Weltnichtraucher-Tag am 31. Mai: DGRh rät Patienten mit Rheuma dringend zu Rauchstop

Auffällig viele junge Menschen mit einer axialen Spondyloarthritis, wie Rheumatologen die Erkrankung nennen, rauchen. „Unter den Patienten, die sich bei Fachärzten in Behandlung befinden, ist fast jeder zweite aktiver oder ehemaliger Raucher“, sagt Professor Dr. med. Hendrik Schulze-Koops, Präsident der DGRh und Leiter der Rheumaeinheit am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Es gebe zwar bislang keine Hinweise, dass Rauchen zu den Auslösern der Erkrankung gehört. Denn weshalb es bei einigen Menschen ab dem Alter von 20 bis 40 Jahren zu einer chronischen Entzündung in der Umgebung der Wirbelsäule kommt, ist wie bei den meisten rheumatischen Erkrankungen noch nicht abschließend geklärt. Fest stehe jedoch, dass Rauchen mit einem früheren Auftreten von Krankheitsanzeichen verbunden ist und die Versteifung der Wirbelsäule rascher voranschreiten kann. „Rauchende Patienten haben meist stärkere Rückenschmerzen und die Veränderungen im Röntgenbild sind ausgeprägter als bei nichtrauchenden Patienten“, berichtet der Rheumatologe.

Dies wurde kürzlich durch eine Untersuchung von 2.000 Patienten aus Großbritannien bestätigt. Auch dort war die Hälfte der Patienten aktiver Raucher oder ehemaliger Raucher. Diese Gruppe hatte eine höhere Krankheitsaktivität und sie litt häufiger unter Müdigkeit, Schlafstörungen, Angst und Depressionen, die häufige Folgeerscheinungen einer axialen Spondyloarthritis sind. Nach den in der Fachzeitschrift „Rheumatology“ (2019; 58: 811-819) veröffentlichten Ergebnissen erkranken Raucher zudem häufiger an einer Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt. Entzündungen in Auge (Uveitis) oder Darm (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) waren dagegen etwas seltener. Ein überraschender Befund, der nach Ansicht der britischen Experten um Nicola Goodson, Universität Liverpool, noch durch weitere Studien überprüft werden muss.

Warum Rauchen Rheuma verstärkt, erläutert Professor Schulze-Koops: „Die Schadstoffe aus dem Tabakrauch lösen im Blut eine Entzündungsreaktion aus“. Der Laborwert CRP (C-reaktives Protein) sei häufig erhöht. Dies verstärke die chronische Entzündung, die bei Rheuma die Gelenke angreift und zerstört.

Die DGRh rät in ihrer Leitlinie zur axialen Spondyloarthritis deshalb allen Patienten dringend dazu, mit dem Rauchen aufzuhören, um stärkere Einbußen der Funktionsfähigkeit und das Fortschreiten der Erkrankung zu begrenzen. „Die Patienten sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, schädliche Einflüsse von Tabakrauch zu meiden“, sagt Professor Schulze-Koops. Dazu gehört das kostenlose „rauchfrei“-Ausstiegsprogramm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), aber auch Selbsthilfegruppen, eine psychologische Beratung, Nikotinersatzstoffe oder Medikamente. Die Kosten für Nikotinersatzstoffe oder Medikamente werden von den Krankenkassen derzeit allerdings nicht übernommen.

Bei Abdruck Beleg erbeten.

Pressekontakt für Rückfragen:
Stephanie Priester
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-605
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: priester@medizinkommunikation.org

Originalpublikation:
Sizheng Zhao, Gareth T. Jones, Gary J. Macfarlane, David M. Hughes, Linda E. Dean, Robert J. Moots and Nicola J. Goodson, Associations between smoking and extra-axial manifestations and disease severity in axial spondyloarthritis: results from the BSR Biologics Register for Ankylosing Spondylitis (BSRBR-AS) Rheumatology, Volume 58, Issue 5, May 2019, Pages 811–819, https://doi.org/10.1093/rheumatology/key371

Scroll to Top