Mädchen in Deutschland gegen krebserregende humane Papillomviren impfen

Impfung

Seit Mai 2007 empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) für Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren die HPV-Impfung, was höhere Quoten in den neuen Bundesländern zur Folge hat. Da ein bundesweites Monitoring der HPV-Impfquoten nicht existiert, haben Wissenschaftler des Robert Koch-Institutes in Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen diese Quoten aus bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten für das Ende des Jahres 2013 berechnet. In der Gruppe der 12-jährigen Mädchen hatten bundesweit weniger als ein Prozent die drei erforderlichen Immunisierungen erhalten. Bei den 17-Jährigen hatten 40 Prozent die komplette Impfung erhalten. Die Quoten steigen in den Altersgruppen linear an.

Höhere Quoten in den neuen Bundesländern.

Im Ländervergleich sind bei den 12-Jährigen Baden-Württemberg und Bremen die Schlusslichter – nur 0,3 Prozent der Mädchen sind dort jeweils vollständig geimpft. Am höchsten war die Quote in dieser Altersgruppe mit 2,2 Prozent in Sachsen-Anhalt. Bei den 17-Jährigen sind die Quoten in Bremen mit 30 Prozent am geringsten. In Mecklenburg-Vorpommern sind hingegen 59 von 100 Mädchen gegen eine HPV-Infektion geschützt.

Bayern ist Schlusslicht auf Kreisebene.

In der bayerischen kreisfreien Stadt Kaufbeuren konnten die Wissenschaftler in den Daten der 12-Jährigen kein einziges Mädchen identifizieren, bei dem die Impfung zumindest begonnen wurde. In 61 der 402 bundesweiten Kreise und kreisfreien Städte hatte keines der Kinder eine vollständige Impfung erhalten. Mehr als die Hälfte dieser Kreise liegen in Bayern. Im Unstrut-Hainich- Kreis (Thüringen) verzeichneten die Forscher mit 3,5 Prozent die höchste Quote vollständig geimpfter 12-jähriger Kinder.

Auch in der Gruppe der 17-Jährigen kommen die Schlusslichter aus Bayern: Im Landkreis Mühlendorf am Inn sind nur 13 von 100 Mädchen vollständig immunisiert. Demgegenüber glänzt der Kyffkäuserkreis in Thüringen mit einem Höchstwert von 70 Prozent.

Studie liefert Informationen für Empfehlungen.

„Die KV-Impfsurveillance bietet zeitnahe Informationen für die Überprüfung und Optimierung gegenwärtiger Impfempfehlungen und für gezielte Interventionen“, schreiben die Wissenschaftler. So haben die Daten einer vorausgegangenen Untersuchung aus dem Jahr 2014 die Entscheidung der Ständigen Impfkommission unterstützt, das empfohlene Impfalter auf neun bis 14 Jahre zu senken. In diesem Alterssegment genügen zwei statt drei Impfstoffdosen zur vollständigen Immunisierung. Außerdem können Ärztinnen und Ärzte die Vorsorgeuntersuchungen (U11 und J1) nutzen, um die HPV-Impfung anzubieten. „Dies kann sich positiv auf die Impfquoten auswirken“, hoffen die Forscher.

DIE STUDIE HPV-Impfquoten im Regionalvergleich: Eine Sekundärdatenanalyse aus der KV-Impfsurveillance. Thorsten Rieck, Marcel Feig, Ole Wichmann. Robert Koch-Institut, Fachgebiet 33 – Impfprävention.
Für Ihre Untersuchung hat das Wissenschaftler-Team des RKI vertragsärztliche Abrechnungsdaten der Jahre 2008 bis 2013 von 16 der insgesamt 17 Kassenärztlichen Vereinigungen ausgewertet. Das Team zog eine Stichprobe mit 1,13 Millionen Mädchen, die knapp die Hälfte (49%) der 12-17-jährigen Mädchen des Jahres 2013 repräsentiert. Erstmals wurden dabei die Impfquoten nach Altersgruppe und bis auf Kreisebene ausgewertet. Die Forscher berechneten sowohl die Quoten der angefangenen als auch die der abgeschlossenen Immunisierungen.

DER VERSORGUNGSATLAS www.versorgungsatlas.de ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Er wurde institutionalisiert als öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe. Die Analysen basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung und Arzneiverordnungsdaten in Deutschland und sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. Die Internet-Plattform steht aber auch anderen Forschergruppen zur Verfügung, die ihre Untersuchungen nach einem Peer-Review veröffentlichen können.

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