Wie „bio“ und nachhaltig ist Bambusgeschirr? – Lebensmittelchemikertag in Dresden

In einem öffentlichen Abendvortrag berichtet Professor Dr. Ulrich Nöhle, Technische Universität Braunschweig, mit einem Augenzwinkern davon, wie sich das Berufsbild der Lebensmittelchemiker in den letzten 40 Jahren verändert hat.

Aus unserem Alltag sind sie nicht mehr wegzudenken: Mehrwegbecher aus Bambusfasern lösen Einweg-Coffee-to-go-Becher ab. Um Müll zu reduzieren, greifen Verbraucher zu den vermeintlich nachhaltigen Produkten, die laut Hersteller „100 % biologisch abbaubar“ oder zu „100 % aus Bambusfaser“ sein sollen. Dass durch solche Aussagen die Verbraucher getäuscht werden, zeigt Lydia Richter vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart. Denn die Bambusfasern werden mit einem Kunststoffharz-Bindemittel verfestigt, das nicht biologisch abbaubar ist. Zumeist handelt es sich um Melamin-Formaldehyd-Harz, das bis zu 60 % des Gesamtmaterials ausmachen kann. Damit gelten die Becher als Kunststoffgegenstände im Lebensmittelkontakt und müssen die spezifischen Grenzwerte einhalten, wie viel von einem Inhaltsstoff der Verpackung in das Lebensmittel übergehen darf. Allerdings wurden Bambusfasern bisher noch nicht von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet. Das CVUA hat daher einmal genauer geprüft, ob und unter welchen Umständen Bambusgeschirr die Grenzwerte von Formaldehyd und Melanin einhält.

Dem aktuellen Hype um neuartige Hanfprodukte mit Cannabidiol (CBD) ist Dr. Dirk W. Lachenmeier, CVUA Karlsruhe auf den Grund gegangen. Cannabidiol ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das in den letzten Jahren im Bereich der cannabishaltigen Nahrungsergänzungsmittel populär geworden ist. Konsumenten versprechen sich davon eine positive Auswirkung auf ihre Gesundheit. Bei einer Gefährdungsbeurteilung von CBD-Produkten geht es in erster Linie um den Gehalt des psychoaktiven Inhaltsstoffs Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC). Wie eine Untersuchung des CVUA zeigte, enthielten viele CBD-Nahrungsergänzungsmittel einen auffällig hohen THC-Gehalt. Die Ergebnisse legten nahe, dass bei der Herstellung von CBD-Produkten auch das chemisch eng verwandte THC mitangereichert bzw. unzureichend abgetrennt wird. Selbst bei der Aufnahme von nur einer Konsumeinheit wird der „Lowest observed adverse effect level“ (LOAEL) von 2,5 mg THC pro Tag überschritten und die Produkte wurden als nicht sichere Lebensmittel beanstandet.

Am ersten Tagungsabend gibt Professor Dr. Ulrich Nöhle, Technische Universität Braunschweig, einen Einblick in den beruflichen Alltag von Lebensmittelchemikern und wie sich dieser aus seiner Sicht in den letzten 40 Jahren verändert hat. Der öffentliche Abendvortrag mit dem Titel „Vom Kochknecht zum globalen Krisenmanager, von schlaflosen Nächten, Audit-Terrorismus und German Angst. Zeitreise eines Lebensmittelchemikers von 1979 bis 2019“ beginnt um 18:40 Uhr im Audimax der TU Dresden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt zum Abendvortrag ist frei.

Weitere Informationen zur Tagung unter https://www.gdch.de/lchtag2019

Die GDCh gehört mit rund 31 000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, den Gedankenaustausch auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie und deren Nachbardisziplinen zu fördern und fachliche Anregungen zu vermitteln. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft ist mit rund 3000 Mitgliedern die größte Fachgruppe in der GDCh.

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