Wenn Kinder mit Diabetes erwachsen werden: Transitionsprogramme sichern Kontinuität der Behandlung

Wichtiges Ziel der Diabetes-Behandlung ist immer eine gute Stoffwechseleinstellung – denn so lassen sich diabetische Folgeschäden minimieren. „Gerade in den Jahren der Adoleszenz lässt die Blutzuckerkontrolle jedoch oft zu wünschen übrig“, sagt Dr. med. Silvia Müther, Leiterin des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche an den DRK Kliniken Berlin. Sowohl der Blutzuckerspiegel, als auch der HbA1c-Wert, der ein Maß für die Stoffwechsellage der vergangenen sechs bis acht Wochen darstellt, seien oft deutlich erhöht.

Dafür gibt es zum einen hormonelle Gründe: Sowohl das Wachstumshormon als auch Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol wirken auf den Blutzuckerspiegel. Zum anderen spielen aber auch alterstypische Verhaltensweisen eine Rolle, denn die Jugendlichen koppeln sich im Alltag zunehmend vom Rhythmus und der Tagesstruktur der Eltern ab. „Variierende Essenszeiten aber können für Menschen mit Diabetes ebenso zum Problem werden wie eine erlebnisorientierte Freizeitgestaltung mit spontanen körperlichen Aktivitäten“, sagt Müther. Zudem werde die Therapieumsetzung oft nicht mehr mit derselben Sorgfalt vorgenommen wie es noch unter Regie der Eltern der Fall war.

Vor diesem Hintergrund gestaltet sich der Wechsel von der pädiatrischen Betreuung in die Erwachsenenmedizin oft schwierig. „Anders als in der Pädiatrie wird in der Erwachsenenmedizin ein eigenverantwortlicher Umgang mit der Erkrankung vorausgesetzt, und auch die Transition selbst liegt bisher ganz in der Verantwortung der Patienten“, sagt Dr. med. Nikolaus Scheper, Tagungspräsident der Herbsttagung und 1. Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen. Das sei eine Überforderung; viele junge Leute verlören in dieser Zeit vorübergehend den Kontakt zur diabetologischen Spezialbetreuung – mit dem Risiko für Folgeschäden und Komplikationen. „Die DDG fordert daher seit längerem die Einrichtung spezieller Programme, die eine lückenlose Transition unterstützen.“

Das bislang einzige Programm dieser Art, das auch von den meisten Krankenkassen finanziert wird, ist das Berliner TransitionsProgramm. Hier kümmern sich Fallmanager um die jungen Patienten und begleiten sie durch die Transition. Der übernehmende Erwachsenendiabetologe erhält eine strukturierte Zusammenfassung der bisherigen Krankengeschichte. Wenn darüber hinaus noch Abstimmungsbedarf besteht, kann auch eine gemeinsame Sprechstunde mit dem Jugend- und dem Erwachsenendiabetologen stattfinden.

„Das Programm wird inzwischen bundesweit angeboten, Transitionsstellen mit eigenen Fallmanagement bestehen neben Berlin mittlerweile auch in Darmstadt, Augsburg und Aachen“, sagt Silvia Müther, die auch als Vorstandsvorsitzende des Berliner TransitionsProgramm e.V. fungiert. Außerdem stehe es nicht nur jungen Diabetes-Patienten offen, sondern auch Jugendlichen mit anderen chronischen Erkrankungen – denn auch für sie stelle die Transition eine hohe und manchmal gefährliche Hürde dar.

Terminhinweise:

Vorab-Pressekonferenz in Berlin
13. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Termin: Dienstag, 5. November 2019, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 0107
Anschrift: Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:

Herausforderung Transition: wenn Kinder mit Diabetes erwachsen werden
Dr. Nikolaus Scheper
Tagungspräsident Diabetes Herbsttagung 2019, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND), Facharzt für Allgemeinmedizin an der Praxis Dr. Scheper & Schneider & Veit, Marl
Dr. med. Silvia Müther
Leiterin des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche an den DRK Kliniken Berlin | Westend, Vorstandsvorsitzende Berliner TransitionsProgramm e. V.

Versorgung von Menschen mit Diabetes im Krankenhaus
Professor Dr. med. Monika Kellerer
Präsidentin der DDG, Chefärztin und Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin 1 am Marienhospital Stuttgart

Metabolisches Syndrom bei Kindern: Prävention und Therapie
PD Dr. med. Susanna Wiegand
Fachärztin für Kinderheilkunde und Leiterin des Bereichs Adipositas am Sozialpädiatrischen Zentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Kongress-Pressekonferenz in Leipzig
13. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Termin: Freitag, 8. November 2019, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Congress Center Leipzig
Anschrift: Seehausener Allee 1, 04356 Leipzig

Vorläufige Themen und Referenten:

Highlights der Diabetes Herbsttagung: Diabetes – mitten im Leben
Dr. Nikolaus Scheper
Tagungspräsident Diabetes Herbsttagung 2019, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND), Facharzt für Allgemeinmedizin an der Praxis Dr. Scheper & Schneider & Veit, Marl
Dr. Cornelia Woitek
Tagungssprecherin und -koordinatorin, Diabetologische Schwerpunktpraxis DDG & LÄK/Akademische Lehrpraxis der Universität Leipzig, Wurzen

Multimorbidität: wenn Krankheiten interagieren
Was ist bei der Therapie von Menschen mit Typ-2-Diabetes zu beachten?
Professor Dr. med. Baptist Gallwitz
Pressesprecher der DDG, Kommissarischer Direktor, Medizinische Klinik IV, Universitätsklinikum Tübingen

Für eine bessere Versorgung von Menschen mit Diabetes: dem Nachwuchsmangel in der Diabetologie entgegenwirken
Jonas Kortemeier
AG Nachwuchs der DDG, Arzt in Weiterbildung, Diabeteszentrum im OPZ in Iserlohn-Letmathe

Low Carb: Welchen Einfluss hat eine reduzierte Kohlenhydrataufnahme auf Diabetes?
Professor Dr. med. Diana Rubin
Oberärztin in der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie im Vivantes Humboldt-Klinikum, Berlin

13. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
„Diabetes – mitten im Leben“
Termin: 8. bis 9. November 2019
Ort: Congress Center Leipzig
Anschrift: Seehausener Allee 1, 04356 Leipzig

 

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