Weniger Antibiotika gezielt eingesetzt

Seit neuestem können Mediziner der Universitätsmedizin Greifswald auf übersichtliche Empfehlungen und ein webbasiertes Informationsportal zugreifen, die, abgestimmt auf die regionalen Bedingungen und exakt zugeschnitten auf die jeweils nötige Therapie, Empfehlungen für den Antibiotika-Einsatz geben. Diese Fokussierung verringert die Breite der angewendeten Antibiotika und damit die Gefahr unnötiger Resistenzbildungen. Zudem entstehen durch Skaleneffekte bei der Beschaffung der Medikamente Einsparpotenziale.

Die Empfehlungen werden regelmäßig überprüft und gegebenenfalls entsprechend der aktuellen Situation justiert.
„Ziel ist es, am Ende regional durchgehend abgestimmte Antibiotikaempfehlungen zu haben, die den Patienten durch die verschiedenen Versorgungsebenen – also Hausarzt, Klinik, Pflegeeinrichtung etc. – begleiten und die optimal auf die regionalen Besonderheiten angepasst sind“, erläutert Prof. Ralf Ewert, der das Teilprojekt maßgeblich betreut.

Das würde einen großen Schritt in Richtung einer regional abgestimmten Abwehrstrategie multiresistenter Erreger bedeuten. Innerhalb des HICARE-Verbundes wird bereits eine Ausweitung des Ansatzes vorbereitet.

Antibiotika zählen zu den weltweit am meisten verschriebenen Medikamenten. Seit ihrer Entdeckung vor knapp 100 Jahren helfen sie, die Menschheit von der Geißel bakterieller Infektionen zu befreien. Doch ihre breite Anwendung hat nicht nur positive Effekte. Durch unbedachten Umgang und ungezielten breiten Einsatz von Antibiotika haben einige Krankheitserreger eine Widerstandsfähigkeit entwickelt, so dass diese Infektionen zunehmend zu einem therapeutischen Problem werden, d.h. viele Infektionen sind wieder schwer heilbar.

Dieser fatalen Entwicklung wird verstärkt das sogenannte Antibiotic Stewardship entgegengesetzt. Grundanliegen ist das Bemühen für einen problembewussten und nachhaltig orientierten Umgang mit Antibiotika bei Medizinern und Patienten, um diese Medikamente langfristig als wirksame Therapieoption für den Patienten zu behalten.

Dabei stehen folgende Schwerpunkte im Vordergrund:

– Empfehlungen zur antiinfektiven Therapie und Prophylaxe (Auswahl, Dosierung, Applikation, Anwendungsdauer), abgestimmt auf die lokale Resistenzsituation
– Bewertung der lokalen Resistenzsituation gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG)
– Kontrolle des Antibiotikaverbrauchs in Zusammenarbeit mit der Apotheke
– Durchführung gemeinsamer Antibiotikavisiten (Therapeut, Infektiologe, Mikrobiologe, Hygieniker)
– Entnahme und Versand mikrobiologischer Untersuchungsmaterialien.

Programme, die mehrere Maßnahmen bündeln, haben einen besonders günstigen Einfluss auf Resistenz-, Kosten- und Verbrauchsentwicklung. Hier setzt auch HICARE an.

Das Verbundprojekt HICARE, das als Sieger im BMBF-Wettbewerb „Gesundheitsregionen der Zukunft“ mit 8,5 Millionen Euro von Bund und Land MV gefördert wird, erarbeitet über einen Zeitraum von vier Jahren regional abgestimmte, standardisierte und transferierbare Interventionsstrategien zur wirksamen Bekämpfung multiresistenter Erreger. Unter Federführung der Universitäten Greifswald und Rostock haben sich dafür mehr als 40 regionale und überregionale Partner (Kliniker, Forscher und Unternehmen aus Gesundheitsforschung, -versorgung und -wirtschaft) zusammengeschlossen.
Informationen zu HICARE-Aktionsbündnis und zum Symposium finden sich unter:

Projektbüro HICARE
c/o BioCon Valley GmbH
Robert Sington
Walther-Rathenau-Straße 49a
17489 Greifswald
T +49 (0) 3834-515-308
F +49 (0) 3834-515 102
E rs@bcv.org

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