Weniger ist mehr: Richtiger Medikamenteneinsatz bei Senioren

Einem Drittel der Menschen ab 65 Jahren verschreiben Ärzte fünf oder mehr verschiedene Mittel zur täglichen Einnahme, wie ein jetzt veröffentlichter Arzneimittelreport zeigt. Das schafft besondere Probleme und Risiken, denen sich am 19. Juni Experten der Altersmedizin beim 6. Geriatrie-Symposium am Universitätsklinikum Jena widmen werden. „Wir werden umfassend das Thema der Polymedikation diskutieren“, erklärt Dr. Anja Kwetkat, Chefärztin der Klinik für Geriatrie am UKJ. Von Polymedikation sprechen Ärzte, wenn Patienten fünf und mehr Medikamente einnehmen. „Das ist besonders häufig bei älteren Patienten der Fall, bei denen mehrere, meist chronische Erkrankungen zusammenkommen“, so die Jenaer Geriatrie-Spezialistin.

Die Einnahme mehrerer Medikamente erfordert ein spezielles Augenmerk darauf, dass diese tatsächlich helfen und nicht im Gegenteil Schaden zufügen. „Bei der Polymedikation älterer Patienten ist die Gefahr groß, dass unerwünschte Nebenwirkungen und Interaktionen auftreten“, erklärt Anja Kwetkat. „Der alternde Organismus reagiert anders auf die Arzneimittel, unter anderem bedingt durch eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion. Das muss bei der Verordnung unbedingt berücksichtigt werden“. Ansonsten können sogar ernsthafte gesundheitliche Probleme entstehen, z.B. akute Verwirrtheitszustände und Stürze. Studien belegen, dass viele Krankenhauseinweisungen bei Hochbetagten auf Grund unerwünschter Arzneimittelwirkungen erfolgen.

Manchmal werden unerwünschte Wirkungen nicht erkannt sondern als neues gesundheitliches Problem fehlgedeutet und dann mit neuen Medikamenten behandelt, statt den vorhandenen Medikamentencocktail zu überprüfen. Ohnehin sind sehr komplexe Medikamentenpläne für die betagten Patienten schwierig zu befolgen, also jedes Medikament in der verschriebenen Dosis und zur richtigen Zeit einzunehmen. Auch Probleme beim Sehen oder in der Fingerfertigkeit spielen dabei eine Rolle. Gleichzeitig besteht aber nach wie vor für ältere Patienten auch das Risiko der Untertherapie. „Das richtige Maß ist leider nicht immer einfach zu finden und umzusetzen“, so Anja Kwetkat. „Die Sicherstellung einer adäquaten Arzneimitteltherapie ist aber ein Weg, Kosten im Gesundheitswesen zu senken bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung.“

Terminhinweis:
6. Geriatrie-Symposium „Polymedikation besser managen“
19. Juni 2013, Beginn: 16.00 Uhr, Rosensäle, Fürstengraben 27, 07743 Jena

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