Welt-AIDS-Tag: Lebenserwartung HIV-Infizierter steigt

Rostocker Mediziner rufen zu verstärkter Aufklärung und Vorsorge auf

Die Lebenserwartung HIV-positiver Menschen ist dank wirkungsvoller Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, stellen die Infektionsmediziner des Universitätsklinikums Rostock AöR fest. „Dieser medizinische Fortschritt darf aber nicht dazu führen, dass die Vorsorge vernachlässigt wird“, warnt Professor Dr. Emil C. Reisinger, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten. „Noch immer werden in Deutschland jährlich 3.000 Neuinfektionen diagnostiziert. Besonders besorgniserregend ist, dass sich ein Drittel dieser Patienten bereits in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium befindet.“ Die Diagnose werde in diesen Fällen zu spät gestellt und der Zeitpunkt des optimalen Therapiebeginns dadurch verpasst.

Am Universitätsklinikum Rostock wird seit 1996 mit großem Erfolg die so genannte „Hochaktive Antiretrovirale Therapie (HAART)“ angewandt, bei der, ähnlich wie bei der Tuberkulosebehandlung, mindestens drei Medikamente kombiniert werden. „Kombinationspräparate mit neuartigen Wirkstoffen verhindern längerfristig, dass sich die Widerstandsfähigkeit der Viren entwickeln kann und senken in der Folge die Viruslast im Körper. Sie steigern die Lebensqualität und die Bereitschaft der Patienten, Medikamente einzunehmen“, erklärt Dr. Carlos Fritzsche, Leiter der HIV-Sprechstunde am Universitätsklinikum. Dadurch sei die Lebenserwartung der Infizierten auf mehr als 20 Jahre gestiegen, bereits 60 bis 70 Prozent aller Patienten in Deutschland seien über 40 Jahre alt.

Die Ärzte mahnen, im Vertrauen auf die medizinischen Möglichkeiten nicht leichtsinnig zu werden und fordern aus Anlass des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember zu verstärkter Aufklärung und Vorsorge auf. „Sinnvolle Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige und vernünftige Aufklärung über verantwortungsvolles Sexualverhalten und den Gebrauch von Kondomen bereits in den Schulen, die Empfehlung regelmäßiger HIV-Tests und auch die frühzeitige Therapie der Infizierten können helfen, die Ausbreitung der HIV-Infektion in Deutschland zu stoppen“, argumentiert Professor Reisinger.

In Deutschland sind ungefähr 70.000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert (Stand Ende 2010). In Mecklenburg-Vorpommern leiden rund 350 Menschen an der Immunschwächekrankheit, rund 150 der Betroffenen werden in der HIV-Sprechstunde des Uniklinikums Rostock behandelt.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Emil C. Reisinger
Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock
E.-Heydemann-Straße 8, D-18057 Rostock
Tel.: +49 (0) 381 / 494–5000, Fax. :+49 (0) 381 / 494–5002
E-Mail: dekanat@med.uni-rostock.de

Pressekontakt: Matthias Schümann, Schillingallee 35, 18057 Rostock, Tel 0174 9670720

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