Wende stoppte Hormonpräparat – Tausenden Frauen kann jetzt mit neuem Medikament geholfen werden

Anfang November fand in Berlin im Rahmen des „13th World Congress on Controversies in Obstetrics, Gynecology & Infertility“ eine internationale Fachkonferenz mit 130 Endometriose-Experten von Argentinien bis China statt. Anlass war der Start der Europäischen Zulassung eines neuen Hormonpräparates zur Behandlung der Endometriose* bei der Frau. Endometriose ist die zweithäufigste, gutartige gynäkologische Erkrankung von Frauen. Das Krankheitsbild betrifft sehr viele Frauen in der Geschlechtsreife, ist mit teilweise sehr starken Beschwerden und häufig mit Kinderlosigkeit verbunden. Bislang gab es auf dem Weltmarkt keine befriedigende Behandlungsmethode, die nicht mit starken Nebenwirkungen verbunden war. Etwa sieben bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigem Alter leiden schätzungsweise an der rätselhaften Krankheit, deren Ursachen bis heute weitgehend unbekannt sind.

Bereits im Jahr 1984 hatte Prof. Günter Köhler, der Stellvertretende Direktor der Greifswalder Universitätsfrauenklinik, entdeckt, dass das Hormon Dienogest am besten zur Therapie geeignet ist. Anschließend wurde durch ihn die zu verabfolgende Dosis wissenschaftlich errechnet und die Substanz zusammen mit der Firma Jenapharm in Jena in Studien umfassend untersucht. Für diese Untersuchungen, die schon 1986 Gegenstand seiner Habilitation waren, hatte er bereits in der DDR zwei Wissenschaftspreise erhalten. Bedingt durch die Wende kamen die wissenschaftlichen Forschungen an dieser Substanz zum Stillstand und konnten patentrechtlich nicht mehr verwertet werden. Hinzu kam, dass die Ergebnisse der Greifswalder Forschungsgruppe im vereinten Deutschland zunächst nicht akzeptiert wurden. „Vor etwa zehn Jahren wurden die Untersuchungen über die Firmen Schering und später Bayer-Schering erneut aufgenommen und die in der Greifswalder Klinik erhobenen Daten in zahlreichen europäischen und nichteuropäischen Ländern noch einmal in ausgiebigen Studien überprüft“, erläuterte Prof. Günter Köhler. „Dabei konnten sämtliche Ergebnisse komplett bestätigt werden.“

Auf der Basis der neuen Untersuchungen erfolgte im Mai dieses Jahres in Deutschland die Zulassung von Dienogest unter dem Namen Visanne zur Behandlung der Endometriose. Die Expertenkonferenz in Berlin war der Auftakt der für Europa erteilten Zulassung. Die Genehmigung in Amerika soll in Kürze erfolgen. Auf dem internationalen Meeting hat der Greifswalder Wissenschaftler über seine langjährigen Erfahrungen mit dem Hormonmedikament berichtet. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat er weltweit die meisten Patienten mit Dienogest behandelt, verfügt gleichzeitig als einziger über Erkenntnisse in der Langzeitbehandlung und war dementsprechend ein gefragte Gesprächspartner. Für Köhler selbst ist es eine tiefe Befriedigung, dass nach so vielen Jahren und nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten seine Entdeckung nun doch noch vielen Tausenden Frauen Hilfe bringen kann.

*Endometriose
Endometriose ist eine gutartige Frauenkrankheit, bei der sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der inneren Höhle der Gebärmutter findet, zum Beispiel in der Gebärmuttermuskulatur oder ganz außerhalb der Gebärmutter in anderen Organen.
Das bei einer Endometriose verlagerte Gewebe nimmt wie die normale Gebärmutterschleimhaut am Menstruationszyklus teil und führt besonders während der Menstruation zu Beschwerden. Wesentliches Anzeichen der Endometriose ist daher eine schmerzhafte Regelblutung, begleitet durch schwere Krämpfe. Weitere bei Endometriose mögliche Symptome, wie Kreuzschmerzen und Blut im Stuhl oder im Urin, sind davon abhängig, in welchen Organen sich das verlagerte Gebärmuttergewebe befindet. Da die Symptome der Endometriose an den hormonellen Zyklus der Frau gebunden sind, verschwinden sie im Allgemeinen mit dem Erreichen der Wechseljahre.
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Ansprechpartner Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Direktor: Prof. Dr. med. Marek Zygmunt
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-65 00
E frauenklinik@uni-greifswald.de

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