Wellness – eine amerikanische Idee

(dtd). Die Idee, sich selbst etwas Gutes zu tun und dabei noch zu genießen, hat einen Namen: Wellness. Wohl kaum eine Gesundheitsbewegung der vergangenen Jahrzehnte bietet so viele Möglichkeiten, Körper und Geist fit zu halten. Und gerade darin liegt auch der Nachteil: Der Begriff Wellness ist nicht geschützt. Das bedeutet, dass es keine gesetzlich festgeschriebenen Standards gibt, was Wellness sein muss. Zumindest in Deutschland.

Geboren wurde Wellnessbewegung in den USA. In den 1950er Jahren haben amerikanische Ärzte und Sozialmediziner aus den Begriffen „well being“ und „fitness“ beziehungsweise „well being“ und „happiness“ das Lebensstilkonzept „wellness“ entwickelt, das in den kommenden Jahrzehnten einen ungeahnten Boom erfahren sollte. Im Auftrag der US-Regierung entwickelten Donald Ardell und John Travis in den 1970er Jahren den Wellness-Begriff weiter, um die steigenden Kosten im amerikanischen Gesundheitswesen im Zaum zu halten. Auf der Basis von Selbstverantwortung und Gesundheitsvorsorge entstanden Wellnessprogramme, die körperliche Fitness, Ernährungs- und Umweltbewusstsein sowie Stressbewältigung miteinander verbanden. Ziel dabei war und ist, den Einzelnen in Selbstverantwortung zu mehr körperlicher und geistiger Zufriedenheit zu führen. Beim heutigen Wellnessgedanken in Deutschland stehen vor allem der Genuss- und Erholungsfaktor an erster Stelle. Man kümmert sich um sein körperliches und geistiges Wohlbefinden, in dem man sich verwöhnen lässt.

Da der Begriff nicht rechtlich geschützt ist, kann „Wellness“ für Mineralwasser, Matratzen, Tee, Textilien oder sonstigen Lifestyle-Produkten benutzt werden. Ob dadurch das körperliche und geistige Wohlbefinden tatsächlich fördern ist dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass der Wellnessmarkt boomt. Laut Lutz Hertel, Gründer und Vorsitzender des unabhängigen Deutschen Wellness Verbands (DWV), verzeichneten die Anbieter von Wellnessprodukten im vergangenen Jahr rund 70 Milliarden Euro Umsatz. Der Markt ist groß und nicht klar abgegrenzt, so der Experte. Kosmetik, Massagen, Meditation, Fitness/Sport, Nahrungsergänzungsmittel, Solarien, Hotels, Kurkliniken sind da nur einige verheißungsvolle Beispiele, aus denen die Kunden wählen können.

Die Tourismus-Industrie hat nach Angaben des DWV im Laufe der Jahre von der Wohlfühlwelle am meisten profitiert: Wellness und Urlaub stand und steht für viele Bundesbürger in unmittelbarem Zusammenhang. Deshalb hat sich der DWV auch darauf konzentriert und hierfür Qualitätsstandards entwickelt. Aber auch der Bereich Medical Wellness gewinnt an Bedeutung. Das sind Programme mit fachärztlicher Begleitung, die sich besonders für Menschen mit Risikofaktoren eignen. Ziel ist es, den Lebensstil dahingehend zu verändern, dass er gesundheitsfördernd ist.

Auch der Umweltschutz und Nachhaltigkeitsgedanke wird beim Wellness nicht vergessen. Green Spa nennt sich das dann und basiert auf Leitsätzen für gesundheitlich, ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiges Handeln in Spa- und Wellness-Unternehmen.

Genau hinschauen
Prüfzeichen besiegeln nicht immer Qualität

(dtd). Der Begriff Wellness ist rechtlich nicht geschützt. Das bedeutet, dass „Wellness“ für fast jedes Produkt verwendet werden kann: für Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Kosmetik, Sportkurse, Meditationsangebote, Massagen, Urlaub, Wassergymnastik, Matratzen, Kleidung. Eine Definition des Inhalts für die verschiedenen Bereiche ist da schwer möglich.

Dennoch hat sich der Deutsche Wellness Verband e.V. (DWV) in Düsseldorf dies zum Ziel gesetzt. Der DWV ist seit mehr als 20 Jahren die bislang einzige Organisation in Deutschland, die branchenunabhängig für Dienstleister und Verbraucher gleichermaßen einen ganzheitlichen Wellnessbegriff etablieren möchte. „Wir stellen immer wieder fest, dass Wellnessanbieter Leistungen versprechen, die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen“, so Lutz Hertel, Gründer und Vorsitzender des DWV.

