Weltpremiere in der Kinderkardiologie Bad Oeynhausen

Als weltweit erstes Kind ist die 12-jährige Laura M. im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit einem neuentwickelten Stent behandelt worden. Die Schülerin litt an einer lebensbedrohlichen Ausweitung der Hauptschlagader (Aorten-Aneurysma). Den Einsatz des noch seltenen Stents verdankt Laura dem Leiter des Kinderherzkatheterlabors, Privatdozent Dr. Nikolaus Haas, der nach einem besonders schonenden Verfahren suchte, das eine dauerhafte Heilung verspricht.

Im HDZ-Zentrum für angeborene Herzfehler unter der Leitung von Prof. Dr. Deniz Kececioglu und Dr. Eugen Sandica werden alle eingewiesenen Fälle von einem Ärzteteam begutachtet. Als Alternative zu einer belastenden Operation am offenen Herzen entschied man sich, einen Stent in die Aorta einzubringen – mit Hilfe eines Herzkatheters. „In der Regel erholen sich die Patienten nach einem weniger zeitaufwendigen, invasiven Verfahren ohne Einsatz der Herz-Lungen- Maschine schneller“, sagt Prof. Kececioglu.

In Lauras Fall waren herkömmliche Stents aufgrund ihrer Größe und unzureichenden Flexibilität jedoch wenig geeignet. In Frage kam eine neue Entwicklung des sogenannten Multilayer-Stents. Der belgische Hersteller Cardiatis sagte eine einmalige Sonderanfertigung in passender Größe für die Schülerin zu, die innerhalb von sechs Wochen zur Verfügung stand. Der Multilayer-Stent wird auf eine spezielle Art aus einer Legierung von Chrom, Cobalt, Nickel und Molybdän gewebt und verspricht eine hohe Stabilität.
Ende November setzte Dr. Haas das spezialangefertigte Stentmodell erfolgreich ein. Bereits am dritten Tag durfte Laura das HDZ NRW verlassen. Mit der Gewissheit für sie und ihre Eltern, dass ihr Aorta-Problem nun wohl endgültig beseitigt ist. Nach einer Schonzeit von einem halben Jahr darf Laura auch wieder mit ihrer Mannschaft Handball spielen.

Der schnelle Heilungsprozess hängt mit den Eigenschaften des Stents zusammen. Er besteht aus einer zweilagigen Schicht in einer gitterähnlichen Flechtstruktur, die die Strömungsgeschwindigkeit in dem Aneurysma reduziert und damit den Druck aus der blasenförmigen Aussackung nimmt. „In absehbarer Zeit wird sich das Aneurysma voraussichtlich vollständig zurückbilden“, verspricht Dr. Haas.

Laura ist weltweit das erste Kind, dem ein derartiger Stent eingesetzt wurde. „Die Situation ergab sich, weil wir für jeden Patienten die individuell bestmögliche Behandlungsstrategie erreichen wollen“, betont Prof. Kececioglu. „Dabei suchen wir medizinische Lösungen, die für unsere oft sehr jungen Patienten so schonend wie möglich sind.“ Lauras Eltern wissen das zu würdigen. „Wir sind sehr dankbar für den beispiellosen Einsatz der Herzspezialisten in Bad Oeynhausen“, sagt Vater Thomas M.

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