Wettrüsten von Krankheitserreger und Medizin

Bei dem in China und kürzlich auch in den USA und Deutschland, nachgewiesenen Erreger handelt es sich um ein sogenanntes ESBL (Extended Spectrum Betalactamase)-bildendes Bakterium. Es bildet Substanzen, sogenannte Enzyme, durch die es gegen Antibiotika unempfindlich wird. Solche ESBL-positiven Bakterienstämme kommen – häufig auch zunächst völlig ungefährlich – im Darm und vereinzelt auf der Haut vor. „Erst im Rahmen einer Operation oder bei einer Immunschwäche kann eine Infektion entstehen“, sagt Professor Dr. med. Winfried Kern, Leiter der Infektiologie der Medizinischen Universitätsklinik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung tragen solche Erreger im Körper. „Wenn eine Resistenz gegen Carbapeneme, also Antibiotika mit breitem Wirkspektrum, vorliegt, gibt es kaum Möglichkeiten, einer solchen Infektion beizukommen“, so der Infektiologe. Auch Colistin, ein sehr selten verwendetes Reserve-Antibiotikum, wirke hier nicht mehr zuverlässig, bei den jetzt gefundenen Erregern gar nicht mehr. Erschwerend kommt hinzu: Die EBSL-bildenden Bakterien übertragen ihre Resistenz auf andere Bakterienstämme.

Langfristig schützen immer neue Antibiotika nicht gegen immer neue Keime, meint Kern: „Dieses Wettrüsten werden wir auf Dauer womöglich verlieren, die Keime finden immer neue Strategien, und durch weiter entwickelte Antibiotika bisheriger Art helfen wir ihnen sogar manchmal, neue Resistenz-Strategien zu entwickeln.“ Stattdessen gelte es, diese Resistenzen zu verhindern. Genau das will Antibiotic Stewardship (ABS) erreichen. Infektiologen und eigens geschulte ABS-Experten aus weiteren Disziplinen steuern den Antibiotikaeinsatz an der Klinik und dämmen so multiresistente Keime ein. „Multiresistente Bakterien sind eine grenzübergreifende Herausforderung, wir müssen ihr über Fach- und Landesgrenzen hinweg begegnen“, so Kern. Humanmedizin, Tiermedizin und Lebensmittelproduktion müssten dabei zusammenwirken. Außerdem wäre es ein großer und wirksamer Schritt, eine gemeinsame Strategie mit den europäischen Nachbarländern zu entwickeln. Von Ländern wie Frankreich und den Niederlanden könne Deutschland auch noch einiges lernen. Dort sind Kliniken gesetzlich verpflichtet, einen ABS-Experten zu beschäftigen.

„Im Rahmen unseres Kongresses versuchen wir unsere Forderungen bereits umzusetzen: Verschiedene Disziplinen und Bereiche der Human- und Tiermedizin aus Deutschland und anderen Staaten sind Gegenstand des wissenschaftlichen Programms“, sagt Professor Dr. med. Hartwig Klinker, Präsident des Kongresses. Entscheidend sei, dass es gelänge, dies auch im großen Maßstab umzusetzen. Über die Wirksamkeit von ABS und was darüber hinaus zur Bekämpfung multiresistenter Bakterien notwendig ist, informieren Experten bei der Pressekonferenz anlässlich des KIT 2016 in Würzburg.

Das Kongressprogramm und viele Informationen rund um den Kongress finden Interessierte auf .

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Terminhinweis:

Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Infektiologie und Tropenmedizin
Termin: Donnerstag, 16. Juni 2016, 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Congress Centrum Würzburg
Adresse: Turmgasse 11, 97070 Würzburg

Themen und Referenten

Tausende nicht entdeckte HIV- und Hepatitis-Infektionen
Wie gelingt eine rechtzeitige Diagnose, um wirksam zu behandeln?
Professor Dr. med. Hartwig Klinker
Kongresspräsident, Leiter der Infektiologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am Universitätsklinikum Würzburg

Wenn kein Antibiotikum mehr wirkt
Antibiotic Stewardship (ABS) als systematischer Schutz vor multiresistenten Erregern
Professor Dr. med. Winfried V. Kern
Leitender Arzt am Zentrum Infektiologie und Reisemedizin der Medizinischen Universitätsklinik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Viren, die alarmieren: Ebola, Zika und Lassa
Wie Infektiologen neuartige Viren bekämpfen und Epidemien vorbeugen
Professor Marylyn Addo
Leiterin der Sektion Tropenmedizin am Zentrum für Innere Medizin, I. Medizinische Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Den “Krankenhauskeim” finden, bevor er dem Patienten schadet
Perspektiven und Einsatzgebiete für MRE-Screenings
Professor Dr. med. Sebastian W. Lemmen
Leiter des Zentralbereichs Krankenhaushygiene und Infektiologie an der Universitätsklinik der Rheinisch-Westfaelischen Technischen Hochschule Aachen

Migranten: Mehr als eine infektiologische Herausforderung
Erfahrungen aus dem „Würzburger Modell“ der Flüchtlingsversorgung
Professor Dr. med. August Stich
Chefarzt der Tropenmedizinische Abteilung der Missionsärztlichen Klinik Würzburg

Moderation: Pressestelle KIT

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Kontakt für Journalisten:
13. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin
Kongresspressestelle
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457
Fax: 0711 8931-167

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