Hertel griff vor 20 Jahren die amerikanische Idee von Wellness auf und gründete den Verein, dessen Vorsitzender er bis heute ist. Im Laufe der Jahre erwarb sich der Diplom-Psychologe mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement und Psychokardiologie den Ruf, einer der erfahrensten Wellness-Experten im deutschsprachigen Raum zu sein. Seit Jahren arbeitet der DWV an Standards, oft zusammen mit anderen Organisationen wie etwa Krankenkassen, die mehr Transparenz in den Markt bringen. Seit 2002 können sich Wellnessanbieter beim DWV zertifizieren lassen.

Gerade im Bereich des Wellnessurlaubs wird dem Erholungssuchenden oft das Blaue vom Himmel versprochen. Zertifikate, die die Qualität des Betriebs unterstreichen sollen, sind meist nicht mehr als regionale Marketinginstrumente. Das hat auch das Magazin Öko-Test in seiner Spezialausgabe „Kompakt Gütesiegel“ 2010 festgestellt und acht Gütesiegel unter die Lupe genommen. Untersucht wurden unter anderem die Prüfkriterien und die Vergabemodalitäten. Als „verlässliches Gütesiegel, das auf einer sehr umfangreichen Prüfung basiert“ bezeichnete Öko-Test das Siegel des Deutschen Wellness Verbands. Es ist zugleich die beste Test-Beurteilung. Im Moment tragen elf Clubs in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Spanien, der Türkei, Portugal, Ägypten und Marokko dieses Wellnessaushängeschild.
Ebenfalls gut schnitt das Prüfsiegel „Alpine Wellness“ im Test ab, das vor allem im Salzburger Land eine Rolle spielt. Urlauber auf der Suche nach Wellnessangeboten im Alpenraum können sich an diesem Siegel orientieren, so das Magazin. Weitere Infos sowie einen ausführlichen Testbericht gibt es unter www.oekotest.de. Unter www.wellnessverband.de werden die Prüfkriterien genauer erläutert.

Darauf sollte man achten
Deutscher Wellnessverband gibt Verbrauchertipps

(dtd).Nicht jeder Wellnessanbieter ohne Zertifikat muss zwangsläufig ein schlechter sein. Und nicht jeder Urlauber ist mit dem Angebot eines zertifizierten Betriebes zufrieden. Wellness ist immer auch eine sehr individuelle Angelegenheit desjenigen, der sich verwöhnen lassen will. Für jene, die noch keine hinreichende Erfahrung mit Wellness haben, gibt es einige Punkte zu beachten, um auch Qualität zu erhalten.
Ob Hotel, Kosmetikstudio, Solarium oder Fitnessstudio: Das Angebot sollte von dafür ausgebildetem Personal durchgeführt werden. Für die Seriosität des Betriebs und der Leistungen spricht die Qualifikation der Mitarbeiter.

Wer einen Kurzurlaub in einem Wellnesshotel plant, kann sich beispielsweise erkundigen, wie groß der Wellnessbereich ist. „Wir empfehlen 15 Quadratmeter gut ausgestattete Wellnessfläche pro Gästezimmer. Demnach sollte ein Haus mit 100 Zimmern über rund 2000 Quadratmeter Wellnessfläche mit Badelandschaft, Fitnessraum, Anwendungsbereich sowie Beautybereich verfügen. Die Untergrenze für ein vernünftiges Angebot sehen wir bei 1000 Quadratmeter“, erklärt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband.

Die Qualität der verwendeten Produkte, die Sauberkeit der Räume sowie Service und die Freundlichkeit des Personals spielen natürlich auch eine Rolle. Ein Anhaltspunkt kann auch die Küche des Hotels sein: Gibt es auf Wellness abgestimmte Menüs und Getränke?

Eine gute Beauty-Behandlung zeichnet sich durch eine umfassende vorherige individuelle Beratung aus. Dabei sollten unter anderem mögliche Allergien, gesundheitliche Probleme, körperliche Einschränkungen und Besonderheiten zur Sprache kommen. Die verwendeten Produkte während der Behandlung sollten aus einer Pflegeserie stammen. Sie selbst sollten sich während der gesamten Behandlung entspannen können, nicht frieren, kein unangenehmes Gefühl haben.

