Was macht den Menschen zum Menschen?

Können Tiere reden? Schreien französische Babies anders als deutsche? Was haben Fahrradfahren und Sprechen gemeinsam? Was hat Konversation mit Lausen zu tun? Wieso lernen Kleinkinder durch Augenkontakt mehr als vom Bildschirm? Hören Männer wirklich anders zu? Wieso sollte man beim Sprechen die Hände frei haben? – Nach Antworten auf diese und viele andere Fragen sucht eines der spannendsten interdisziplinären Forschungsgebiete unserer Zeit – die Sprachforschung. In Deutschland führende Expertin auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. phil. Angela D. Friederici, Germanistin, Psychologin und Gehirnforscherin, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.

Die international renommierte Forscherin ist als erster Frau die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2010 verliehen worden, eine Ehrung, die herausragenden Wissenschaftlern und Repräsentanten des öffentlichen oder kulturellen Lebens für jeweils ein Jahr zuteil wird. Ziel der Stiftungsprofessur ist unter anderem, neue Akzente in Lehre und Forschung zu setzen, über Fachgrenzen hinweg.

Vor Friederici erhielten diese Auszeichnung der "Freunde der Universität Mainz" prominenten Wissenschaftler wie der Historiker Fritz Stern, der Evolutionsbiologe Bert Hölldobler oder der Literaturwissenschaftler und Forschungsförderer Wolfgang Frühwald, aber auch Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens wie Karl Kardinal Lehmann, Klaus Töpfer und Hans-Dietrich Genscher.

Im Mittelpunkt der Forschung von Angela D. Friederici steht die Entschlüsselung des Zusammenhangs von Sprache und Gehirn – ein Thema, das nicht nur Neurologen und Linguisten interessiert, sondern auch für die Lernforschung, die Evolutionsbiologie, die Computerwissenschaften, die Medizin oder Philosophie relevant ist. Um die aktuellsten Ergebnisse und Debatten darzustellen und zu diskutieren, hat Prof. Friederici international führende Experten auf diesem Gebiet als Gastleser eingeladen:

* NOAM CHOMSKY, Institut für Linguistik und Philosophie am Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Boston, hat nicht nur, neben einer Vielzahl anderer Postulate, die Theorie einer universalen Grammatik entwickelt und damit ganz wesentliche Aspekte in der Linguistik gesetzt. Er ist auch darüber hinaus als Philosoph und Publizist einer der international bekanntesten Persönlichkeiten der Wissenschaft. — 24. März 2010
<http://www.chomsky.info>

* SIMON FISHER, Humangenetiker an der Universität Oxford und dem dortigen Wellcome Trust Centre for Human Genetics. Der Experte für kindliche Lernschwierigkeiten entdeckte u.a. eine Genmutation (FOXP2), die sich negativ auf die Sprachentwicklung auswirkt und sogar bei Tieren die verbale Kommunikation beeinflusst. Seit dem Jahr 2002 erforscht er in seinem Labor die Abhängigkeit des Spracherwerbs von genetischen Faktoren, die sich verschiedenste Bereiche des Gehirns auswirken können. — 20. Mai 2010
<http://www.well.ox.ac.uk/simon-e-fisher-homepage>

* KRISTINA SCHRÖDER ist seit 30. November 2009 Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend und in dieser Funktion u.a. verantwortlich für die frühkindliche Förderung und Sprachentwicklung als Voraussetzung für Bildungs- und Chancengleichheit. — 27. Mai 2010
<http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/aktuelles,did=132908.html>

* PETER BIERI, Schweizer Philosoph und Schriftsteller (unter dem Namen Pascal Mercier), war bis 2007 Professor für Sprachphilosophie an der Freien Universität Berlin und ist einer der Mitbegründer des DFG-Forschungsschwerpunkts "Kognition und Gehirn". Er verbindet seine Leidenschaft für Literatur mit Fragen des Zusammenhangs zwischen Sprache, Selbsterkenntnis, Bewusstsein und Selbstbestimmung. — 10. Juni 2010
<http://specials.hanser.de/mercier/index.asp>

* JULIA FISCHER hat sich als international bekannte Primatenexpertin und Professorin für Kognitive Ethnologie an der Universität Göttingen spezialisiert auf die Erforschung des Wechselspiels von Kommunikation und sozialem Lernen bei Affen. Sie untersucht auch den Einfluss evolutionärer Faktoren auf die Lautgebung der Tiere. Im "Baboon Camp" in Botswana beobachtete sie die Kommunikation freilebender Paviane. — 17. Juni 2010
<http://www.cog-ethol.de/de/people_2.php?lang=1&PID=32>

Neben diesen Beiträgen der internationalen Gäste wird Angela D. Friederici fünf Vorlesungen aus ihrem eigenen Forschungsgebiet halten:
* Wie der Mensch Sprache versteht — 15. April 2010
* Wie das Kind Sprache erwirbt — 22. April 2010
* Warum Sprachenlernen für Erwachsene schwer ist — 29. April 2010
* Wie das Gehirn Sprache und Musik verarbeitet — 6. Mai 2010
* Warum der Affe keine Sprache lernt — 11. Mai 2010

Der englischsprachige Vortrag von Noam Chomsky am 24. März 2010 beginnt um 16:00 Uhr im Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft, Jakob-Welder-Weg 9, auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Alle weiteren Vorträge beginnen jeweils um 18:15 Uhr.
(idw, 03/2010)

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