Was die Lebensprozesse im Innern zusammenhält

Eine Forschungsgruppe an der Philipps-Universität Marburg will den Schlüsselprozessen des Lebens auf die Spur kommen. Dafür untersucht das Team um den Leibniz-Preisträger und Leiter des Marburger Instituts für Zytobiologie und Zytopathologie, Prof. Dr. Roland Lill, auf molekularer Ebene, wie in bestimmte Proteine die sogenannten Eisen-Schwefel-Cluster eingebaut werden. Diese Proteine sind an der Energiegewinnung, der Proteinsynthese sowie der DNA-Synthese und – Reparatur beteiligt – also an essenziellen Zell- und damit Lebensprozessen.

Zur weiteren Erforschung dieser lebenswichtigen Prozesse erhielt Biochemiker Lill jetzt im Rahmen der Reinhart-Koselleck-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die nächsten fünf Jahre eine Förderung von einer Million Euro.

„Für die Bildung dieser für die Zellen lebenswichtigen Eisen-Schwefel-Verbindungen im Cytosol, das ist die lösliche Grundsubstanz im Zellinnern, ist eine komplexe Abfolge biochemischer Reaktionen notwendig. Insgesamt sind an der Synthese cytosolischer Eisen-Schwefelproteine 30 Proteine in den Mitochondrien und im Cytosol der Zelle beteiligt“, erklärt Roland Lill. Das Zusammenwirken dieser einzelnen Proteine bei der Eisen-Schwefel-Proteinbildung gleiche den Produktionsabfolgen in einer komplizierten Maschine. Daher prägten Lill und sein Team den Begriff „CIA“ für die Cytosolische Eisenschwefel-Protein-Assemblierungsmaschinerie.

Die Forschenden um Lill identifizierten bisher elf sogenannte CIA-Proteine. „Wie diese Proteine genau arbeiten, wissen wir noch nicht und wollen es deshalb im Rahmen der Koselleck-Förderung herausfinden“, sagt Lill. In den nächsten fünf Jahren will er mit seinem Team die molekularen Mechanismen von drei CIA-Komplexen mit insgesamt sieben Proteinen erforschen. Dazu sollen die dreidimensionalen Strukturen der CIA-Komplexe bestimmt und deren genaue biochemische Funktion aufgeklärt werden.

Reinhart Koselleck-Projekte

Das nach dem deutschen Historiker (1923-2006) benannte Programm ist ein DFG-Förderinstrument. Durch besondere wissenschaftliche Leistungen ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll mit dem Programm die Möglichkeit eröffnet werden, in hohem Maß innovative oder im positiven Sinn risikobehaftete Projekte durchzuführen.

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