Die Preise eines Wellnessaufenthalts in einem Hotel oder einem Kosmetikstudio können ebenfalls ein Anhaltspunkt sein. Jedoch bedeutet ein hohes Preisniveau nicht immer auch ein hohes Qualitätsniveau. Der Deutsche Wellness Verband gibt Verbrauchern hier Richtwerte an die Hand. Beispielsweise ist es für eine Gesichtsbehandlung oder eine Wellnessbehandlung im dafür ausgewiesenen Hotel angemessen, je einen Euro pro Wellnessminute zu veranschlagen.

Ausführliche Verbrauchertipps zu jedem Wellnessbereich gibt der Deutsche Wellness Verband auf seiner Homepage unter www.wellnessverband.de.

Lieber der gesunde Kurztripp
Wellness im eigenen Land ist sehr gefragt

(dtd).Die Umsatzzahlen der Tourismusbranche sprechen eine deutliche Sprache: Der Wellnessurlaub liegt voll Trend und das schon seit Jahren. 5,6 Millionen Haushalte haben bereits einen Wohlfühlurlaub hinter sich, jeder dritte Haushalt – das sind 11,5 Millionen – plant einen solchen Urlaub. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Grundlagenstudie „Wellness Sensor“, die GfK Travelscope zusammen mit dem Deutschen Wellness Verband erstellt haben.

Demnach verzeichneten die Reiseanbieter ein Umsatzplus von durchschnittlich neun Prozent in den vergangenen fünf Jahren, was auch auf ein deutlich erweitertes Angebot von Reisen auf diesem Sektor zurückzuführen ist, heißt es in der Studie. Im Mittelpunkt eines Wellnessurlaubs steht für 40 Prozent der Reisenden der Wunsch nach einem „körperlichen Ausgleich zum Alltag“. Erst danach wollen sie sich verwöhnen lassen und sich etwas Gutes gönnen. Jeder dritte Urlauber nennt Stress als ausschlagenden Faktor für einen Wellnessaufenthalt.

Das Ausland ist für Wellnessurlauber nicht so attraktiv, sie bleiben für den gesunden Kurztrip lieber im Lande. Das beliebteste Bundesland für diese Erholungssuchenden ist Bayern, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg. Wen es doch ins Ausland zieht, der genießt Wellness am liebsten in Österreich und Norditalien.

Wellness und Wasser, das ist für die meisten Reisenden untrennbar miteinander verbunden. Laut der Studie sind Hotels mit ansprechender Badelanschaft und ausgedehnten Nassbereichen deshalb besonders beliebt. Ausschlaggebend für die Entscheidung, welches Hotel in Frage kommt, sind das Preis-Leistungsverhältnis und die Hygiene. Schließlich will der Kunde für seine durchschnittlich 476 Euro pro Wellness-Urlaub möglichst viel Nutzen haben.

Eine Lebensaufgabe: Wellness zu Hause
Was ist gut für den eigenen Körper und Geist?

(dtd).“Der Hauptschauplatz für Wellness ist das eigene Zuhause. Dafür brauche ich keine Produkte“, diese Aussage von Lutz Hertel, Vorsitzender des deutschen Wellness Verbandes in Düsseldorf, wird wohl bei vielen zunächst Kopfschütteln hervorrufen. Also keine Entspannungsmusik, keinen Wohlfühltee, keine Wellness-Socken, keine Wellness-Packungen für Körper, Gesicht und Haare, keine kleine Portion von leckeren Wellness-Menüs?

Wer Wellness so versteht wie Hertel, für den ist es eine Lebensphilosophie, die einen gesunden Lebensstil mit sich bringt. Dazu gehört nicht, dass man sich am Wochenende in der Saune trifft, ins Fitnessstudio geht oder ein paar Tropfen Duftöl ins Badewasser gibt. Dazu gehört vielmehr, dass man immer wieder seine gesamte Lebenssituation daraufhin abfragt, ob sie für Körper und Geist wohltuend sind. Das kann zum Beispiel bedeuten, die Wohnung zu verändern, den Beruf zu wechseln, mehr Sport zu treiben, Essgewohnheiten umzustellen, Freundeskreise zu erweitern – kurz: Verantwortung für sich und seinen Körper zu tragen. Der amerikanische Wellnesstraum.

Unterstützung für diesen Wellnessgedanken kann man bei einigen Krankenkassen finden, die nachhaltige Angebote in diesem Sektor fördern.

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