Wertschöpfungskette in der Gesundheitsforschung – neue Arbeitsgruppe des Forums Gesundheitsforschung

Diagnostische und therapeutische Innovationen sollen Patientinnen und Patienten künftig schneller erreichen. Bevor neue Erkenntnisse aus der Forschung die klinische Versorgung im Alltag verbessern, vergehen oft Jahre oder gar Jahrzehnte. Denn bis zur Marktreife müssen neue Produkte oder Verfahren komplexe Entwicklungsstufen (Wertschöpfungskette) durchlaufen. Dabei gibt es jedoch Hindernisse, die den Fortgang hemmen.

Um diese Innovationshemmnisse abzubauen, gründete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Forum Gesundheitsforschung jetzt die Arbeitsgruppe „Wertschöpfungskette“. Sie soll Hemmnisse im Wertschöpfungsprozess analysieren und Strategien für ihren Abbau entwickeln. Die Arbeitsgruppe konstituierte sich am 1. Juni 2016. Sie besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft, der Industrie und der Regulationsbehörden. Sie widmet sich zunächst zwei wichtigen Themen: „Validität und Qualität in Modellsystemen“ und „Präklinische Entwicklung und frühe klinische Studien“.

Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen verbessern

Gesundheitsforschung muss auf allen Stufen der Wertschöpfungskette hohe Qualitätsstandards erfüllen. Doch viele Laborergebnisse sind nicht reproduzierbar oder werden erst gar nicht veröffentlicht. Ein weiteres Hemmnis in der Wertschöpfungskette: Viele Therapieansätze werden im Tiermodell erfolgreich erprobt – doch häufig erweisen sie sich dann in Studien an Patientinnen und Patienten als weniger wirkungsvoll. Deshalb will sich die Arbeitsgruppe für eine bessere Qualität und Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen einsetzen.

Frühe klinische Studien – neue Herausforderungen für Akademia und kleine Unternehmen

Großunternehmen übernehmen Ideen aus der Forschung immer häufiger erst sehr spät, wenn der Erkenntnisgewinn schon weit vorangeschritten ist. Denn oft sind sie erst nach einem Wirksamkeitsnachweis am Menschen bereit, aufwändige klinische Studien zu finanzieren. So stehen Forscherinnen und Forscher an den Universitäten und Forschungseinrichtungen vor der Herausforderung, solche Nachweise selbst zu führen. Auf die dafür erforderlichen frühen klinischen Studien ist die Akademia jedoch oft nicht eingestellt – ebenso wie viele kleine und mittlere Unternehmen. Die Folge: Erfolgversprechende Ansätze in Diagnostik und Therapie können häufig nicht weiterentwickelt werden. Auch diese Innovationshürde gilt es abzubauen.

Weiterentwicklung der Gesundheitsforschung

Das Forum Gesundheitsforschung hat sich im November 2015 auf Initiative des BMBF konstituiert. Es führt erstmals die verantwortlichen Vertreter aller großen Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen zum Thema Gesundheitsforschung zusammen und ermöglicht einen systematischen, organisationsübergreifenden und kontinuierlichen Dialog zwischen den Akteuren. Dabei erarbeitet das Forum Vorschläge zur Weiterentwicklung der Gesundheitsforschung. Dem Forum gehören die fachlichen Spitzenvertreterinnen und -vertreter der deutschen Forschungsorganisationen auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung an: Wissenschaftsrat, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Fraunhofer Gesellschaft, Medizinischer Fakultätentag, Verband der Universitätsklinika Deutschland, Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft.

Die Geschäftsstelle des Forums Gesundheitsforschung ist beim DLR-Projektträger in der Abteilung Gesundheitsforschung angesiedelt.

Kontakt: Dr. Marianne Kordel (Marianne.Kordel@DLR.de )

Der DLR Projektträger hat sich auf Dienstleistungen zur Förderung von Forschung, Innovation und Bildung spezialisiert. Er arbeitet im Auftrag von Bundesministerien, der Europäischen Kommission, Bundesländern sowie Wissenschaftsorganisationen, Stiftungen und Verbände. Er berät zu politischen und einrichtungsbezogenen Strategien und Programmen, begleitet Forschungsfördervorhaben fachlich und administrativ, unterstützt den Wissenstransfer sowie die Verwertung von Forschungsergebnissen. Sein Themenspektrum reicht von Gesundheit, Gesellschaft, Bildung über Schlüsseltechnologien, Umwelt und Nachhaltigkeit bis hin zu europäischer und internationaler Zusammenarbeit. Als einer der größten Projektträger Deutschlands betreut er derzeit rund 9.500 Vorhaben und eine Milliarde Euro Forschungsgelder.

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