Was tun bei ausgeschlagenem Kinderzahn?

Bei etwa der Hälfte aller Kinder und Jugendlichen passiert es irgendwann: Ein Zahn wird verletzt, bricht ab oder wird gar ausgeschlagen. Prof. Claus Löst, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Zahnerhaltung an der Tübinger Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, beschreibt die wichtigsten Sofortmaßnahmen.

Was sind die häufigsten Ursachen für Zahnverletzungen bei Kindern und Jugendlichen?
Typisch sind Unfälle, die sich im Freibad, auf dem Schulhof in der Pause, im Sport und beim Fahrrad- oder Skateboardfahren oder sogenannten Trendsportarten ereignen.

Was ist bei einer solchen Verletzung zu tun?
Wichtig ist, ob es sich um einen Milchzahn oder einen bleibenden Zahn handelt. Milchzähne werden nicht wieder eingesetzt. Trotzdem sollte man auch in diesem Fall rasch einen Zahnarzt konsultieren. Wurde ein Zahn entgegen des ersten Anscheins nicht aus-, sondern eingeschlagen, könnte der darunter liegende Zahnkeim des bleibenden Zahns beschädigt worden sein.

Und wenn es sich schon um einen bleibenden Zahn handelt?
Ausgeschlagene Zähne sollte man immer nur an der Zahnkrone und nicht an der Wurzel anfassen. Ob ein Zahn wieder normal anwächst, hängt vor allem vom Verletzungsgrad der Wurzelhaut ab. Sie darf weder austrocknen noch mit Desinfektionsmitteln in Kontakt kommen. Verschmutzte Zähne werden wenige Sekunden unter fließendem Wasser abgespült. Am besten wird die Wurzelhaut geschützt, wenn der Zahn wieder an seine ursprüngliche Position im Mund zurückgesteckt wird, um dann sofort einen Zahnarzt aufzusuchen. Ist das nicht möglich, sollte der Zahn in Kochsalzlösung oder H-Milch zwischengelagert werden. Sehr gut sind Zahnrettungsboxen aus der Apotheke, die auch in vielen Sporteinrichtungen und Schulen vorgehalten werden.

Kann ein Zahn wieder vollständig anwachsen?
Ja. Nachdem er fachgerecht wieder eingesetzt wurde, muss er zwei Wochen geschient werden. Dann ist meist noch eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich. Auch wenn ein Zahn unter weniger optimalen Bedingungen wieder eingepflanzt wurde, gelingt es heute vielfach, ihn zumindest solange zu erhalten, bis im Alter von etwa 20 Jahren ein Implantat als Ersatz möglich wird. Es gilt also, schnell und richtig zu handeln, um unnötige kosmetische und funktionelle Beeinträchtigungen, häufige Zahnarztbesuche und Kosten zu vermeiden.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Prof. Claus Löst
Ärztlicher Direktor der Abteilung für Zahnerhaltung
Osianderstr. 2-8, 72076 Tübingen
Claus.Loest@med.uni-tuebingen.de

Weitere Beiträge aus der Serie „Der Professor rät“ des Tübinger Uniklinikums finden Sie im Patientenportal unter www.medizin.uni-tuebingen.de
(idw, 10/2010)

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