Weniger grauer Star, weniger Demenz: Statine nicht nur gut für das Herz

Statine, die weltweit vielen Millionen Menschen zur Senkung der Blutfette verschrieben werden, standen in Verdacht, Grauen Star sogar verursachen oder zumindest begünstigen zu können. Jetzt kann offenbar Entwarnung gegeben werden. Die in Amsterdam vorgestellte Metanalyse umfasst Daten aus 14 Studien mit 2.399.200 Patienten. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 61 Jahre, die mittlere Behandlungsdauer 54 Monate. Die Reduktion des Katarakt-Risikos unter Statin-Therapie um 20 Prozent war signifikant. Wurde die Statinbehandlung schon bei jüngeren Patienten (ab 40) begonnen und länger durchgeführt, reduzierte sich das Risiko sogar um 50 Prozent, berichtete Prof. John B. Kostis vom Robert Wood Johnson University Hospital in New Jersey, USA.

„Es scheinen nun die Bedenken ausgeräumt zu sein, dass eine konsequente Statin-Therapie das Katarakt-Risiko erhöhen könnte“, sagt Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrum Berlin), Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). „Die Daten sprechen dafür, dass die Gefahr eines Grauen Stars sogar sinkt.“

Eine taiwanesische Forschergruppe untersuchte den Zusammenhang zwischen Statin-Einnahme und dem Auftreten von Demenzerkrankungen. Dabei zeigte sich, dass das Demenz-Risiko unter Statin-Therapie sinkt. Und das umso mehr, je höher ein Statin dosiert wird. Auch im Falle der Demenz waren in den letzten Jahren Befürchtungen laut geworden, dass diese unter Statintherapie vermehrt auftreten könnte.

Aus insgesamt etwa einer Million Versicherter der staatlichen taiwanesischen Krankenversicherung wurden vor mehr als zehn Jahren 57.669 Personen im Alter über 65 identifiziert und beobachtet. Von diesen entwickelten 5.516 eine Demenzerkrankung im Sinne der Studienkriterien, vaskulär bedingte Demenzen waren ausgeschlossen. Im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe verhielt sich das Demenz-Risiko umgekehrt proportional zur Statindosis: Je mehr Statin ein Patient nahm, desto geringer war sein Risiko, an einer senilen oder präsenilen Demenz zu erkranken. In der Gruppe mit der höchsten täglichen Statindosis betrug die Erkrankungswahrscheinlichkeit im Vergleich zu Personen, die überhaupt keine Statine nahmen, weniger als die Hälfte. Betrachtet man die Gesamtdosis, berücksichtigt also auch, wie lange Statine genommen wurden, so verkleinert sich das Risiko auf ein Drittel.

„Wir haben hier erstmals eine große Untersuchung zur Wirkung von Statinen auf das Demenzrisiko“, kommentiert der Pressesprecher der DGK, Prof. Dr. Eckart Fleck die Untersuchung. „Bemerkenswert ist auch, dass die vaskulären Demenzen in dieser Studie ausgenommen wurden. Denn gerade diese Erkrankungen werden ja durch Veränderungen an den Gefäßen verursacht und es wäre daher besonders naheliegend, dass sie durch Statine beeinflusst werden können. Der Ausschluss dieser Formen von Demenz verleiht der Studie noch mehr Brisanz.“

Quelle: ESC Abstract 833 – Statins prevent cataract: A meta analysis; ESC Abstract 1609 – The Statin Use and the Incidence of Dementia

Kontakt:
Pressesprecher der DGK
Prof. Dr. Eckart Fleck
E-Mail: presse(at)dgk.org
B & K Kommunikationsberatung, Dr. Birgit Kofler: Mobil: 0043 676 6368930;
Büro Berlin: 030 700159676

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8200 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

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