesundheitswesens ein Forum für Austauschprozesse über alle wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg zu sein“, erläutert der Politikwissenschaftler Sebastian Kessler, verantwortlicher Koordinator des neuen Zentrums. Das Ulmer Symposium und die damit verbundenen offenen Diskussionen und Erkenntnisgewinne seien wichtige Schritte auf diesem Weg.

„Wie entsteht eigentlich medizinisches Wissen? Wer sagt eigentlich, dass Vollkornbrot gesund ist? Was ist überhaupt die medizinische Wahrheit? Welche medizinischen Folgen hat soziale Ungleichheit? Das sind nur einige Fragen, die beispielhaft deutlich machen, dass auf dem Symposium ganz grundlegende Fragen im Grenzbereich von Medizin und Gesellschaft behandelt werden“, verdeutlicht Prof. Fangerau das Konzept.
Weitere Beispiele aus dem Veranstaltungsprogramm: Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß aus Aachen widmet sich dem Thema „Tod und toter Körper. Der Wandel im Umgang mit der menschlichen Leiche“. PD Dr. Walter Bruchhausen (Bonn) referiert zu „Export-Import von Medizin und Medizinern. Deutsch-deutsches Engagement zur Gesundheit in Entwicklungsländern“. Das Thema von Prof. Dr. Irmgard Müller (Bochum) lautet „Trügerische Analogien. Zur Wechselwirkung von Sehen und Wissen, Beobachten und Darstellen in der Geschichte der Medizin“. Und Prof. Dr. Jörg Vögele (Düsseldorf) trägt seine Erkenntnisse zur „Säuglingsfürsorge und die Entwicklung der Säuglingssterblichkeit in Deutschland während des 19. und 20. Jahrhunderts“ vor.
Prof. Heiner Fangerau fasst zusammen: „Wir thematisieren mit diesem Symposium die brisantesten Forschungsfragen unserer Zeit. Die Region darf sich auf eine deutschlandweit herausragende Tagung freuen, die sich aktuelle medizinische und gesellschaftliche Themen auf ihre Fahnen geschrieben hat.“
(idw, 09/2010)

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