Hitze, Schweißausbrüche, trockene Schleimhäute, Niedergeschlagenheit – wenn die Wechseljahre kommen

Keine will sie, doch nur die allerwenigsten bleiben verschont: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Herzklopfen – den meisten Frauen stehen diese Beschwerden mit den Wechseljahren bevor. Es gibt kein Patentrezept dagegen, jede Frau muss ihren eigenen Weg finden. „Wer sich ausgewogen ernährt, viel bewegt und genug schläft, ist am besten gerüstet, um diese Übergangszeit gut zu überstehen“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Menopause, Klimakterium – Das klingt nach Krankheit, ist es aber nicht. „Die Wechseljahre sind ein ganz natürlicher Lebensabschnitt, bei denen die Eierstöcke nach und nach aufhören, Eizellen freizugeben“, sagt Eymers. Bei den meisten Frauen fängt das mit Ende 40 an, die Blutungen werden unregelmäßiger, die Übergangszeit heißt Klimakterium, die letzte Regelblutung ist die Menopause. Frauen können dann keine Kinder mehr bekommen. Oft verlaufen die Wechseljahre bei Frauen wie bei ihren Müttern, sowohl was den Zeitpunkt als auch die Intensität der Beschwerden betrifft. Diese Zeit ist nicht nur eine hormonelle Umstellung, sondern läutet mit dem Älterwerden eine neue Lebensphase ein. „Viele Frauen empfinden das als sehr schwierige Zeit“, sagt Eymers. Andere gehen aber auch ohne größere Probleme durch und begreifen die Phase als Chance, sich beruflich oder emotional neu zu orientieren oder ihren Lebensstil zu ändern. So unterschiedlich Frauen sind, so unterschiedlich erleben sie diese Zeit.

 
Bei starken Beschwerden vom Arzt beraten lassen

Hitze, Schweißausbrüche, trockene Schleimhäute in der Scheide, Niedergeschlagenheit: Bei wem sich das alles in erträglichen Grenzen hält, der wird diese Zeit an sich vorbei ziehen lassen. In den meisten Fällen dauert das ein bis zwei Jahre. Doch bei vielen Frauen ist das anders. Sie leiden unter starken Beschwerden, stellen sich selbst und ihr Leben in Frage und haben vielleicht auch Schwierigkeiten, das Älterwerden an sich zu akzeptieren. „Diese Frauen sollten sich auf jeden Fall erst einmal von ihrem Arzt untersuchen und beraten lassen“, sagt Eymers. Er klärt ab, ob körperlich soweit alles in Ordnung ist und in welcher Phase der Wechseljahre sich die Frau befindet.

Anders als noch vor einigen Jahren setzen Ärzte heute nur noch sehr zurückhaltend eine Hormonbehandlung, früher auch Hormonersatz-Therapie genannt, ein. „Sie lindert zwar tatsächlich Beschwerden wie Hitze und Schweißausbrüche. Aber die Risiken durch Nebenwirkungen müssen genau abgewogen werden“, sagt Eymers. Dazu gehören unter anderem Krebs und Schlaganfälle. Beschwerden wie eine trockene Scheide werden allerdings nach wie vor noch häufiger mit östrogenhaltigen Salben behandelt. Wenn Frauen noch eine Gebärmutter haben, wägt der Arzt ab, ob sie zusätzlich noch ein Gestagen einnehmen müssen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. „Falls die trockene Scheide Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr macht, kann es sinnvoller sein, auf ein Gleitmittel zurückzugreifen“, sagt Eymers.

Da die Hormonbehandlung mittlerweile so ins Gerede gekommen ist, greifen viele Frauen deshalb heute auf alternative Methoden zurück. Am häufigsten werden pflanzliche Östrogene eingenommen, die so genannten Phytoöstrogene. Wissenschaftlich ist der Nutzen allerdings genauso wenig belegt wie mögliche gesundheitschädliche Risiken.

Pflanzliche Mittel und ihre Wirkung

Bei Schlafstörungen schwören manche Frauen auf Baldrian, ein Melissentee kann helfen zu entspannen, Johanniskraut hellt die Stimmung auf. Manchem verschafft auch der Duft von Lavendel Entspannung, Zypresse soll gegen die Hitzewallungen helfen. „Jede Frau sollte einfach für sich ausprobieren, ob es ihr etwas bringt“, sagt Eymers. Dabei ist immer zu bedenken, dass pflanzliche Mittel erst einige Wochen eingenommen werden müssen, bis sie zu wirken beginnen. Grundsätzlich warnt die Expertin jedoch vor der Traubensilberkerze (Cimicifuga Racemosa), da es bei diesem Präparat in der Vergangenheit einige Fälle von Leberschäden gab. Viele Frauen versuchen auch, durch Akupunktur, Homöopathie oder Fußreflexzonenmassage ihre Beschwerden zu verbessern. Auch hier gilt: Wissenschaftlich belegt ist der Nutzen nicht, aber wenn es gut tut, ist schon viel erreicht.

 
Körperlich aktiv bleiben

Wie in allen anderen Lebenslagen, wirkt es sich auch in den Wechseljahren positiv aus, wenn man körperlich aktiv ist, sich ausgewogen ernährt, für ausreichend Schlaf und Entspannung sorgt: „Man kann die Wechseljahre weder weg trainieren, noch weg essen oder weg schlafen, aber man kann damit viel tun, um sie gut zu überstehen“, sagt Eymers. So wirkt sich regelmäßiges Ausdauertraining positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Viel Bewegung beugt zudem nicht nur dem Knochenabbau vor, sondern hebt auch die Stimmung. Ausreichend Schlaf und Entspannungstechniken wie Yoga und Tai Chi helfen dem Körper, sich besser zu regenerieren und innere Balance zu finden. Bei der Ernährung sollten Frauen in den Wechseljahren mehr denn je auf Ausgewogenheit achten: Viel Obst, Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte. 2Das unterstützt den Körper bei der Umstellung und trägt insgesamt zu mehr Wohlbefinden und guter Gesundheit bei“, sagt Eymers.

Vielleicht ein kleiner Trost zum Schluss für alle, die gerade von Hitze, Schweiß und schlechter Stimmung geplagt sind: Auch Männern sind die Wechseljahre keineswegs unbekannt. Nur ist das Thema bei ihnen noch ziemlich tabu. „Sprechen Sie es bei Ihrem Partner an. Das kann für beide Seiten eine große Hilfe sein“, sagt Eymers.

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