Weniger belastende Alternativen zur Herzklappen-Operation: Deutsches Aortenklappen-Register will wissen, wer profitieren kan

Mannheim, Donnerstag 8. April 2010 – Neue Herzklappen können jetzt auch über die Leistenarterie ("transfemoral") oder durch die Haut über die Herzspitze ("transapikal") implantiert werden, berichten Kardiologen und Herz-Chirurgen auf der 76. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) in Mannheim. Damit stehen innovative, für Patienten wenig belastende Alternativen zur herkömmlichen Herzklappen-Operation mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine (HLM) zur Verfügung.
Bei der neuen Methode wird zunächst die alte Klappe mittels eines Ballons gedehnt, um Platz für die neue zu schaffen. Diese auf einem Katheter montierte Klappe wird anschließend implantiert. Derzeit stehen diese Verfahren allerdings nur Hochrisiko-Patienten – also meistens alten Menschen – zur Verfügung, denen eine Operation mittels HLM am offenen Herzen nicht zugemutet werden kann. "Die Anzahl dieser Eingriffe hat im letzten Jahr rasant zugenommen, und es ist zu erwarten, dass die Zahl weiter steil ansteigt", so Prof. Dr. Christian Hamm (Ärztlicher Direktor der Kerckhoff-Klinik, Herz- und Thoraxzentrum, Bad Nauheim).

Vertretbares Risiko – doch noch keine systematischen Daten verfügbar

Prof. Hamm: "Aus ersten Patientenserien und Registern ist zu erkennen, dass dieser Eingriff bei diesen Hochrisiko-Patienten mit vertretbarem Risiko durchgeführt werden kann. Systematische, kontrollierte Studiendaten fehlen allerdings bisher." Deshalb haben die deutschen Fachgesellschaften für Kardiologie und für Herzchirurgie ein Register ins Leben gerufen, um die notwendigen Daten zu erheben, die für eine Einschätzung dieser Therapieform erforderlich sind. "In diesem Register werden alle operativen oder Katheter-gestützten Verfahren des Aortenklappen-Ersatzes lückenlos und systematisch erfasst", berichtet Prof. Hamm. "Dabei wird zurückgegriffen auf die Pflichtdaten der gesetzlichen Qualitätssicherung sowie zusätzliche Informationen im Langzeitverlauf." Das Register wird im Frühsommer beginnen können und voraussichtlich die umfangreichsten Daten zum Aortenklappen-Ersatz und Aortenklappen-Implantation weltweit sammeln.

Mehr als 12.000 Aortenklappen-Operationen mit HLM pro Jahr

Die zunehmende Lebenserwartung in den westlichen Industriestaaten geht mit einer wachsenden Häufigkeit von degenerativen Verengungen der Herzklappen ("Aortenklappen-Stenosen") einher. Der operative Ersatz der Aortenklappe unter Zuhilfenahme der Herz-Lungen-Maschine gilt seit vielen Jahren als Goldstandard mit niedrigem Sterblichkeitsrisiko und wird deshalb auch im höheren Lebensalter angeboten. Mit mehr als 12.000 Eingriffen pro Jahr ist dies in Deutschland die häufigste Operation am Herzen. Die beiden Alternativverfahren sind insbesondere für Patienten geeignet, denen eine Operation am offenen Herzen nicht zuzumuten ist.
Die HLM ist ein medizintechnisches Gerät, das die Pumpfunktion des Herzens sowie die Lungenfunktion für einen beschränkten Zeitraum ersetzen kann. Dabei verlässt das Blut über ein Schlauchsystem den Körper, wird mit Sauerstoff angereichert und wieder zurückgeführt.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher
Christiane Limberg, Pressestelle
Tel.: 0211 / 600 692 – 61; E-Mail: limberg@dgk.org
Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung
Pressezentrum am Kongress: 0049-(0)621-41065005; mobil 0043-676-6356775

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7000 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
(idw, 04/2010)

Scroll to Top